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Reisebericht unserer Spanienfahrt 2008
Unsere Barcelonafahrt im Januar 2008
Seit einigen Wochen liefen bereits die Vorbereitungen für unsere nächste Fahrt nach Spanien auf Hochtouren. Unzählige Telefonate wurden geführt, E-Mails verschickt, die Liste der Tiere, die mitfahren sollten, wurde x-mal überarbeitet und die Nächte waren entsprechend kurz. Nach unserem Aufruf auf der Homepage haben sich auch wieder unglaublich viele nette Tierfreunde bei uns gemeldet, die gerne einige Sachspenden mit uns auf den Weg nach Spanien schicken wollten.
Wir möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich für die große Anteilnahme an unserer Fahrt und der Hilfsbereitschaft bei allen Tierfreunden bedanken - natürlich auch im Namen der spanischen Tierschützer und vor allem der vielen Hunde und Katzen!
In der ersten Januarwoche war es dann soweit: Andreas, Tina und ich hatten alles für unsere Abwesenheit organisiert, unsere Sachen gepackt und unserer Fahrt stand Nichts mehr im Weg.
Mittwoch, 02.01.2008
Abfahrt nach Barcelona
ca. 16:00 Uhr:
Bereits am Nachmittag standen der Transporter und viele fleißige Helfer bereit, die alle Spenden einpackten. Unser Dank gilt natürlich auch diesen Helfern, ohne die eine reibungslose Beladung des Transporters gar nicht möglich gewesen wäre.
ca. 23:30 Uhr:
Andreas, Tina, ihre beiden Hunde Milou und Becky und ich machten uns dann am späten Abend auf die Reise. Eine lange Autofahrt von gut 1500 km stand uns wieder bevor und die Wetterverhältnisse waren leider nicht gerade optimal, so dass es länger
dauerte, als geplant.
„Auf wem Weg lief das faszinierende Hörbuch von Hape Kerkeling mit dem Bericht seiner Pilgerreise.Hm...., auch wir waren auf dem Weg nach Spanien, genau wie er, aber mit einem so völlig anderen Ziel. Ich hörte von seinem Weg durch den Ort Pamplona. Das kam in meinen Ohren so völlig seltsam an! Denn
Pamplona besitzt ein sehr großes Tötungslager, aus dem wir regelmäßig Hunde retten. Das Lager ist ein Ort, an dem viele Lebewesen getötet werden und
gleichzeitig führt der Pilgerweg hindurch. Ist das nicht eine seltsame Welt?“
Tina Hamp
Donnerstag, 03.01.2008
Ankunft in Barcelona
ca. 18:00 Uhr:
Antje Perlwitz erwartete uns bereits und so ging es
gemeinsam auf das Tierschutzgelände des Vereins
„Tiere in Spanien e. V.“, wo wir die folgenden
Tage übernachten durften.
Endlich angekommen ging es vom Auto aus erst
mal in die Gummistiefel und dann in unsere
Unterkunft. Bis zur Haustür wurden wir gleich von
einigen Hunden freudig und mit großem Gebell
begrüßt, unsere Kleidung bekam schicke
schlammige Pfotenabdrücke und den ein oder
anderen matschigen Hundekuss hatten wir auch im
Gesicht…
Bei einem gemeinsamen kurzen Essen wurden die Pläne für die nächsten Tage besprochen,denn leider blieb uns ja nur wenig Zeit und wir hatten ein straff gestricktes Programm vor uns. Während Antje sich schon bald von uns verabschieden musste, weil die Hunde in der Auffangstation noch auf sie warteten, fielen wir schon bald müde ins Bett.
Freitag, 04.01.2008
ca. 7:30 Uhr:
Auf dem Tierschutzgelände ist immer was los und so waren wir bereits am frühen Morgen wieder auf den Beinen. Zum Glück hatte es endlich aufgehört zu regnen und so konnten wir schnell den ersten Teil der Sachspenden ausladen. Und dann ging unsere Fahrt zur Auffangstation, in der unsere Hunde bis zur Ausreise nach Deutschland untergebracht und reisefertig gemacht werden.
Die Hundepension – für uns unsere
Hunde-Auffangstation
ca. 12:00 Uhr:
Obwohl wir ja auch bei unserem letzten Besuch die Auffangstation kennen gelernt haben, in der wir für unsere Schützlinge Zwinger gemietet
haben, wo sie warten, bis sie all Einreisebedingungen nach Deutschland erfüllen,
und schon wussten, welch große Gegensätze auf diesem Gelände aufeinander treffen, so waren wir doch wieder sehr schockiert. Diese Auffangstation ist eigentlich eine riesengroße Hundepension. Und so sind dort neben Hunden von Tierschutzorganisationen überwiegend private Hunde untergebracht.
