Vergesellschaftung Kaninchen


Kaninchen sind ziemlich am Ende der Nahrungskette und leben in freier Wildbahn in Gruppen. So verteilt sich die Verantwortung um die Sicherheit des Einzelnen auf alle Mitglieder. Sichtet irgend ein Mitglied einen Feind (Fuchs, Marder, Greifvogel etc.) wird es mit dem Hinterlauf kurz auf den Boden schlagen (klopfen) und eh man schauen kann haben sich alle Kaninchen in ihren Bauten in Sicherheit gebracht. Dieses Verhalten ist ein Instinkt und kann einzeln gehaltene Kaninchen in Dauerstress versetzen, da es für sich verantwortlich ist und niemand hat der es warnt - ein Kaninchen weiß nicht, dass es im Haus oder gesicherten Gehege sicher ist. Durch ausgeprägtes Sozialverhalten wird die Gruppe zusammen gehalten. Kaninchen kuscheln und lecken sich die Ohren und Augen, das festigt die so wichtige Beziehung.

 

 

Allein gehaltene Kaninchen sind sehr unglücklich und gestresst. Nun sind wir Menschen in der Zwickmühle, einerseits soll unser Kaninchen es gut haben, dass Meerschweinchen kein Ersatz sind haben wir ja inzwischen gelernt, die Sprache und Lebensweise ist komplett verschieden, andererseits ist das Vergesellschaften mehrere Kaninchen nicht ganz ohne.

Leider funktioniert es nicht, wenn man einfach ein fremdes Kaninchen zu dem Einzelkaninchen setzt und sagt: So, jetzt habt Euch lieb. Das „alte“ Kaninchen wird empört auf den Eindringling los gehen und sein Revier verteidigen. Aus diesem Grund soll die Vergesellschaftung auf neutralem Grund erfolgen Ein neutraler Raum kann vieles sein: Das Bad oder die Gästetoilette, die Waschküche oder ein neu gebautes Gehege in dem noch niemand war. Für größere Gruppen eignet sich auch eine Garage, für kleinere ein abgeteiltes Stück davon.

Der neutrale Raum muss sicher sein, d.h. keine Kabel oder sonstige gefährliche Dinge.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sehr hilfreich ist, wenn man Klos in der gleichen Anzahl der zu vergesellschaftenden Kaninchen aufstellt. Klos können sein: gründlichst gereinigte Katzenklos, flache Schalen, Pappkartons usw. die mit Streu und Heu gefüllt werden. Einen Berg Heu und etwas verteiltes Futter in die Mitte und die Einrichtung ist perfekt. Häuschen finde ich nicht gut, 1. gehen sie nicht rein, 2. stehen sie nur im Weg.

 

Alle Kaninchen werden zusammen in diesen neutralen Raum gesetzt und jetzt wird’s spannend.

Meist passiert erst mal nichts, es wird rumgehoppelt und geschnuppert, das Gelände wird überprüft ob es sicher ist. Plötzlich aus heiterem Himmel fängt ein Gejage an. Halt!!! Hier darf nicht eingegriffen werden, das ist ganz normal, denn Kaninchen haben eine strenge Rangordnung und die muss nun festgelegt werden.

Jedes Kaninchen ist ein Individuum und sein Verhalten können wir Menschen nicht vorhersehen. Es gibt Vergesellschaftungen, meist bei Pärchen, da ist es Liebe auf dem ersten Blick, man sieht sich, man jagt sich eine Runde dann wird gefressen und sich abgeleckt. Für uns Menschen ein Traum, aber leider nicht sehr häufig. Meist jagen sich die Tiere, berammeln sich auf „komische“ Weise, also das Weibchen das Männchen, von vorne, von hinten, von der Seite und umgekehrt. Dieses Verhalten hat nichts mit Sexualität zu tun sondern mit der Klärung der Rangordnung. Es wird gejagt, in den Popo des Vordermanns gezwickt und schon mal Fell ausgerupft, das ist alles normal!!! Kritischer wird es, wenn sich 2 Kaninchen ineinander verbeissen und sich gegenseitig die Hinterläufe in den Unterleib rammen. Hier sollte eingegriffen werden, aber nicht mit bloßen Händen, feste Lederhandschuhe sind Pflicht, sonst haben SIE stark blutende, tiefe Wunden. Bitte vorher bereitlegen!

