Tierhilfe Verbindet e.V.


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Tierschutz im Süden IV

Ein Besuch in Athen
Januar 2007

   

 


Schon lange haben wir Kontakt zu einer deutschen Tierschützerin in Griechenland die jeden Tag versucht das Leid vieler Hunde in Athen zu lindern. Inzwischen verbindet uns eine enge Freundschaft und so manches Leid wird des nachts am Telefon geteilt.
Einige der Hunde, die sich in ihrer Obhut befanden, haben wir inzwischen in wunderbare Zuhause vermitteln können.
Vor wenigen Wochen entschloss ich mich, Elke mal wieder zu besuchen. Ich wollte hinfahren um sie einfach wieder zu sehen, wieder ihre unglaubliche Arbeit erfahren zu dürfen, zu sehen wie wir helfen können und um wieder mal im Anschluss daran, Ihnen hier berichten zu können.
So startete ich am 12. Januar Richtung Athen.
Während ich zum Check-In gehe, denke ich wieder mal daran, wie wir helfen können. Ideen gibt es viele, Menschen die helfen wollen und mit anpacken möchten ebenso, aber alles entscheidet sich immer an dem Punkt, am den die Frage auftaucht, wie wir alles finanzieren sollen.
Während ich auf den Aufruf warte, in den Flieger einsteigen zu dürfen, sehe ich auf dem aufgehängten Flachbildschirm, der zur Unterhaltung der wartenden Fluggäste angestellt wurde, einen Bericht über einen Fußballer. Es geht darum, dass er einen neuen Vertrag unterschrieben hat und ganz neue Ideen habe. Er wechselt in ein anderes Land und möchte auch eine eigene Textil-Kollektion rausbringen.
Man sieht ihn, während er auf dem Spielfeld einem Ball hinterher läuft und die jubelnde Menge, dann schwenkt die Kamera in eine neue Szene, und man sieht wie jemand gelbe T-Shirts in einem Laden auf die Stange hängt. Daraufhin erklärt die Sprecherin, dass er mit dem neuen Vertrag die nächsten fünf Jahre 190 Millionen Dollar verdienen wird.
Ich steige in den Flieger und verstehe wie so oft so Vieles nicht...

In Athen angekommen, warte ich erst Mal eine ganze Weile, bis Elke gehetzt ankommt. Es ist Mittagszeit, aber an diesem Tag hat sie schon wieder ein enormes Pensum hinter sich, um allen Anforderungen gerecht zu werden.
Wir steigen in ihr altes, kleines Auto, das noch kaputter ist, als ich es in Erinnerung hatte. Wieder mal lacht sie, dass sie hoffe wir würden nicht stehen bleiben, aber sie habe weder Zeit noch Geld das Auto in die Werkstatt zu schaffen. Mir fallen wieder die gelben T-Shirts ein...

Wir düsen zu Elke nach Hause. Sofort wuchtet sie riesige Töpfe auf den Herd, denn sie kocht Fleisch und Nudeln für die Hunde. Für Trockenfutter und Dosen reicht das Geld meist nicht und es ist billiger günstiges Frischfleisch vom Metzger zu kochen und es mit Nudeln oder Reis zu strecken.
Kaum ist es fertig, ziehen wir alte Klamotten an und wuchten die schweren Behälter mit dem gekochten Fleisch ins Auto.
Die Fahrt geht los und wir erreichen nach 45 Minuten die Gehege an einem Park in Athen, wo Elke jeden Tag die Hunde füttert, sie zum Tierarzt fährt, neu ausgesetzte Hunde aufliest, bei schwer verletzten Hunden oder Hunden mit Vergiftungserscheinungen sofort erste Notmaßnahmen einleitet, bevor sie versucht einen Tierarzt zu erreichen. Eine Tierklinik in Athen gibt es leider nicht.

 


 

Die Gehege sind neu, sie wurden gebaut, weil die Hunde nicht mehr frei laufen sollen, damit sie  Niemanden stören. Der jetzige Bürgermeister akzeptiert die Gehege, was später bei einem politischen Wechsel sein wird, weiß niemand. Nicht alle Politiker sind für diese Gehege, manche wollen die Hunde einfach weg haben. Was das bedeutet ist klar...
 


 

Manche Menschen hätten dies auch jetzt schon gerne. Ich frage nach einigen Hunden, die ich vor zwei Jahren in Athen kennen lernte und die damals noch frei herum liefen. Viele habe ich nie vergessen.
Elke sagt, dass fast 80 Prozent der Hunde in den Gehegen unter einem Jahr alt sind. Alle anderen sind gestorben... Meist getötet, von Menschen die vergiftetes Fleisch in die Gehege werfen oder sich Hunde holen, um Hundekämpfe zu veranstalten. Mir schnürt es die Kehle zu.
Die Hunde in diesen Gehegen stören wirklich Niemanden. Es führt kein Fußweg daran vorbei, man sieht sie von den Fußwegen aus nicht einmal. Wer tut so etwas?

 


Elke erzählt von ein paar Hunden, die sie sterbend fand. Sie alle hatten mal ein Zuhause, wurden dann ungeliebt auf die Strasse gesetzt.
Ich denke daran, wie oft in Deutschland von „Strassenhunden“ aus dem Süden gesprochen wird. Ein sehr ausgereizter Begriff, der auf viele Hunde im Süden überhaupt nicht mehr zutrifft, weil er völlig falsche Bilder in unseren Köpfen hervorruft. Hören wir Strassenhunde, denken wir an frei lebende Hunderudel, an Hunde die Schwierigkeiten haben, Bindungen zu Menschen einzugehen, die selbständig und unabhängig sind und künftig sich jeden Mülleimer unter den Nagel reißen werden, um an Essen zu kommen.

