Tierhilfe Verbindet e.V.


Header Section


Main Content

Tierschutz im Süden II

Barcelonatransport Oktober 2006

Teil I Hola Barcelona!

Am 21.10.06 ist unser erster eigener Spendentransport aus München losgerollt. Mit vielen Dingen bepackt, die in Spanien dringend gebraucht werden, haben wir uns auf die lange Fahrt (1.500 KM) gemacht um die benötigten Sachen hinzubringen, und vor allem um auf der Rückfahrt wieder viele Tiere zu einem neuen Start zu verhelfen. Einige Vierbeiner sind schon fleißig am Köfferchen packen, um bei der Rückfahrt Ende Oktober mit dabei sein zu können. Sie werden hier sehnsüchtig erwartet! Wir kennen sie ja nur von Fotos.

Ganz besonders freut es uns, dass sich eine – na wie kann man das nennen… sagen wir
mal Ansammlung - von wahnsinnig lieben Adoptanten eingefunden hat um scheue Katzen
zu adoptieren. Neus und Iris, Cifo und Verdi und auf Terry (der sogar noch eine Freundin mitbringen darf) haben liebe Leute gefunden, die hier auf sie warten und denen es nicht so wichtig ist, dass die Miezen ihnen gleich auf den Schoß springen… Wir haben nicht daran geglaubt, dass wir in 10 Tagen 5 scheue Katzen vermitteln würden, aber irgendwie hat das doch geklappt (wir werden noch genau erforschen welcher Katzengott da mitgeholfen hat!). Es hätte den Samtpfoten ein fürchterliches Schicksal bevorgestanden, vor dem sie nun gerettet werden konnten. Alle Adoptanten wollten „bitte ganz arme Söckchen“ adoptieren – na da hatten wir doch gleich was parat. Wir sind sicher, die Miezen werden es danken und wünschen den Adoptanten viel Freude mit Ihren neuen Familienmitgliedern, die sie am 28.10. dann in München begrüßen können.

Wir möchten uns außerdem von ganzem Herzen bei all´den Menschen bedanken, die
mithalfen, dass der Transporter voll bepackt mit Decken, Futter, Zubehör, kleinen
Geschenken und vielen guten Wünschen für die vielen Vierbeiner in Not und für unsere spanischen Tierschutzfreunde los fahren konnte.

Teil II - Die Hin- und Rückfahrt

Der große Transporter kam am folgenden Tag in Barcelona an. Alle Spenden wurden für
die Vierbeiner verteilt – für die Tierschützer in Spanien war das wie Weihnachten. Sie müssen ihre Vorräte immer gut einteilen. Mehrere Organisationen arbeiten dort zusammen und helfen einander zum Wohle der Tiere gegenseitig. Und die Spenden aus Deutschland haben so manches Loch erst mal gestopft, wenn auch leider nicht auf Dauer. Aber der nächste Spendentransport fährt bestimmt. Es gibt dort so viele bedürftige Vierbeiner.

Die Woche Aufenthalt ging im Flug vorbei - über den Aufenthalt in Spanien und die
Erlebnisse im Land werden wir gesondert berichten. Am Tag der Rückfahrt konnten viele Katzen und Hunde einsteigen.

Nach der deutschen Grenze wurde ein Tier nach dem anderen von seinem neuen Besitzer
oder der neuen Pflegestelle in Deutschland abgeholt. Die letzten Tiere kamen nach 18 Stunden Fahrt in München an. Und es ist immer, als wenn die Tiere das begreifen: ab jetzt kümmert sich jemand liebevoll um sie und sie sind endlich zu Hause angekommen. Da sind die Strapazen der langen Fahrt schneller vergessen, als man glaubt und man sieht in glänzende Augen bei Mensch und Tier. Die ersten Mails mit Rückmeldungen der neuen Besitzer haben uns bereits erreicht: ein kranker, total abgemagerter Notfallhund wird nun aufgepäppelt und behandelt und bedankt sich bei seinen Menschen durch seinen besonders liebenswürdigen Charakter. Die scheuen Katzen erobern ihre neue Umgebung, die schmusigen wickeln die Zweibeiner um den Finger. Ein großer Hund hilft gerne beim Reinemachen der Wohnung, transportiert gerne Brennholz und hat sich bereits nützlich gemacht, als das Häusle außen gestrichen wurde – ganz uneigennützig, denn er sah hinterher aus, wie ein Clown.

Vielen Dank an alle, die uns in Deutschland und Spanien unterstützen für möglichst viele Tiere ein gutes, verantwortungsvolles Heim zu finden. Der Weg dorthin ist für viele Fellnasen eine lange Reise.