Wenn die Rangordnung geklärt ist, wenden sich die Kaninchen dem Fressen zu und suchen die Nähe zueinander. Die Klärung kann unterschiedlich lange dauern, also von 5 Minuten bis mehren Wochen. Bei Pärchen (er natürlich kastriert) geht es meist recht schnell und oft ist nach einem Tag und einer Nacht alles klar. Dann können die Tiere in ihr Gehege umziehen.

War das Gehege vorher von einem oder mehren Mitgliedern der Gruppe bewohnt, sollte man es gründlich reinigen, wenn möglich die „Einrichtungsgegenstände“ umstellen, es also möglichst verändern, so dass das angestammte Kaninchen keinen all zu großen Heimvorteil hat. Wenn man ganz sicher gehen will, kann man stark aufgebrühten Früchtetee (möglichst im Haus keinen Roten – gibt Flecken) oder Pfefferminzetee versprühen um die Geruchsmarken zu überdecken. Diese Tees sind für Kaninchen ungefährlich.

Das Wichtigste aber bei einer Vergesellschaftung ist, dass SIE cool und gelassen bleiben. Haben Sie Angst scheiden Sie Stresshormone aus die die  Tiere wegen ihrer feinen Nase wahrnehmen. Stress ist bei Fluchttieren, wie Kaninchen es sind, kontraproduktiv.

Wissen Sie schon im Vorfeld, dass Sie hibbelig und ängstlich sind, bitten Sie bitte eine Person dazu die eher gelassen ist und verlassen den Raum wenn’s zu spannend wird.

 

Zur Gruppenzusammensetzung: Leider kann man da nicht viel im Vorfeld sagen außer, dass sich unkastrierte Rammler nie verstehen werden, sie können sich schwer verletzen oder sogar töten. Nach der Kastration sollten die Männchen noch 6 Wochen getrennt von den Artgenossen sitzen, denn solange sind müssen sich Hormone und Restspermien im Samenleiter abbauen. Innerhalb dieser Zeit können die Männer die Weibchen noch decken!!!! Alle anderen Kombinationen sind abhängig vom Charakter der beteiligten Tiere. Wobei 2 Weibchen u.U. sich stark anzicken können. Die beste Kombination sind gemischte Gruppen oder ein gegengeschlechtliches Pärchen (mindestens ER kastriert)

 

Hier noch mal alles in Stichpunkten:

 

  • Sind die Rammler kastriert und haben die Kastrationsquarantäne von 6 Wochen abgesessen?
  • Alle Tiere gesund?
  • Neutraler Raum, nicht zu groß und nicht zu klein (3-5qm für ein Pärchen ist super)
  • Keine Häuschen, höchstens Unterstände die an mindestens 2 Seiten offen sind, am besten Klos (Katzenklo, Schale, Pappkarton) mit Streu und Heu in der genauen Anzahl der beteiligten Tiere.
  • Heu und Futter in der Mitte
  • feste Lederhandschuhe, für den Notfall, bereit legen
  • Tiere rein
  • Nerven behalten notfalls Unterstützung holen
  • nur trennen wenn Blut fließt oder sich die Tiere „verknäueln“
  • zukünftiges Gehege reinigen, evtl. mit Früchtetee/Pfefferminztee neutralisieren
  • haben Sie Geduld

 

Bitte unterbrechen Sie keine laufende Vergesellschaftung, auch nicht „nur“ über Nacht, Sie fangen beim nächsten Versuch wieder bei Null an.

 

Wenn Sie Fragen oder Probleme mit/zur Vergesellschaftung haben, wenden Sie sich bitte an Tierschutzvereine die Erfahrung mit Kaninchen haben oder an uns.

 

Ich drücke Ihnen ganz fest die Daumen und freue mich, dass Sie Ihrem Kaninchen einen/mehrere Artgenossen geben.

 

Tina Mader

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