Tierhilfe Verbindet e.V.


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Tierschutz im Süden

Tierschutz im Süden -
Besuch in Barcelona 2006
Bericht von Tina Hamp

         
 


Ankunft in Barcelona

Ziemlich spontan entschlossen buchte ich im Januar 2006 meinen Flug nach Barcelona, um die vielen Tierschützerinnen, mit denen wir dort immer wieder zusammen arbeiten, und ihre Arbeit kennen zu lernen.
Am Flughafen holten mich Swaantje und Magda ab, zwei sehr aktive Tierschützerinnen, die sich um die Katzen Barcelonas kümmern. Sie nehmen Katzen auf, pflegen sie gesund, suchen ein Zuhause für sie und kümmern sich um die vielen Katzen die draußen leben (müssen). Dazu später mehr...
Wir fuhren als erstes los, zu einem Haus, das demnächst abgerissen werden sollte. Auf dem Dach des Hauses lebte noch eine scheue Katze, die sie bereits seit Wochen versuchten einzufangen. In die bereit gestellte Falle ging sie bisher nicht und es ist ihr sehr zu wünschen, daß es bald klappt, damit sie eine Chance auf ein Leben hat.
Am Abend traf ich Marie, eine weitere aktive Katzenschützerin, bei der ich die folgenden Tage wohnte. Ich wurde in Spanien mit einer solchen Warmherzigkeit und Gastfreundlichkeit aufgenommen, daß ich mich schnell wohl fühlte. Alle haben sehr viel Arbeit, aber sie waren immer bemüht mir alles zu zeigen, ihre Arbeit vorzustellen und meine vielen Fragen zu beantworten.


Besuch des Hundegeländes von “Tiere in Spanien e.V.”

Am nächsten Tag ging es weiter...ich begleitete Antje Perlwitz vom Verein „Tiere in Spanien e.V.“ auf ihrer Tour.
Die erste Station war das Gelände auf dem Land, auf dem die Hunde vom Verein untergebracht sind. Die Hunde haben Hüttchen, Futter, Wasser,...aber sie leben eben draußen und es bleibt Antje und ihren Helfern nicht die Zeit, die sie sich für den einzelnen Vierbeiner an Zuwendung wünschen würden. Aber blickt man in die Augen der Hunde, sieht man nicht nur ihre Entbehrungen, sondern auch, daß sie sich hier respektvoll und würdig behandelt fühlen. Ich sah in den kommenden Tagen viele Augen von Hunden und Katzen, die ganz anders blickten...Antje und ihre Helfer schaffen es, den Tieren ein bißchen Geborgenheit in dieser notdürftigen Übergangszeit zu schenken, was mich tief berührt hat.
 

   


Ich möchte aber nun trotzdem auf einen Hunde hinweisen, dessen Schicksal mich sehr traurig machte.
Hund Jake, ein älterer, wuschliger Hundeherr wartet seit einem Jahr auf Adoptanten!!! Er ist ein gemütlicher, kleiner Kerl, der sich leider nicht mit allen anderen Hunden verträgt und deshalb allein in einem kleinen Gehege mit seiner Hütte leben muß. Er ist schon etwas knurrig, aber genießt Streicheleinheiten sooo sehr. Antje tut für ihn, was sie kann, aber für den alten Herrn dauert es schon zu lange, er hat zu viele kalte Tage draußen verbringen müssen, sein Blick ist traurig und sehnsuchtsvoll.
 


 

Warum hat sich nie jemand für ihn interessiert, frage ich Antje. Sie schüttelt traurig den Kopf. Wieder mal, weil er schwarz ist, weil er alt ist, weil er knurrt, wenn er sagen möchte „Hey, ich mag jetzt grad nicht“? Sind das die Gründe? Ich hoffe so sehr, daß viele Menschen durch diesen Bericht von Jake erfahren werden und mein Versprechen, das ich ihm ins Ohr flüsterte, daß bald jemand für ihn kommen wird, der nur ihn will und ihm Wärme und Liebe geben will, in Erfüllung gehen wird. Bitte tun auch Sie lieber Leser, liebe Leserin etwas dafür, daß dieses Versprechen wahr wird. Sie finden Jake auf der Homepage von www.tiere-in-spanien.de. Bitte, er wartet seit einem Jahr auf jemanden, der genau ihn möchte. Er hat zu viele andere Hunde kommen und erwartungsvoll gehen sehen. Wann darf Jake in eine eigene Familie?
 