Dort angekommen, machen wir uns erst einmal auf die Suche nach unseren Schützlingen. Es ist wieder ein unbeschreibliches Gefühl die Hunde nun persönlich zu sehen und kennen zu
lernen, nachdem wir sie bisher ja nur von Photos und den Berichten der Tierschützer vor Ort kannten…
Dank tatkräftiger Unterstützung durch zwei spanische Tierschutzhelfer machen wir einige neue Photos und Videos. Wie gerne würden wir doch all diesen Hunden, die dort untergebracht sind, helfen können…
Aber was ist mit den vielen Hunden, die nicht von Tierschützern hier zur Überbrückung warten? Viele davon sind hier während des Urlaubes ihrer Besitzer. Unglaublich – aber wahr!
Und dann sind da die vielen Hunde der Jäger, die die Zwingeranlage ihr dauerhaftes Zuhause nennen müssen. Bei Einbruch der Dämmerung holen ihre Besitzer sie dann ab und kehren dann irgendwann mit stolz geschwellter Brust zurück und präsentieren sich gegenseitig ihre erlegte Beute. Die Hunde kommen nach diesem kurzen Ausflug natürlich umgehend zurück in die kleinen Zwinger, legen sich meist auf unbequeme Holzbretter oder den kalten Betonboden und warten darauf, dass sie irgendwann mal wieder die Chance haben sich ein oder zwei Stunden außerhalb der Gitterstäbe bewegen zu dürfen.
Menschliche Zuwendung oder ein weiches Körbchen im Kreise ihrer Familie kennen diese Hunde nicht.
Und das ist genau das Traurige daran. Wir wissen, dass die Auffangstation für unsere Hunde bei Weitem nicht der optimale Ort ist, doch für sie bedeutet es Sicherheit, Verpflegung und auch wenn die Zeit meist knapp ist bekommt jeder etwas Zuwendung und Streicheleinheiten. Und ihnen allen haben wir das Versprechen gegeben, dass sie bald in ein richtiges Zuhause mit Familienanschluss umziehen dürfen.
Diese Hoffnung haben die meisten anderen Hunde dort nicht…
Bei unserem dortigen Besuch ist uns eine Hündin ganz besonders aufgefallen. Nein, eigentlich war es „nur“ ihr verzweifelter und verlorener Blick, der uns sofort in ihren Bann zog. Als „Nationalhund“ der Spanier – dem Podenco – fällt sie dort in der Masse nicht weiter auf und die Vermittlungschancen für so eine Hunderasse hier in Deutschland sind nicht gerade überwältigend.
Doch diese Hündin, die den wunderschönen Namen Elsa trägt, braucht ganz dringend Hilfe, weil sie sich dort aufgibt. Bereits seit März wartet sie in der Obhut einer anderen Tierschutzorganisation auf ihre Chance, doch bisher wollte sie Niemand adoptieren.
Darum haben wir spontan unsere Hilfe angeboten und Elsa bereits auf unserer Homepage vorgestellt. Wir möchten nichts unversucht lassen, um dieser verlorenen und schüchternen Hundeseele zu ihrem Glück zu verhelfen. Bitte schauen Sie einfach nur in ihre Augen und Sie werden verstehen, was uns so berührt hat…
Und wenn Sie Elsa vielleicht sogar adoptieren möchten, dann melden Sie sich bitte bei uns.
Tierheim Castellbisbal
ca. 14:30 Uhr:
Die Zeit verging wie im Flug und so mussten wir uns beeilen, damit wir rechtzeitig zu unserer nächsten Verabredung kamen. Wir hatten nämlich mit unserer Freundin und Tierschutzkollegin Mònica Planas vereinbart, sie in ihrem Tierheim zu besuchen.
Gleich bei Ankunft im Tierheim von Mònica bemerkt man eine ganz besondere Atmosphäre. Man spürt sehr viel Liebe und Zuwendung gegenüber den Tieren. Es leben dort viele und vor allem große Hunde zusammen und wir sind erstaunt, wie gut sich alle verstehen. Sie scheinen zu spüren, dass sie alle in Not waren und nun zusammenhalten müssen, um bald eine richtige Familie zu finden.
