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Caramelo
30. Juni 2010
Hallo, ich bin‘s, der kleine Caramelo.
Hier ein Auszug aus meinem Tagebuch:
Tag 70 meines neuen Lebens:
Heute ist Sonntag und länger schlafen angesagt als unter der Woche. Da konnte ich das Sofa noch länger in Beschlag nehmen! Ich liege soo gerne auf dem Rücken, wenn es weich ist.
Dann also doch, Aufstehen um 08.00 und 1. Rundgang durchs Revier. Ich hab‘s da immer sehr eilig am Anfang und muss Frauchen hinter mir herziehen. Schließlich muss ich wissen, wer in meiner Abwesenheit schon alles im Revier unterwegs war. Ach ja, mein neuer Weggefährte, Lobo, ist da natürlich auch dabei. Am liebsten verbellen wir am Sonntag früh, wenn noch alle schlafen, die Katzen. Jagen würde ich die auch nur zu gerne, aber Frauchen und Herrchen haben da was dagegen. Vor manchen Menschen habe ich ab und zu noch etwas Angst, aber wenn ich gestreichelt werde, ist das vorbei.
Aber na gut, dann also langsam ruhiger werden im Lauf des Spaziergangs und schon mal die ersten Leckerlies kassieren, für schönes an der Leine gehen, am Straßenrand Sitz machen und solche Faxen. Wenn‘s den Herrschaften gefällt. OK.
09.15 Endlich zurück: Jetzt gibt’s feines Fressen. Ich putz jetzt meistens meinen Napf leer. Am Anfang hat es mir manchmal noch nicht so geschmeckt, hat halt doch anders geschmeckt als Tapas, Würstchen, Pizza etc. Aber man gewöhnt sich an alles. Und meinem großen Kumpel will ich es dann auch nicht überlassen, sonst wird der noch größer. Ist ohnehin schon groß genug.
Aber nichts gegen meinen Großen. Wir kuscheln zwar nicht miteinander, schließlich sind wir ausgewachsene Kerle, aber wir verstehen uns mittlerweile recht gut. Blödsinn machen wir gemeinsam. Und das Alleine bleiben ist auch kein Problem, da strahlt der Große eine fast schon unheimliche Ruhe aus.
Ahh, nun ist wieder ausruhen angesagt, mit vollem Bauch. Am liebsten auf der Decke von Groß-Lobo, der muss sich entweder mit der anderen Seite der Decke begnügen oder soll sich einen anderen Platz suchen. Die Decke gehört jetzt mir!!
10.30 Die Fellpflege lass ich nun auch herrschaftlich über mich ergehen, anfangs hatte ich da schon Angst, und das hat vielleicht geziept mit dem vielen, alten Unterfell. Jetzt schau ich aus, wie aus dem Ei gepellt, eben wie ein stolzer Spanier.
11.00 Als nächstes ist Übungsstunde angesagt, gemeinsam mit dem Großen. Sitz und Platz, Sitz und Platz, Leckerlie … mach ich gerne. Nur den Kommandos „Bleib" und „Körbchen, bleib" verweigere ich bisher den Gehorsam. Warum denn auch, schließlich bin ich ein aufgewecktes Kerlchen, das viel lieber Pirouetten dreht und sich auf den Rücken schmeißt, und so seine Leckerlie und Streicheleinheiten einfordert. Frauchen sagt dann immer, das wird schon werden, beim Großen hat’s wohl auch lange gedauert. Mit dem Bällchen hab ich’s auch noch nicht so. Frauchen meint immer, „Dogdancing" wäre doch etwas, ich stünde sowieso meistens auf zwei Beinen. Oder vielleicht auch Spurensuche, da hätte ich auch Talent und Ausdauer. Mal sehen.
12.30 endlich: Autofahrt zur Hundewiese! Hab ich schnell gelernt, dass nach dem Autofahren was Schönes wartet.
13.00 Hallo, hier bin ich, ach Entschuldigung: sind wir. Wir geben schon ein tolles Gespann. Leinen los. Wo seid ihr Alle? Ich möchte alle kennenlernen, vom Zwerg bis zur Dogge. Ich bin immer mittendrin statt nur dabei. Dem Großen muss ich da immer wieder mal helfen. Der kann die anderen Hunde nicht so einschätzen, kommt dann aber auch meistens mit allen gut aus. Nur wenn mir jemand zu aufdringlich kommt, dann schnauz ich ihn einfach mal kräftig an. Frauchen meint dann manchmal, dass mich in solchen schnellen Situationen vielleicht ein bisschen mein blindes Auge behindert. Aber zu was hab ich denn den Großen dabei, der kann sich im Notfall schließlich auch mal nützlich machen.
Die anderen Hunde gehen immer im Main schwimmen, das mag ich nicht so. Frauchen sagt dann, ich hätte letzthin unsanft Begegnung mit einer Welle an der Ostsee gemacht. Das hätte mich wohl geschockt. Da wäre schließlich eine Monsterwelle von ca. 10 cm Höhe förmlich über mich hinweg geschwappt. Dabei ist es mir doch nur noch nicht warm genug in Mitteleuropa. Sie übertreibt halt mal wieder.
15.30 Ankunft daheim, Ausruhen, lecker Knochen knabbern.
16.30 Hubbs, bin schon wieder fit. Könnte Bäume ausreißen. Der Große liegt nur faul herum. Vom Balkon bellen, das könnte jetzt Spaß machen. Gedacht – Getan. Oh Oh, Frauchen ruft mich rein. Na gut, ich geb noch ein bisschen Ruhe, bis Frauchen das Abendessen gemacht hat und Herrchen sich mal an den Computer gesetzt hat und die Bilder vom Urlaub (sind fast ausschließlich der Große und ich drauf) in eine Form zu bringen.
18.00 Jippie: Waldspaziergang, ich darf sogar manchmal ohne Leine. Der Große nicht. Ätsch. Mein Jagdtrieb beschränkt sich auf Katzen und Amseln.
19.00 Essenfassen. Super. Anschließend Zahnpflege. Mit der Zeit mag ich auch diesen medizinisch riechenden Denta-Stix.
19.05 absolute Stille… langsames Überdämmern in den Abend.
20.15 Platzwechsel aufs Sofa, schließlich sitzen da jetzt Herrchen und Frauchen. Jetzt kann ich endlich meine wohlverdienten Streicheleinheiten einfordern.
22.30 Noch ne schnelle Gassirunde und dann hinüberschlummern in Tag 71 meines neuen Lebens.
Ich hoffe, ich habe Euch mit meinen Erlebnissen nicht zu sehr gelangweilt – schließlich führe ich jetzt ein ganz normales Hundeleben.
Euer
Caramelo