   
 

Auch an diesem Tag durften einige Hunde in eine glückliche Zukunft reisen. Der Abschied von ihren Kollegen und von Antje und ihren Helfern stand an. Für sie ein riesiges Glück, für die, die nachrücken dürfen, die noch in Tötungsstationen warten müssen, eine Garantie auf Leben!
 


 


Hundeauffangstation für unsere Schützlinge aus Cadiz

Dann ging es weiter in die Hundepension, in der auch wir, die TIERHILFE VERBINDET, Zwinger mieten, um dort Hunde unterzubringen, die wir aus einer Tötungsstation in Cadiz rausholen lassen. Ich wollte sehen, wo unsere Schützlinge untergebracht werden, wie es ihnen geht und ein bißchen helfen. Die Zwinger werden gemietet, die Versorgung aber muß selbst erledigt werden. Dies machen ebenfalls Antje und ihr Helfer Xavi. Sie fahren täglich dorthin, reinigen die Zwinger, geben Futter, wechseln Decken aus, sprechen so manchem verzweifelten Vierbeiner Mut zu und holen ihn mit Würstchen ins Leben zurück, an das er so gar nicht mehr glauben wollte.
Als wir ankamen war ich schockiert. Massen an Hundezwingern, das Wort Hundepension ist  dafür total falsch gewählt. Denn das Wort weckt hier bei uns völlig falsche Vorstellungen....
 

   
 

Die Hunde sitzen in Zwingern in kleinen Gruppen, teilen ihr Essen...und sonst nichts. Denn mehr gibt es da eigentlich nicht. Sie haben kleine Plastik-Hundekörbe mit Handtüchern, aber diese schützen vor der Kälte nicht. Aber zumindest ist es einigermaßen trocken. Ich helfe bei der Reinigung der Zwinger und bin am Anfang sehr unsicher, so einfach bei fremden Hunden reinzugehen, aber ich bin überrascht...
ich werde von den meisten freudig begrüßt. Besuch scheint Abwechslung und deshalb sehr erwünscht zu sein. Viele sind auch unsicher, die Erfahrungen aus der Tötungsstation und sicher auch viele Erfahrungen vorher haben sie mißtrauisch und ängstlich gemacht. Ich spreche dauernd vor mich hin, beginne leise zu singen, um diesen Hunden die Angst vor mir zu nehmen. So mancher kommt dann vorsichtig her, schaut mich an. Aber der Blick von einigen dieser Hunde bringt eine Welle voller Scham in mir hoch.
Der Blick erzählt so viel, so viel was diesen Hunden angetan wurde und ich verstehe nicht, warum sie nicht jeden Menschen anfallen, der künftig zu ihnen kommt. Es wäre kein Wunder... Statt dessen versuchen sie mit aller Kraft ihre Angst zu überwinden und Kontakt zu mir aufzunehmen. Sie scheinen leichter verzeihen zu können als Menschen... Ich versuche weiter Zwinger zu reinigen und mich nicht heulend auf dem irgendeinem Zwingerboden niederzulassen oder mir ein paar Hunde unter die Jacke zu stecken und schnell mit ihnen davon zu laufen. Einfach weg von hier.
 


 

Ich sehe Welpen, die sich frierend an ihre Mütter drängen, Hunde die grade neu ankommen und in sehr schlechtem Zustand sind, die Antje nun aufpäppeln wird.....
 


 

Mich hält der Gedanke aufrecht, daß alle die, die ich jetzt sehe ein echte Chance haben, sie alle wurden aus der Tötungsstation von Tierschützerinnen rausgeholt, um bald gesund, aufgepäppelt und geimpft in eine bessere Zukunft zu fliegen. Ich wünsche jedem von ihnen, daß er schnell in Augen von Zweibeinern blickt, die ihn glücklich und verliebt ansehen und in ein warmes Zuhause tragen, in dem er nichts entbehren wird.
 