Während wir mitten im Hunderudel stehen und von bestimmt gut 15 - 20 großen Hunden
gleichzeitig freudig und ausgiebig "überfallen" werden, wartet im Tierheim ein kleiner Hundewelpe auf Mònicas Hilfe.
Der kleine Knopf - gerade einmal ca. 8 Wochen jung und nur eine Handvoll Hund - hat ziemlich schlimmen Husten.
Er wurde mit seiner Mama, einer zierlichen Podenca-Mischlingshündin gefunden. Zum Glück sind die Beiden nun bei Monica in den besten Händen und während unserem
Besuch wird der Welpe nicht nur tierärztlich versorgt, sondern Monica organisiert noch einen Pflegeplatz für die Hundemama mit Welpen, damit sie eine 24 Std.-Betreuung erhalten und somit noch besser versorgt werden können.
Chicho:
Auch den hübschen Mischlingsrüden Chicho lernen wir kennen. Ein lebensfroher, sehr
freundlicher und aktiver Jungspund. Wir nehmen ihn ein Stück außerhalb des
Tierheims mit und er bekommt einen extra Phototermin. Chicho ist nun ca. 1 Jahr jung, ca. 63 cm groß und ein richtiger Traumhund. Aber er hat bisher noch nicht viel kennen lernen dürfen. Und so ist er sehr ungestüm - dabei aber stets sehr charmant - und er muss noch eine Menge über das große Hunde 1x1 lernen. Doch das wird er sicher ganz schnell schaffen, wenn ihm seine neue Familie alles mit liebevoller Konsequenz erklärt.
Bei Monica warten leider auch einige Hunde schon recht lange auf ihre große Chance. Bei den routinemäßig erstellten Bluttests hat sich heraus gestellt, dass sie Leishmaniose positiv sind. Natürlich werden alle bereits entsprechend behandelt, doch was ihnen wirklich fehlt ist die liebevolle Zuwendung einer eigenen Familie. Sie finden diese wunderbaren Tiere auf der Homepage von Mònica Planas unter: www.tierrettung-katalonien.org
Stellvertretend möchten wir Ihnen die liebe und sehr anhängliche Hündin Vero orstellen. Sie ist nur ca. 39 cm klein und ca. 7 Jahre jung:
In unserem Transporter warten noch einige Sachspenden für die Tierschutzhelfer, die sich um die vielen Katzen kümmern. Bei Monica dürfen wir sie zwischenlagern. Mittlerweise haben die Katzen-Schützerinnen alles abgeholt und auf ihre Pflegestellen verteilt. Es war so vieles dabei, was so dringend benötigt wurde und für uns Leser/innen eigentlich
so selbstverständlich ist: weiche Decken, gutes Futter, Leckereien und Spielzeug, was für die Psyche der oft traumatisierten Katzen so unendlich wichtig ist…
Treffen mit den Katzenschützerinnen Barcelonas
ca. 20:00 Uhr:
Im Anschluss an unseren Besuch bei Monica waren wir zu einem sehr schönen Abend mitten in Barcelona eingeladen. Einige unserer spanischen Katzenpflegestellen kannten wir ja schon persönlich seit einigen Jahren, und nun hatten sie uns zu einem ihrer monatlichen Treffen eingeladen.
Völlig überwältigt betraten wir den Raum, in dem wir bereits freudig erwartet wurden. So viele spanische Tierschutzfreunde hatten sich nicht nur extra für uns diesen Abend frei gehalten, sondern ein ganz tolles und vor allem leckeres Buffet angerichtet.
Bei einem gemeinsamen Essen berichten sie uns über die Lage vor Ort. Ein Tropfen auf den heißen Stein ist bereits geschafft, denn durch umfangreiche Kastrationsaktionen der Katzen konnten erste kleine Erfolge erzielt werden. Doch man darf nicht vergessen, dass es die Tierschutzarbeit hier bei uns in Deutschland schon seit vielen Jahrzehnten gibt - in Spanien hingegen erst seit ca. 10-15 Jahren. Dort steckt die Arbeit also eher noch in den Kinderschuhen und die Tierschützer müssen sehr viel Überzeugungsarbeit bei der Bevölkerung und den Politikern leisten. Die finanzielle Unterstützung ist mehr als mager und so finanzieren die Tierschützer ihre Arbeit fast vollständig aus eigener Tasche, oder eben durch Spenden aus dem Ausland.