Und hier noch Fotos der glücklichen Vierbeiner bei der Ankunft in München:


Teil III – Die Eindrücke in Barcelona

Wie versprochen, folgt hier der Bericht über den Aufenthalt in Barcelona. Immer wieder erleben wir hier im Team, wie es ist, dass die Tiere aus Spanien, die wir meist auch nur von Bildern und kurzen Mailkontakten kennen, endlich in München ankommen. Sie sind gestresst, aber froh, endlich aus den Transportboxen steigen zu können. Jedem, der das einmal miterlebt hat, tut es leid, dass den Tieren der Transport nicht erspart werden kann. Die Alternative ist die Tötung der Tiere, schon klar.

Schon bald habe ich mich dafür interessiert, wie die Verhältnisse vor Ort wirklich sind. Und es war mir auch wichtig, die Leute in Spanien kennen zu lernen, mit denen wir zusammen arbeiten. Deshalb war der Plan schnell gefasst: Der Resturlaub des Jahres hielt für eine Woche Barcelona her, die Rückfahrt sollte möglichst vielen Tieren einen schonenderen Transport ermöglichen als ein Flug. Wir mieteten einen großen Transporter, haben viele, viele Sachspenden von lieben Menschen gesammelt, damit der Transporter nicht leer nach Spanien rollt, und wurden am Zielort von befreundeten Tierschützern herzlich aufgenommen. Das, was ich dort erlebte ist auch mit 10 Tagen Abstand nicht leicht zu verdauen, obwohl die Leute vor Ort sehr darauf geachtet haben, dass meine ersten Eindrücke nicht die Schlimmsten sind. Und ich möchte mit diesem Bericht auch keinen empfindlichen Mitmenschen überfordern. Aber so viel möchte ich schon sagen: Jedem Tier, das in einem noch so engen Tierheim in Deutschland sitzt, geht es 100 mal besser als den meisten Tieren, die ich in Spanien gesehen habe. Sie haben Futter, werden tierärztlich versorgt und haben ein sauberes Bett.

Die wenigen Leute in Spanien, die den abgeschobenen Tieren helfen, würden ihr letztes Hemd für die Tiere hergeben und arbeiten sprichwörtlich Tag und Nacht – kein Wunder, dass es dabei oft organisatorische Probleme gibt. Und es gibt ja auch noch die Sprachbarriere zu den Deutschen. Die Anzahl der Tiere und örtlichen Probleme übersteigt die Möglichkeiten bei Weitem.

Auch über „nur“ 5 Tage Aufenthalt im „Schonprogramm“ berichte ich also exemplarisch.

1. Besuch einer Tötungsstation, die (bevor sie tötet) die Tiere den Tierschützern
anbietet: die Betreiber bekommen für die Tötung öffentliche Gelder und züchten selber fröhlich Rassehunde. Dort hätte ich sofort 34 Hunde mitnehmen dürfen - auf der Anlage sind aber geschätzt über 150 Hunde. Einige der 34 finden Sie auf unsere Homepage oder der von befreundeten Tierschutzorganisationen.

2. Besuch eines gut verdienenden Züchters (schätzungsweise ebenfalls 150-200
Tiere), der seine verwahrlosten Welpen (Rassehunde mit Papieren!!) dem Tierschutz
anbietet, weil sie schon!!! 6 Monate alt sind und nicht mehr niedlich: Die Tiere sind halb verhungert, verdurstet und sitzen in ihren Exkrementen. Im Bild der Pflegezustand eines noch gesunden Tieres. Die Bilder der kranken Artgenossen gleichen Alters erspare ich Ihnen, lieber Leser. Ich bin echt zornig: die Leute die diesem.... Züchter für mehrere hundert Euro einen Welpen abkaufen, nehmen das Leid der „Abfallprodukte“ in Kauf.
Wenn die Tierschützer diesen skrupellosen Leuten die kranken Tiere nicht abnähmen,
hätten nur diese Tiere darunter zu leiden und würden schnell in der Tötung landen. Ich wiederhole: ich bin stocksauer, weil machtlos. Die Politik versagt auch hier.
Übrigens: das gibt es auch in Deutschland. Jeder teure Zuchtwelpe produziert – früher oder später – ungewollte Nachkommen. Bitte überlegen Sie gut, ob Sie nicht
alternativ eine der abgeschobenen armen Socken aufnehmen könnten, wenn Sie sich ein Tier anschaffen.