 

An diesem Tag lernte ich auch die kleine Luise kennen, die graue Hündin die mich wie mit Magie in ihren Bann zieht – und die gerade während ich dies schreibe - jetzt in meinem Wohnzimmer liegt und kurz vor der Geburt ihrer Babys steht.


Die vielen Katzenkolonien in Barcelona....


   
 

Einen Tag später fahre ich mit Magda und Swaantje die Stellen ab, an denen sie Katzenkolonien füttern. Die Katzen im Park Barcelonas sind überwiegend kastriert, es handelt sich somit um kontrollierte Kolonien. Aber es sind so viele Katzen, ich kann es kaum glauben. Im Park wurde auch ein kleines Gehege eingerichtet, in dem Katzen, die separiert werden müssen, untergebracht sind. Ein Kater wartet gerade in diesem Gehege auf Magda, weil er weiß, sie bringt Futter. Er hat eine Hautkrankheit und kann erst wieder „entlassen“ werden, wenn dies fertig behandelt ist.
 

   
 


Die Hafenkatzen

Danach fahren wir zum Hafen. Ich blicke über die Klippen, die auf den ersten Blick harmonisch wirken und eine prima Urlaubskulisse sind.
 


 

Dann fangen Magda und Swaanteje an zu erzählen...hier lebten Hunderte von Katzen. Jedesmal wenn die Flut und schlechte Wetterverhältnisse kamen, wurde der Steg komplett überspült, die Wellen brechen sich dort. Ständig ertranken Katzen, Katzenmamas konnten ihre Babys nicht retten, sahen sie ertrinken oder konnten sie nicht vom vielen Salz befreien, was den Tod für die Kleinen bedeutete. Aber es wurde geholfen: Magda und der Tierschützer Oskar evakuierten 180 Katzen, ließen sie kastrieren und in einem Tierheim auf einem Gelände unterbringen.
 

   
 

Schaut man die Fotos genauer an, wird einem das unermeßliche Leid der Katzen schnell klar. Was aussieht wie Lücken in den Steinen am Rand, sind keine von Menschen geschaffenen Räume, es fehlen dort einfach riesige Steine, die von der Flut weggerissen wurden. Mit welcher Wucht haben die Wellen dann die hilflosen Katzen wohl erwischt!
 

   
 

Magda erzählt, wie sie so mache Nacht der Unwetter und der Flut an die Katzen dachte und hilflos versuchte Schlaf zu finden.
Bis auf drei Katzen haben sie und Oskar es geschafft alle zu evakuieren. Als sie die Katzen mit Fallen gefangen hatten, dachten sie, alle wären völlig verwildert. Jetzt, Wochen später, stellt sich im Tierheim herraus, daß sie überwiegend hervorragend auf Menschen sozialisiert sind, nachdem sie wieder lernen den Händen zu vertrauen, die ihnen Futter geben und sie umsorgen. Katze Tona ist zum Beispiel eine von ihnen und wartet derzeit im Tierheim auf Menschen die sie adoptieren. Liebe Tona, möge dieser Bericht dazu führen, daß Du und viele Deiner Kameraden eine Chance auf ein richtiges Zuhaus finden dürfen.
 


Weiter geht es auf dem Hafengelände. Ein ganzes Stück entfernt wird wieder gefüttert. Oskar und Magda haben dazu ein wunderbares Futterhaus gebaut. Mit einem ausgeklügelten System halten sie die Möwen davon ab, sich hier ebenfalls zu bedienen.
 

   


Ich sehe die vielen Container und denke: Na da können sich die Katzen wenigstens verstecken und trocken schlafen. Schnell werden meine Gedanken unterbrochen und Magda berichtet, daß viele Katzenmamas sich dort verkriechen und versuchen ihre Babys zu bekommen. Doch sobald die Container bewegt werden, können sie ihre Babys nicht schnell genug in Sicherheit bringen. Die Tierschützerinnen finden oft zerquetschte Babys oder Katzenkinder, denen ganze Gliedmaßen abgetrennt wurden. Oder Mütter, die tot oder schwer verletzt sind. Sie hätten davon laufen können, aber sie versuchten ihren Babys beizustehen....
 