Inzwischen werden in Spanien immer mehr Tierschutzvereine gegründet, die auch
untereinander gut kooperieren. Nur so ist es möglich so vielen Not leidenden Tieren helfen zu können. Um die Arbeit zumindest zu einem Teil finanzieren zu können, werden auch eigene Werbemittel, wie z. B. Geldbörsen, Anstecknadeln, Lesezeichen, T-Shirts u. ä. auf verschiedenen Märkten verkauft.
Und um die Bevölkerung und die Politiker auf die Dringlichkeit zusätzlich aufmerksam zu machen, haben sie hervorragende und sehr informative Präsentationsunterlagen über ihre Arbeit erstellt. Einmal im Monat findet dann ein großes Treffen statt, um weitere Aktionen zu planen.
Im Moment sind sie optimistisch, dass sie durch gute Kontakte zu den Behörden direkt vor Ort etwas bewegen können. Erst wenn sich diese Türen schließen sollten, hat man die Chance durch Proteste aus dem Ausland diese Türen wieder zu öffnen.
Wir werden gefragt, wie es in deutschen Tierheimen aussieht und wie die Tiere dort
untergebracht und betreut werden. Für sie wäre es wichtig Infomaterial in Form von Bildern oder Konzepten zu erhalten, damit sie bei ihren Gesprächen mit Politikern zeigen können, wie es in anderen Ländern gehandhabt wird. Wir versprechen ihnen diese Unterlagen zukommen zu lassen und überlegen gemeinsam, ob es nicht auch möglich ist namhafte Personen aus dem Tierschutz und der Katzenforschung dafür zu gewinnen kann, in Barcelona einen Vortrag zu halten. Möglicherweise kann man auf diesem Weg die Politiker überzeugen…
Schon allein die zahllose Vermehrung der Katzen kann nur durch gezielte
Kastrationsprogramme verhindert werden und die Tierschützer investieren dort ihre gesamte Kraft, ihr Geld und eigentlich ihr ganzes Leben!
Unsere spanischen Kolleginnen sind sehr daran interessiert, wie Tierschutzarbeit in
Deutschland gehandhabt wird und wie das Bewusstsein für Tiere in unserer Bevölkerung ist. Natürlich gibt es leider auch hier Misshandlung und Qual, jedoch nicht in so großer Anzahl. Bei uns erscheinen dann oft umgehend Berichte in Zeitungen oder im Radio, doch in Spanien müsste man dafür erst einen eigenen Verlag oder Radiosender gründen, um die unendlichen vielen Grausamkeiten die an der Tagesordnung sind, publik machen zu können. Und was mindestens genau so schlimm ist: Niemand würde diese Nachrichten hören oder lesen wollen!
Die Kolleginnen kämpfen dafür, dass alle Tiere einen Microchip tragen müssen, damit man die Besitzer zur Verantwortung ziehen kann. Doch dies ist vermutlich noch ein weiter Weg.
Vor allem die alten, kranken und behinderten Katzen in Spanien kaum eine Chance. Für sie gibt es nicht die Hoffnung noch mal ein Zuhause zu finden und sie werden meist ausgesetzt oder in einer Perrera entsorgt.
Wir hatten bereits vor unserer Reise zugesagt, dass wir einigen dieser Katzen die Chance geben möchten. Und so konnten die Katzen Lucy, Ella, Monte, Maja, Nell und Neeko mit uns nach Deutschland kommen, die hier zwischenzeitlich tierärztlich versorgt wurden und nun dringend ein schönes Zuhause suchen. Wenn Sie sich für eine dieser Samtpfoten interessieren, dann nehmen Sie doch bitte Kontakt mit uns auf. Sie haben es besonders nötig die richtigen Menschen zu finden.
So gegen 2:00 Uhr in der Früh kamen wir wieder auf dem Gelände an und sind sofort müde, aber auch irgendwie aufgekratzt, in unsere Betten gekrochen.
Samstag, 05.01.2008
Das Gelände des Vereins „Tiere in Spanien e.V.“
ca. 8:00 Uhr:
Während Tina und Andreas noch schlafen, bin ich, Nadine, bereits wach und beschließe einen kleinen Spaziergang zu machen.
