Tierhilfe Verbindet e.V.


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Flor


 



21. Juni 2010


Wir befinden uns im Juni 2010. Ganz Deutschland ist im WM-Fieber. Ganz Deutschland? Nein! In der schwäbischen Provinz, in einer Wohnung in der Augsburger Altstadt, spielt die WM keine Rolle. Hier geht es auch nicht um eine Elf oder mehrere, sondern um sechzehn Pfoten und alles, was dazugehört ...

Liebe Frau Richter, die ersten Eindrücke von dem Leben mit unserer Fleur, wie wir Flor nun nennen, haben Sie ja schon telefonisch erhalten. Jetzt ist die erste Woche herum, Zeit für einen ausführlichen Bericht. Es hat sich soooo viel getan!



Vor genau sieben Tagen kam Fleur aus Spanien, musste nach einer langen Fahrt umsteigen von einer Box in die andere - die Arme wusste gar nicht, wie ihr geschah, und so bekam ich gleich beim Umladen den ersten Pfotenhieb. Im neuen Zuhause war alles schon vorbereitet, die norwegische Senorita bekam zunächst ihre eigene Suite mit Personal, alle anderen mussten zu deren Ärger draußenbleiben. Fleur entschied sich dann dafür, die ersten Tage in einem Kuscheltunnel zu verbringen und gönnte uns entsprechend wahlweise nur einen Blick auf Kopf oder Hinterteil, die ganze Katz am Stück bekamen wir zunächst gar nicht zu sehen. Mit nachdrücklichem Gefauche hielt die Miez - wir mutmaßten schon, dass es sich eher um einen norwegischen Wild- statt Waldkatzenmix handelt - alle auf Sicherheitsabstand. Nur wenn sie allein war, erforschte sie den Raum, huschte ansonsten aber schnell wieder zurück in die sichere Höhle. Beruhigend war jedoch, dass sie mit gutem Appetit sich über das Edelfutter aus dem Allgäu hermachte und es gut vertrug. Die Entsorgung war auch kein Problem, sie akzeptierte gnädig die von uns bereitgestellten Behältnisse. Nur die offerierten Knabberstangen waren ihr ein Rätsel, zunächst ignorierte sie die Leckerlis, ging dann jedoch dazu über, sie wie einen Lolly abzuschlecken. Dass katz die Dinger auch verspeisen kann, entdeckte sie erst später.


Tja, so vergingen die ersten Tage. Fleur schlief, fraß, fauchte und hörte aufmerksam zu, wenn wir ihr etwas über ihr neues Zuhause erzählten, z.B. über die drei vor der Tür lauernden Rabauken. Da warteten schon ganz gespannt und etwas beunuhigt: Aleko, der hinkende Grieche, der sich als jugendlicher Kater vor drei Jahren in den Kopf gesetzt hatte, nach Deutschland auszureisen - seither wissen wir, wie kompliziert es ist, die entsprechenden Formalitäten auf eigene Faust zu regeln und waren Tierhilfe-verbindet dankbar, dass uns mit Fleur der Behördenkram abgenommen worden war! Chin, die ehemalige Straßenkatze, die wir aus der Tierheim-Quarantäne vor einem Jahr zu uns holten. Und Romeo, der im April über die Vermittlungshilfe der thv nach
Augsburg kam ... Alle drei ganz große Schmuser, die sich schnell miteinander angefreundet hatten und im neuen Zuhause das gemeinsame Herumgetobe und Gekuschel genießen - nur Fleur fauchte und fauchte, und uns war klar, dass gaaaaanz viel Geduld für die wilde Senorita erforderlich sein würde. Sie tat uns so leid, vermutlich viele schlimme Erlebnisse vorher, ein Jahr im Tierheim, dann die lange Autofahrt, und diese Angst vor allem - aber Misstrauen und Angst hatten ihr vielleicht sogar in Spanien geholfen zu überleben, bis sie bei den Tierschützern landete...? Also Geduld, Geduld ...



Die große Überraschung kam am Freitagnachmittag. Der fünfte Tag im Kuscheltunnel wurde Fleur anscheinend zu langweilig, und so entschloss sie sich, aus dem Versteck herauszukommen. Ein kleines, zierliches Wesen mit spitzen scharfen Zähnen und Krallen - und sie kam schnurrend auf mich zu, sie rieb ihr Köpfchen an mir, sie gestattete mir, ihren Kopf zu kraulen und hörte gar nicht mehr auf zu schnurren, sie warf sich auf die Seite und ließ sich den Bauch streicheln, und mir liefen vor lauter Glück die Tränen runter und tropften auf die kleine Mieze. Jan kam dann auch dazu, und sie ließ sich begeistert von uns beiden gleichzeitig streicheln und beschmusen. Inzwischen hatten auch die "draußen vor der Tür" gemerkt, dass da was höchst Aufregendes passierte und nutzten die Gelegenheit, als nun die Zweibeiner abgelenkt waren, sich selbst Einlass zu verschaffen. Ok., das war zwar noch nicht so schnell geplant gewesen, aber es war nun passiert und lief offensichtlich gut, und so beließen
wir es dabei. Ab und zu gibt es noch mal Gefauche, Fleur verkriecht sich kurz, ist aber nach wenigen Minuten wieder da und geht auf die anderen zu. Für den dritten gemeinsamen Tag geht das schon ganz prima. Vorhin waren sogar drei der vier zusammen im Kratzbaum. Das Suchbild ist beigefügt ... wo ist Fleur? ;-)

Auch das Kämmen genießt sie, und wir konnten feststellen, dass das lange Fell in einem wesentlich besseren Zustand ist als es z.B. bei Chin war, als diese aus einem deutschen Tierheim kam. Ein ganz dickes Dankeschön an die spanischen Tierschützerinnen! Und an das thv-Team natürlich sowieso! :-*

Viele Grüße von Fleur und ihrer neuen Familie aus Augsburg




 


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