 

Als wir wieder losfahren, steige ich  wie versteinert ins Auto, ich versuche die Verzweiflung, die die Katzen in diesen Momenten erleben müssen, zu verdrängen und kann nicht mal weinen....


Die grausame Form eines Katzen-Tierheims

Wir fahren weiter auf einen Berg bei Barcelona. In sarkastischem Ton sagt mir Swaantje, ich würde jetzt das größte Tierheim in und um Barcelonas kennen lernen. Erst verstehe ich sie nicht. Bis wir zur ersten Katzenkolonie kommen. Viele absolut zutrauliche Katzen laufen hier herum. So manche läuft maunzend hinter uns her, wirft sich auf den Boden und bittet, ihr den Bauch zu kraulen. Und langsam beginne ich Swaantjes Sarkasmus zu begreifen und höre die Geschichten. Viele fahren einfach ihre Katze auf den Berg, wenn sie sie nicht mehr haben wollen. Entweder weil sie trächtig ist, weil sie Arbeit macht, weil sie alt ist, oder weil sie krank ist. Ich weiß, auch in Deutschland werden Katzen ausgesetzt. Aber nicht in dieser Masse und vor allem, werden sie in der Regel schnell entdeckt und von Tierschützerin oder Tierfreunden aufgenommen. Das ist hier kaum möglich...es sind wohl mehrere tausend Katzen auf diesem Berg. Wir fahren verschiedene Futterstellen an, die Flut an Katzen ist unglaublich. Wer jetzt denkt, da hätten sie es ja auch gut, ist falsch gewickelt. Viele Katzen sind orientierungslos, finden sich nicht zurecht, es gibt keine warmen Unterschlüpfe. Es kommen Menschen mit Stöcken die Spaß daran haben, Katzen tot zu schlagen oder ihre Hunde auf sie zu hetzen und Wetten abschließen, wessen Hund schneller eine erledigt. Ich sehe einen schwarzen Kater, der irgendwie völlig fehl am Platz und sehr alt wirkt. Ich erfahre, daß er neu ausgesetzt, erst seit ein paar Tagen da ist und das Leben hier nicht packen wird. Ich höre das und in dem Moment sieht er mich an......

Wieviel Verzweiflung in einem Blick liegen kann....

Die Tierschützerinnen erraten meine Gedanken und erzählen, wie voll ihre Pflegestellen sind, sie können nicht jeden aufnehmen der in Not ist! Was bedeutet das für diesen Kater? Welches Leid müssen die Tierschützerinnen hilflos mit ansehen? Täglich Entscheidungen treffen, wen sie mitnehmen, wem gerade nicht geholfen werden kann. Eine Entscheidung, die nie dem Rechnung tragen kann, was an Hilfe gebraucht wird, eine Entscheidung, die manchmal den Tod und großes Leid für eine Katze zur Folge hat. Könnten mehr Katzen vermittelt werden, könnten dafür mehr Katzen nachrücken und geholfen werden. Wäre mehr Geld da, könnten mehr Katzen medizinisch versorgt werden und damit die Chance auf Leben bekommen!
Auf diesem Berg sind eigentlich fast alle Katzen unkastriert und das Leid geht damit weiter. Ständiger Nachwuchs, Kälte, Krankheiten, Mißhandlungen, zu wenig Futter,....
Mir fallen die vielen Statements in Deutschland ein: „Sie soll die Katzen kastrieren und nicht nach Deutschland schicken!“. Ja...klar sollen sie kastrieren.....aber wer zahlt das? Kastrationen sind dort fast teurer als in Deutschland. Die Stadt hat fast kein Geld und gibt auch für solche Aktionen nichts. Menschen, die eine spanische Katzen adoptieren, zahlen dafür eine Schutzgebühr, die nicht mal die angefallenen Kosten deckt. Aber wer gibt denn Geld für die Kastration einer herrenlosen Katze in Spanien??? Kein Mensch...hier nicht und dort nicht. Die Forderung ist gut, aber in der Umsetzung stößt sie absolut schnell an Grenzen.


Ungehörte Hilferufe!