Das Gelände liegt richtig idyllisch mitten im Grünen, es gibt keine Nachbarn und außer den Hunden hört man nichts. Die Sonne kommt raus, es ist noch relativ warm und ich würde jetzt gern stundenlang einfach nur laufen - egal wohin…
Diese Idee finden auch einige Hunde prima und so habe ich ungefragt einige Hunde im
Schlepptau, die mich wie selbstverständlich begleiten:
Die nette wuschelige Hündin Saskia, ca. 3 Jahre:
Bei unserem letzten Besuch in Spanien im Herbst 2006 hatten wir sie bereits kennen gelernt. Damals war sie gerade erst dort angekommen und wir hatten verzweifelt versucht, sie zumindest von den gröbsten Filzplatten zu befreien.
Doch mit unseren gewöhnlichen Haushaltsscheren hatten wir leider nur wenige Chancen… Sie konnte kaum laufen und war völlig verwahrlost. Saskia hat - vermutlich von Geburt an - deformierte Hinterläufe. Zwischenzeitlich wurde sie operiert und wir können kaum glauben, wie flott sich die nette Hundedame inzwischen bewegt. Zwar sieht man, dass ihr Gang etwas außergewöhnlich ist, aber wenn sie erst einmal wie eine Wilde über das Gelände fegt, dann fällt das überhaupt nicht mehr auf.
Obwohl wir uns sehr gefreut haben Saskia wieder zu sehen, hat es uns aber vor allem auch sehr traurig gestimmt. Denn sie hat so dringend ein richtiges Zuhause verdient…
Simon, ca. 4-5 Jahre - der Rüde mit unglaublichem Charme:
Er verfolgte mich auf Schritt und Tritt, bat immer um eine kleine Streicheleinheit und damit man ihn auch wirklich nicht übersehen konnte, hat er sich gleich vor meine Füße auf den Rücken geworfen oder ganz fest an mich gekuschelt. Er war
immer bemüht alles richtig zu machen und möchte uns Menschen einfach nur ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Und glauben Sie mir – das beherrscht er perfekt…
Simon hatte bisher leider nicht viel Glück. Als "Abfallprodukt" wurde er in einer Perrera entsorgt, doch damit nicht genug - er wurde auf Leishmaniose positiv getestet.
Nun wird er entsprechend behandelt und gepäppelt, denn einige Gramm darf er gerne noch zunehmen. Seine Blutwerte sind nicht wirklich gut, doch derzeit konstant und Simon ist ein Kämpfer.
Rüde Kali, ca. 3 Jahre - ein Sonnenschein, der leider bisher übersehen wurde:
Kali ist ein fröhlicher, aktiver und lebenslustiger Rüde, der aber leider bereits seit über einem Jahr auf ein Zuhause wartet. Warum er zu den "Vergessenen" gehört, können wir uns nicht erklären.
Liegt es vielleicht daran, dass er in einem schwarzen Fell steckt, dass er auf Leishmaniose positiv getestet wurde oder dass er einen unbehandelten Bruch am Vorderbein hatte, der ihn etwas hinken lässt?
Kali selbst hat damit überhaupt kein Problem und er fegt wie ein Wirbelwind über das Tierschutzgelände.
Boogie, ca. 2-3 Jahre – ein Sorgenkind mit Schutzengel:
Dieser hübsche Hundemann wurde vermutlich ausgesetzt und lief in Spanien einfach auf der Straße umher. Füttern ließ er sich, aber von einer Menschenhand anfassen lassen war ihm nicht geheuer. Und so passierte das große Unglück, dass Boogie beim Überqueren der Straße auf der Suche nach etwas Essbarem von einem Auto nicht nur angefahren, sondern richtig überrollt wurde.
Zum Glück nahmen ihn beherzte Menschen zu sich und brachten ihn in die Auffangstation. Er hatte schwere Hüftbrüche und diverse weitere Verletzungen. Doch Boogie gab nicht auf – er wollte und will leben. Zwischenzeitlich wurde er operiert und eine OP an der Pfote steht in Kürze noch an, aber auch die wird er ganz sicher meistern.
Tapfer hat er mich auf dem Spaziergang begleitet, suchte immer wieder zaghaft meine Nähe und auch wenn ihm Menschen immer noch nicht so ganz geheuer sind, so merkt
er doch ganz schnell, dass man ihm nichts Böses tun wird.
Dann schmiegt er sich vorsichtig an, schließt seine dunklen Knopfaugen und genießt die Streicheleinheiten. Sein tapferer Begleiter auf unserem Spaziergang war ein ausgedienter gelber Gummiigel, dem er zwischendurch immer mal wieder genüsslich einen Stachel abkaute.