3. Besuch einer ehemaligen Tötungsstation, die eine engagierte, spanische Tierärztin zusammen mit einer Tierpflegerin in Castellbisbal in eines der wenigen Tierheime in Spanien umgewandelt hat: Sie kämpfen sehr hart und erhalten sporadisch die Unterstützung der Gemeinde. Die Ergebnisse lassen sich sehen: Hunde in Rudelhaltung, die täglich einmal Freigang im Auslauf haben. Es sind aber so viele Tiere, dass es nicht für alle Tiere gleichzeitig möglich ist, die andere Hälfte ist so lange im Zwinger. Das neueste Projekt ist die Einrichtung einer Quarantänestation, für das die Gemeinde jüngst die Hälfte eines ehemaligen Schrottplatzes geräumt hat und ein bisschen Geld für Zäune aufbringt. Die Katzen, die alleine nicht überlebensfähig wären, sind hier in wenigen Pflegestellen
untergebracht. Für Katzenkolonien gibt es Kastrationsprogramme. Für Spanien sind das schon gute Verhältnisse. Das gibt es dort sehr selten.

4. Unterhalt und Pflege der Tiere, die wir bereits zur Vermittlung übernommen haben:
Diese Tiere kommen direkt aus verschiedenen Tötungsstationen. Katzen sind in
Pflegestellen, Hunde in gemieteten Zwingern untergebracht. Damit sie nach Deutschland einreisen dürfen, werden sie geimpft, gechipt, tierärztlich untersucht (die Reisefähigkeit muss bescheinigt werden). Kranke Tiere werden selbstverständlich vor der Reise behandelt, außerdem machen wir Bluttests auf mögliche Krankheiten. Die Katzen lassen wir außerdem kastrieren, wenn sie alt genug dazu sind. Den Sachstand zu jedem Tier geben wir nach bestem Wissen und Gewissen auf unserer Homepage an. Nach Deutschland darf nur ausreisen, wer einen neuen Besitzer oder eine Pflegestelle bis zur Vermittlung gefunden hat.
Mir war bekannt, dass alle Vorbereitungen zur Ausreise die wenigen Tierschützer in
Spanien „nebenbei“ abwickeln, nebst Reinigen der Zwinger, Füttern, Tränken,
Tierarztfahrten, Behandlung mit Medikamenten, Transporten zum Flughafen, Organisation von Transporten mit Autos, Korrespondenz mit anderen Organisationen in Spanien und in Deutschland, Aufnahme von Streunern und Unfalltieren, die die Polizei aufgelesen hat, und vieles mehr. In Deutschland hatte ich angeboten, alles zu machen, was ich in dieser Woche ohne spanische Sprachkenntnisse machen konnte. Ergebnis: ich war den ganzen Tag auf den Beinen, habe oft das Essen vergessen und bin um Mitternacht heim gekommen. Dann war meist meine Mailbox voll mit Fragen nach einzelnen Tieren, die wir mitnehmen sollten, organisatorischen Fragen, etc.... so zwischen 1-2 Uhr fiel ich ins Bett, und am nächsten Tag ging es flott weiter.

5. Unser Heimweg:
Die vielen Hunde brauchten zum Beispiel alle vor dem Transport ein passendes Halsband, und eine passende Transportbox musste gefunden und aufgebaut werden. Das hört sich leicht an, ist aber richtig viel Arbeit, wenn es nicht ausreichend viele Halsbänder und Boxen gibt. Ich war vorher jedenfalls bestens beschäftigt. Irgendwie hat sich bis zur Abreise alles gefügt, weil die Tierschützer vor Ort sich gegenseitig unterstützen. Alle Achtung vor Euch in Spanien, die Ihr das täglich leistet. Und um auf den Anfang meines Berichtes zurück zu kommen: wenn die Tiere das Ziel im neuen Heim erreicht haben, hat sich alle Anstrengung gelohnt, gar keine Frage.

Die lange Rückfahrt mit den vielen Tieren habe ich ja schon beschrieben. Als Resumee kann ich nur sagen: das würde ich jederzeit wieder machen. Seltsam, dabei von „Spaß“ zu reden – aber ich hatte Spaß daran zu helfen, auch wenn ich oft zornig, traurig oder müde war. Die Spenden aus Deutschland, unser tolles Team hier und in Spanien, die gemeinsame Organisation mit anderen Teams und die lieben Leute, die Tiere adoptieren und in Pflege nehmen, machen das alles erst möglich. Allen, die helfen, sei an dieser Stelle unser herzlicher Dank ausgesprochen.

Cony Sierks - TIERHILFE VERBINDET


Side Column