Am Abend gehe ich mit Marie, bei der ich wohne, Essen. Ich versuche abzuschalten und  Barcelona wie eine Touristin zu erleben. Aber meine Gedanken kreisen...ich will mehr tun, aber ich weiß noch nicht was. Ich möchte helfen...aber wie?
Auf dem Heimweg erzählt mir Marie von ihrer Tierschutzarbeit. Sie lebt mitten in Barcelona, ihre Arbeit spielt sich vor der Haustür ab. Für mich unvorstellbar! Wenn bei uns mitten in der Stadt eine Katze herumläuft, fragt sich jeder, wem sie gehört und ob sie sich verlaufen hat. Nicht dort...
Marie erzählt mir von einer Katzenmama, die keinen Ort fand ihre Babys zur Welt zu bringen. Sie suchte sich in letzer Not den Autoreifen eines parkenden Autos aus.....aber das Auto fuhr dann los....ich kann kaum zuhören! Ein Kater, der schwer verletzt herum irrte, bis Leute anriefen, daß der Kater abgeholt werden müsse, weil sein Geschrei ihren Schlaf störe und das nun seit Tagen so ginge. Es handelte sich um Schmerzensschreie....Warum helfen so wenige Menschen, wenn ein Lebewesen vor Schmerzen schreit??? Niemand kann es mir erklären, es ist einfach nicht erklärbar.
Die Leute setzen ihre Katzen ganz einfach mitten in der Großstadt aus, das weitere Schicksal ist ihnen egal. Die Katzen schreien dann an ihrer Haustür, wollen wieder rein ins warme Zuhause, aber werden verscheucht. Was denken die Menschen, wenn sie ihre schreiende Katze am Abend nach der Arbeit wieder an ihrer Tür finden? Wie können sie ihr nur einen Tritt geben und sie verscheuchen??
 

 

Am Tag danach schaue ich mir kurz die Innenstadt an. Nur kurz...ich kann es kaum ertragen. Auf den Ramblas, der so genannten Einkaufsmeile, sehe ich die vielen Straßenstände, die Tierkäfige und Tiere verkaufen! Für was? Ist es noch nicht genug???? Es ist kalt und ich sehe zitternde Tiere, die sich aneinander drängen. Gibt es nicht schon genug Leid? Ich kehre um und fahre zu Maries Wohnung zurück, ich habe genug von der Stadt.


Täglicher Kontakt nach Hause...

Die Abende verbringe ich bei Marie im Internet. Schreibe meinem Team Emails, schicke ihnen Fotos von Tieren, die komplett geimpft und reisefertig sind und in Spanien auf eine bessere Zukunft warten. Ich bitte sie, Pflegestellen zu finden und mein Team arbeitet auf Hochtouren um alle unterzubringen. Keine antwortet mir, „geht nicht“ oder „mach mal langsam, wir haben niemanden der aufnehmen kann“. Erst als ich wieder Zuhause bin, realisiere ich, unter welchem Druck sie alle Hebel in Bewegung setzten, um für alle Tiere, die ich unterbringen wollte, Pflegestellen zu finden. Sie schicken mir Emails, die mich aufbauen sollen, die ich aber nicht annehmen kann. Denn für mich ist es „nur“ eine Woche, aber die Tierschützerinnen in Spanien sehen all dies Tag für Tag. Und die Tiere leiden Tag für Tag...


Das Tierheim in Castellbisbal


   
 

Am nächsten Tag besuche ich Monica Planas, einer Tierärztin die ein Tierheim gegründet hat.
 

   
 

Ich helfe ihr, Fotos von Welpen zu machen, die gerade abgegeben wurden. Jemand hat sie im Wald gefunden. Noch nicht mal zwei Wochen alt und schon wurden sie von ihrer Mutter weggerissen und entsorgt. Sicher sucht sie ihre Mutter....Die kleinen tapsigen Knöpfe gucken orientierungslos in die Weite... Ich wünsche Euch, daß Ihr in eine bessere Zukunft dürft!
 