Wenn Sie mehr über diese netten Begleiter bei meinem Spaziergang erfahren und ihnen
vielleicht ein richtiges Zuhause schenken möchten, dann schauen Sie doch bitte direkt auf die Homepage unter www.tiere-in-spanien.de und nähere Infos zu dem Sorgenkind Boogie erfahren Sie bei Liane Greiwe unter www.hundepfoten-in-not.de
Gerne dürfen Sie sich aber auch bei uns melden und wir geben Ihre Anfrage weiter.
Tötungsstation Begues
ca. 13:00 Uhr:
Mit gedrückter Stimmung und mulmigem Gefühl geht unsere Fahrt nun in eine Tötungsstation. Tina und ich waren bei unserer letzten Fahrt nach Spanien bereits dort und die Erinnerungen an unsere damaligen Eindrücke waren wieder präsent.
Irgendwie hatte sich nichts verändert…
Die Sonne scheint und wir steigen mitten in einem idyllischen Waldstück aus unserem
Transporter. Unzählige Hunde bellen und jaulen. Auf dem Gelände der Tötungsstation glaubt man, in einer verkehrten Welt zu sein. Die Betreiberin berichtet stolz, welche Hunde hier derzeit untergebracht sind:
ca. 80 Hunde, die nicht mehr gewollt waren oder auf der Straße aufgegriffen wurden und somit zum Töten frei gegeben sind
ca. 20 Hunde, deren Besitzer sie zur Urlaubsbetreuung abgegeben haben und dann noch
ca. 50 Hunde, die der Betreiberin selbst gehören und mit denen sie züchtet
Vor einem Zwinger bleiben wir stehen und können nicht glauben, was wir sehen. Dort schreit ein Huskymischling jämmerlich und springt wie ferngesteuert in seinem kleinen Zwinger von links nach rechts an den Wänden hoch. Auch wenn man näher an das Gitter herantritt und ihn anspricht ist er nicht zu stoppen.
Und auf Nachfrage erfahren wir, dass dieser Hund dort Urlaub macht. Diese Information müssen wir erst einmal auf uns wirken lassen…
Wir werden in die einzelnen Bereiche geführt und machen Photos und Videoaufnahmen von einzelnen Hunden. Einige dieser Bilder sind für den Verein "Tiere in Spanien e. V.", denn Antje hatte uns gebeten für ihre Homepage aktuelle Aufnahmen zu machen, damit diese Tiere endlich ihre Chance bekommen.
Die Betreiberin redet ohne Unterbrechung und es ist nicht zu überhören, dass sie von ihrer "wohltätigen" Arbeit völlig überzeugt ist. Nur mit großer Disziplin können wir unseren Unmut im Zaum halten, denn das Elend und unser Unverständnis sind einfach zu groß.
Sie zeigt uns die einzelnen Hunde, von denen wir Bilder machen sollen. Sie werden
von ihr aus den Zwingern geholt und man sieht ganz offensichtlich, welches
Verhältnis zwischen ihr und den Tieren besteht. Sie haben große Angst, sind sehr
unterwürfig und nervös. Wie gerne würden sie sich aus den klammernden Händen
befreien, die sie für unsere Aufnahmen festhalten.
Mit so einem verzweifelten Ausdruck in den Hundeaugen ist es schwer, die eigenen Tränen zu unterdrücken und vor allem Photos zu machen, die für diese Tiere der Schritt ins Glück werden soll.
Also erklären wir freundlich, dass wir gerne die Bilder ohne sie machen möchten. Während Tina fotografiert, versuche ich vorsichtig zu den einzelnen Hunden Kontakt aufzunehmen.
Und man merkt sehr deutlich, wie sie sich ein wenig beruhigen und dankbar sind, dass man ihnen ein - wenn auch leider nur sehr kurzes - Gefühl von Sicherheit schenkt. Sie kuscheln sich ganz eng an mich heran und ihre Augen betteln darum, dass wir sie doch bitte mit nehmen sollen.
Doch leider können wir ihnen diesen Wunsch nicht erfüllen. Aber wenigstens können wir mit unseren aktuellen Aufnahmen dazu beitragen, dass sich ihr Leben hoffentlich bald zum Guten wendet.