 

 
 

Diese Hunde gibt es, ja, aber nicht alle Hunde aus dem Süden sind Strassenhunde. Diese, die ich in Athen kennen lernte, sind keine Strassenhunde. Sie wurden ausgesetzt von Tierschützerinnen gefunden, von ihren Besitzerin abgegeben, häufig als Hundebabys und dann in die Gehege der Tierschützerinnen aufgenommen. Sie hatten in der Regel alle mal ein Zuhause – sicher nicht immer das Beste, aber das ist in Deutschland auch nicht anders.
Dann gehen wir in die Gehege, auch hier werde ich absolut freundlich und überschwenglich begrüßt. Während Elke reinigt, füttert, mit den Hunden spricht, beginne ich Fotos zu machen, zu filmen, zu beobachten und zu lernen. Was man an einem solchen Ort über das Verhalten von Hunden untereinander lernt ist unglaublich und nicht mit den Erfahrungen, die man als ganz normaler Hundehalter macht, zu vergleichen.
 


 

Die Gehege sind gut eingerichtet: einfache Häuser dienen als gemütliche Höhlen, Taue an den Bäumen bieten Spielgelegenheit, Bälle und Stoffetzen liegen zum Toben bereit.
Elke erzählt die Geschichte des ein oder anderen Hundes. Es handelt sich nicht um Strassenhunde sondern Hunde, die irgendwann einfach ausgesetzt oder abgegeben wurden, weil sie aus den verschiedensten Gründen nicht mehr Willkommen waren. Tierschützerinnen fanden sie. Sie haben nie gelernt sich selbst zu versorgen, fast alle wurden von Menschen geprägt und die Hunde haben eine enge Bindung zu ihnen.
Ich filme, fotografiere, beobachte und spiele mit den Hunden. Die Zeit vergeht wie im Flug.
Als wir in Elkes Wohnung fahren, beschäftigt mich die ganze Zeit die Frage, die ich mir so oft stelle. Woher nehmen die Hunde den Optimismus, sich immer wieder auf Menschen einzulassen, zu vertrauen und zu binden? Sie alle wurden mehr als einmal von uns Zweibeinern enttäuscht.
 

       
 

Zwei Tage verbringe ich damit, Elke zuzuhören und Eindrücke zu sammeln.
Ich frage Elke, was mit den Hunden passiert, wie das alles weitergehen wird, denn ständig werden weitere Hunde abgegeben, einige ausgesetzt.
Elke erzählt, dass sie versuchen sofort alle Hündinnen zu kastrieren, um weiteren Nachwuchs zu verhindern.
Wenn sich die politische Situation in Athen ändert und vielleicht die Haltung zu den Gehegen, weiß Niemand was sein wird, Elke will darüber nicht nachdenken.
Sie hat Ähnliches schon mal erlebt....

Als Athen sich auf die olympischen Spiele vor wenigen Jahren vorbereitete, starben viele Hunde. Niemand wollte, dass Touristen damit verschreckt werden, viele wollten eine saubere Stadt, ohne Tierelend. Elke hat große Angst, wenn sie an die Zukunft der Hunde denkt.
 


Helfen könnte denen, die schon in den Gehegen sitzen, eine Adoption. Aber innerhalb Athens kann sie nur wenige Hunde vermitteln.
Eine Chance wäre die Vermittlung über Tierschützerinnen in Deutschland. Und eben die Kastration aufgefundener Hunde und die Gespräche mit Menschen, um die Haltung und den Respekt vor den Tieren zu fördern.
Aber es gibt viel zu wenige Helfer/ innen in Athen, zu wenige Menschen, die sich anschließen und für die Hunde kämpfen.
Wir gehen im Anschluss am Wasser lang. Überall stehen Futter- und Wasserbehälter von Menschen, die versuchen das Leid der Katzen hier zu lindern. Das Geld, alle Katzen zu kastrieren fehlt, Niemand gibt hierfür in Athen Geld. Auch für Impfungen und tierärztliche Behandlungen fehlt den Tierschützern in der Regel Geld. Die Tierschützerinnen kämpfen einen harten Kampf, David gegen Goliath.
 

 


Der Tag meiner Abreise nähert sich. Hundemädchen Alena und zwei Katzenkinder werden auf die Reise vorbereitet, denn sie dürfen mit mir in den Flieger steigen.
Die Tierärztin Georgi untersucht Alena nochmal genau und ist mit ihrem Gesundheitszustand sehr zufrieden. Die Tierärztin erzählt, dass sie in München geboren ist und einige Jahre hier lebte. Die Welt ist klein....;-)

 

 

Am Flughafen Athen findet Alena das Warten doof, Rumlaufen langweilig und will auf den Arm der Tierärztin. Als ich sie in den Gepäckwagen lege, schläft sie sofort ein. Nur die Katzen beschweren sich, einen Spaziergang durch den Flughafen fänden sie klasse.

 


Die Katzen müssen leider Cargo mitfliegen, Alena darf mit mir zusammen bleiben.
Einige Stunden später landen wir in München, glücklich, geschafft und ich sehr in Gedanken.
Wieder denke ich an gelbe T-Shirts.....

Noch in der gleichen Nacht mache ich mich daran, einige der fotografierten Hunde auf die Homepage zu stellen, die von ihren Besitzern nicht mehr erwünscht waren.... In der Hoffnung, dass viele bald ein schönes Zuhause finden werden und damit in Sicherheit sind!

Tina Hamp
Januar 2007


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