   
 

Monica berichtet von ihrer Arbeit, ihrem Erfolg, daß sie eine Tötungsstation schließen ließ und die Tiere nun im Tierheim aufnimmt. Wir besprechen, wie die TIERHILFE VERBINDET helfen kann. Wir werden künftig Hunde von Monica auf unserer Seite vorstellen und versuchen bei der Vermittlung zu helfen, damit wieder Platz für andere Tiere in Not im Heim ist.
 

   
 

In mein Herz schleicht sich sofort ein kleiner, älterer Hundemann, er heißt Yayu und möchte sofort auf den Arm.  Monica erzählt, wie er ins Tierheim kam. Er war in einem Wald ausgesetzt gewesen, völlig verwahrlost und in geschwächtem Zustand. Sie hat ihn wieder aufgepäppelt, rechts sieht man den kleinen Mann!
Jetzt hatte Yayu Glück, er hat inzwischen ein richtiges Zuhause gefunden.
 

   
 


Eine Perrera - Ort des Todes

Einen Tag vor meiner Abreise fahre ich mit einer Tierschützerin in eine der gefürchteten und schlimmsten Tötungsstationen in der Nähe Barcelonas, einer sogenannten Perrera. Man lässt uns nur in einem Teil des Geländes sehen! Bei dem Gedanken, was in dem Teil, den wir nicht sehen dürfen los sein mag, wird mir schlecht.
Ich gehe zu den Zwingern und gleich beim Ersten klettert eine Katze an den Gittern hoch, schreit und angelt sich mit der Pfote meine Jacke, die sie nicht mehr loslassen will. Sie schreit und schreit, krallt sich in meinen Ärmel. Ich habe einen Klos im Hals, aber weinen geht nicht...ich würde mich schämen. Denn ich kann wieder nach Hause, in ein warmes Bett. Die Katzen die mich ansehen bleiben hier...weinen wäre ein Hohn ihnen gegenüber.... Ich mache mich sanft los und gehe schweren Herzens weiter.
 

   
 

Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viel Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit in so vielen Augen gesehen. Der Name Tötungsstation ist zurecht, es ist ein Ort des Todes....
Keine Hoffnung, nur Kälte, Krankheit, Schmerz und Angst....
 

   
 

Als die Katzen mich ansehen, macht sich tiefe Scham und Verzweiflung in mir breit...Was gibt es für Menschen...?????
 

   
 

Auf dem Foto darunter ein kleiner Hund, der sich ängstlich vor meinem Blick versteckt. Daneben Katze July, die wir mitgenommen haben.
 

   
 

Die Zwinger werden täglich mit Wasser ausgespritzt, während die Tiere drin sind. Die Zwinger sind Richtung Norden ausgerichtet, ein Dach darüber macht jeden Sonneneinstrahl unmöglich. Die Tiere sitzen in der Nässe und frieren sich langsam zu Tode....
 

   
 

Die Tierschützerin, die mich herbrachte, sieht meinen Blick. Ich bitte sie, ein paar Katzen mitzunehmen und ich sichere zu, daß wir alle anfallenden Kosten für Kastrationen, Impfungen, etc. übernehmen und die Katzen dann, so bald sie geimpft sind, nach Deutschland fliegen dürfen. Drei Katzen dürfen mit: die Katze, die mich gleich an der Jacke packte, (eine gehörlose junge, weiße Kätzin) und zwei Kater. Die Tierschützerin nimmt sie für uns in Pflege. 
Während ich Fotos mache, kommt der Besitzer der Perrera, der Mann der mit dieser Tötungsstation sein Geld verdient! Er flippt völlig aus, weil ich Fotos gemacht habe. Ich muß mich sehr beherrschen....Neben ihm taucht plötzlich sein kleiner Sohn auf, fragt seinen Vater etwas, und der Vater streicht ihm automatisch über den Kopf! Was ist das für eine verquere Welt???!!
Nachts ruft die Tierschützerin an, die für uns die drei Katzen in Pflege genommen hat, bei Marie an und berichtet, daß einer der Kater kaum noch Lebensmut habe, und er sei so kalt, sie habe ihn zu sich in Bett geholt, aber seine Knochen würden gar nicht warm...er liegt nur da und friert, obwohl es längst warm um ihn geworden ist....aber halt noch nicht IN ihm. Kann es das je wieder werden? Ich spreche ihm in Gedanken Mut zu und erzähle ihm von einem Leben in einer Familie, die ich für ihn finden werde....