Beim Anblick einer kleinen Wuschelhündin bleibt Tina förmlich das Herz stehen. Sie scheint verunsichert und leicht apathisch zu sein, ist völlig verfilzt und Tina möchte mehr über die Hündin wissen. Wir erfahren, dass sie ca. 7-8 Jahre alt sein soll, seit gut einem Monat dort untergebracht ist und schlechte Zähne hat. Das mit den schlechten Zähnen wollen wir genauer wissen und was wir dann sehen, ist nicht zu beschreiben…
Die Hündin muss unglaubliche Schmerzen erleiden, es scheint alles völlig vereitert zu sein! Wir mögen uns nicht vorstellen wie lange die Hündin damit schon leben muss und die Betreiberin erzählt dies so ganz nebenbei und emotionslos - wir sind schockiert.
Wir Drei tauschen kurze Blicke aus und auch wenn wir gerade noch nicht wirklich wissen, wie wir alles daheim organisieren sollen ist klar, dass diese Hündin keine Sekunde länger hier bleiben wird. Die Formalitäten werden geregelt und schon bald darf diese Hundedame, die wir inzwischen auf den Namen Lucie getauft haben, in eine Transportbox mit einer weichen Kuscheldecke steigen und ihre Reise mit uns nach Deutschland antreten.
Mehr über Lucie erfahren Sie auf unserer Homepage.
Auch wenn wir mal wieder fassungslos vor den vielen Hundezwingern stehen und uns die Eindrücke überwältigen - dies ist noch einer der "guten" Perreras. Die Betreiberin arbeitet mit Tierschützern zusammen und macht dadurch so manche Vermittlung in ein Zuhause möglich! Aber die dortigen Lebensbedingungen sind natürlich fern ab jeglicher Mindestversorgungen, denn die Hunde bekommen - wenn überhaupt - nur sehr wenig Futter und die meisten Wassernäpfe stehen leer herum.
Die Rückfahrt von der Perrera bis in die Auffangstation verlief überwiegend still. Jeder von uns war innerlich aufgewühlt und hatte Mühe, die aufkeimende Wut, den Frust und die Verzweiflung nicht einfach laut raus zu brüllen.
Die bedrückenden Gedanken überschlugen sich, doch um wirklich das eben noch Gesehene und die Emotionen zu verarbeiten, war keine Zeit.
Abfahrt nach Deutschland
ca. 16:00 Uhr:
Wir waren mit einigen netten spanischen Helfern verabredet, die uns bei den Vorbereitungen für unsere Rückfahrt helfen wollten.
Zuerst einmal mussten alle Transportboxen vorbereitet werden. Das heißt aufbauen,
zusätzlich mit Kabelbindern verschließen, mit Zeitungen auslegen und Trinkgefäße
montieren. Am Abend zuvor hatten wir mit Antje bereits die Transportliste besprochen und überlegt wie viele Boxen wir in welchen
Größen wohl benötigen werden.
Nachdem die Boxen fertig waren, konnten
die ersten Hunde ihre Plätze für die Reise einnehmen und dann begann der schwierige
Teil:
das Einladen der Hunde und auch der Katzen, die zwischenzeitlich von weiteren Helfern zu uns gebracht wurden. Schließlich musste Jeder einen Platz im Transporter finden, jedes Tier seinen Wassernapf bekommen und alle Boxen wurden zusätzlich mit Zurrgurten und Seilen gesichert.
Man kann sich kaum vorstellen wie viel Zeit für all diese Vorbereitungen benötigt wird und mit wie viel Sorgfalt und Fingerspitzengefühl alles organisiert und durchgeführt wird. Inzwischen war es bereits dunkel und genau auf die Minute, in der in der Auffangstation gnadenlos das Licht gelöscht und die Tore geschlossen werden, hatten wir es geschafft. Um 22:00 Uhr konnten wir die Rückreise antreten.
An dieser Stelle möchten wir uns auch ganz herzlich bei diesen vielen netten und hilfsbereiten Menschen bedanken, die uns so toll dabei geholfen haben!
Sonntag, 06.01.2008
Ankunft in Deutschland
ca. 14:00 Uhr:
Völlig erledigt und erleichtert biegen wir in die Einfahrt des Agneshauses vom Tierschutzverein Schleißheim e. V. ein. Unglaublich viele Menschen blicken uns erwartungsvoll und freudig an. Sie sind nicht nur gekommen, um ihre Schützlinge in Empfang zu nehmen, sondern viele um einfach zu helfen. Alles ist perfekt vorbereitet und viele unserer Teammitglieder stehen auch parat, um uns in Empfang zu nehmen.
Nach so einer langen Fahrt und den vielen mitgebrachten Eindrücken, die wir erst in den kommenden Tagen sortieren und verarbeiten können, steigen wir langsam und förmlich überwältigt aus.