Ein neues Projekt entsteht - die Katzen aus Argentona

Und nun weiß ich auch, was zu tun ist. Wir werden versuchen, den Katzen, die in dieser Tötungsstation hilflos der Kälte und dem Hunger ausgesetzt sind zu helfen. Wir werden einen Weg finden, dies zu finanzieren, wir müssen einfach.....


Abschied und Ausblick....

Am nächsten Tag fliege ich nach Hause. Kaum bin ich gelandet, klingelt mein Handy, viele aus dem Team heißen mich willkommen und wollen wissen, was ich erlebt habe. Ich freue mich darüber sehr. Denn nur wenn viele Menschen wissen wollen, was woanders geschieht, gibt es eine Chance auf Veränderung.
Als ich nach Hause komme und meine eigenen Tiere mich begrüßen...erst da kommen die Tränen. Der Unterschied zwischen ihnen und denen, die ich die letzten Tage gesehen habe ist so immens groß. Die Augen meiner Tiere leuchten, als ich wieder da bin. Wie hab ich das Leuchten in den Augen von Tieren in diesen Tagen vermißt.... Ich hoffe so sehr, daß die TIERHILFE VERBINDET noch ganz viele Augen zum Leuchten bringen wird. Dafür werde ich tun was ich kann... und als ich einige Tage später auf unserer THV-Sitzung berichte, weiß ich, daß wir alle an einem Strang ziehen und gemeinsam viel erreiche können!
Einen Tag nach meiner Ankunft am Flughafen München starten in Barcelona neun Katzen und Hündin Luise, sie landen wenig später in München und werden von unseren Pflegestellen abgeholt. Zehn Augenpaare, die bald wieder leuchten werden, all dies wurde vom THV-Team während meines Aufenthaltes in Barcelona arrangiert!
Ich möchte noch betonen, daß ich sehr viele Tierfreunde in Barcelona kennen gelernt habe, daß die Tierschützerinnen dort viele Tiere an gute Zuhause vermitteln konnten. Nur es braucht noch viel Aufklärung und gute Beispiele, damit ein respektvollerer Umgang mit den Tieren erreicht wird.
Ich bedanke mich von ganzem Herzen bei den Tierschützerinnen vor Ort, die sich für mich Zeit nahmen, mich an ihrer Arbeit Anteil haben ließen, mich herumfuhren und übersetzten und bei ihnen wohnen ließen.
Und ich bedanke mich bei meinem Team, das in dieser Zeit Interesse an meinen Emails hatte, Pflegestellen für Tiere suchte, mir half schnell einen Flug zusammen zu stellen, damit möglichst viele schnell fliegen durften und während meines Aufenthaltes per Email und gleich danach telefonisch und persönlich für mich da waren, Interesse hatten und alles weiter tragen, um etwas zu erreichen.
Wenige Tage später wurde ich auf die Vorstandssitzung vom Tierschutzverein Schleissheim e.V. eingeladen. Sie haben großes Interesse von meinen Erfahrungen in Spanien zu hören. Ich zeige Fotos und beginne wieder zu erzählen...wieder macht sich ein Klos breit...Es kommen viele Fragen, es gibt auch hier großes Interesse. Und dann sofort die Zusage, dass sich der Tierschutzverein Schleissheim an dem neuen Katzenprojekt beteiligen möchte. Sie wollen immer mal wieder Kosten für Katzen übernehmen, denn durch die Schutzgebühren ist dieses Projekt allein nicht zu finanzieren. Diese Zusage bedeutet ÜBERLEBEN für einige Katzen, es bedeutet eine REELLE CHANCE. Und wieder macht sich ein Klos breit, diesmal aus anderen Gründen.....
Ich spüre, daß viele Menschen helfen wollen und werden, mein Besuch in Spanien wichtig war, denn wir können was tun. Auch wenn wir die Welt nicht verändern können, können wir doch ein paar Augen wieder zum Leuchten bringen!!!!

Tina Hamp
Januar 2006


Side Column