Dann der entscheidende Moment für alle Anwesenden:
wir öffnen den Transporter und nun haben alle Vierbeiner das Ziel ihrer langen und
anstrengenden Reise erreicht. Einige Personen haben Tränen in den Augen, andere strahlen einfach nur überglücklich.
Wir laden die Transportboxen mit den Hunden aus und so viele helfende Hände kümmern sich sofort um sie.
Eine Menge Wassernäpfe stehen schon bereit und die ersten Spanier betreten vorsichtig und mit einem zarten Schwanzwedeln den bayerischen Boden.
Tina organisiert das Ausladen der Katzen, die schnellstmöglich aus dem Stress und an ihre neuen Pflegestellen und die Adoptanten übergeben werden müssen.
Nach dem Ausladen aller Vierbeiner laufen wir Drei wie ferngesteuert durch die vielen Menschen. Lassen die Eindrücke auf uns wirken, wechseln das ein oder andere Wort, aber so wirklich angekommen sind wir noch nicht. Nun fällt auch bei uns langsam die Anspannung ab und die eine oder andere versteckte Träne wird hinunter geschluckt.
Die vielen Helfer bauen inzwischen die Hundeboxen auseinander und machen sie sauber. Denn
die müssen ja so schnell wie möglich zurück nach Spanien, damit die nächsten Hunde
ausreisen können.
Sehr bewegt hat uns der erste Kontakt von unserer Hündin Eva mit ihrer neuen Familie. Denn Eva ist etwas ganz Besonderes! Sie hat Menschen gefunden, die sich nicht daran stören, dass Eva blind ist. Leider haben nicht viele Tiere mit einer Behinderung eine so schöne zweite Chance und wir danken ihrer neuen Familie von
ganzem Herzen, dass sie Eva adoptiert haben!
Ähnlich bewegend war aber auch die Ankunft unserer Senioren. Unser Herz liegt immer
besonders bei alten und kranken Tieren, denn die meisten von ihnen werden einfach
übersehen und haben nicht das Glück, noch einmal auf ihre alten Tage ein gemütliches und liebevolles Plätzchen zu bekommen. Aber gerade die alten und kranken Vierbeiner haben besonders eine Chance verdient und darum haben wir wieder alle Hebel in Bewegung gesetzt, dass die Hundesenioren Luca und Shira in tolle Pflegehände übergeben werden konnten.
Die beiden Minihunde haben bei allen Anwesenden sofort das Herz zum schmelzen gebracht. Mit unglaublich viel Charme und Selbstüberzeugung ging es noch etwas langsam und ungelenk direkt in Richtung Futternäpfe und dann zum ersten Zweibeiner, der sich nicht lange bitten ließ die beiden Senioren ausgiebig zu streicheln.
Hundeoma Shira und Hundeopa Luca
Diese beiden Senioren suchen auch noch einen gemütlichen Sofaplatz und würden sich sehr freuen, bald von Ihnen zu hören. Mehr Informationen finden Sie auf unserer Homepage.
Wir möchten abschließend nochmals allen fleißigen Mithelfern danken, die uns bei der gesamten Organisation und Durchführung dieser Fahrt so toll unterstützt haben! Ohne die vielen helfenden Hände wäre es nicht möglich gewesen!
Herzlichen Dank sagen
Andreas, Tina und Nadine im Namen der Vierbeiner und der gesamten TIERIHLFE
VERBINDET e. V.!
Ein Nachwort:
Wenige Tage später fragte mich jemand, warum ich solche Fahrten machen würde, warum ich mir den Anblick eines spanischen Tötungslager und der vielen Tierheimtiere antun würde.
Wollen Sie wissen warum?
Weil sich in dieser Welt nur etwas ändern wird, wenn wir alle hinschauen, berichten und versuchen etwas zu verändern. Vom Wegschauen hat sich noch nie etwas geändert!!! Und ich konnte jederzeit gehen, die Tiere nicht! Tage wie die hier beschriebenen sind T age die so unendlich nah am Leben, am Tod, an den Happy Ends, der Ernüchterung über uns Menschen, den Frustrationen und dem Optimismus sind! Sie lehren einem unendlich viel über das Leben, über sich selbst und die Dinge die wirklich wichtig sind. Ich bin sehr froh, diese Chance in meinem Leben zu haben!
Tina Hamp
Und ein paar Bilder als Nachtrag – die andere Seite Spaniens…
