Tierhilfe Verbindet e.V.


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Spanienfahrt Oktober 2009

Wieder mal eine Reise nach Spanien!

 
Wieder mal war es so weit, THV bereitete wieder eine Fahrt nach Barcelona vor. Anfang Oktober ging es dann für eine Woche wieder los, mit dabei  Andreas, sein Hund Milou, meine Hündin Beckyna und ich.
Die Tage vorher wurde das Auto fleißig beladen. Zum Einen mit den eingegangen Sachspenden, für die wir uns im Namen der spanischen Kolleginnen an dieser Stelle von ganzem Herzen bedanken möchten!!!!
Zum Anderen wurde kräftig geschleppt, denn viel Holz musste geladen werden. Denn mit dabei hatten wir eine Überraschung für das spanische Team SOS Gats, bekannt als die Retter der AVE-Katzen. Andreas hatte sich bereit erklärt, sein handwerkliches Geschick zur Verfügung zu stellen und auf dem AVE-Gelände das so dringend benötigte Holzhaus für die kranken Katzen zu bauen. Also eine kleine Krankenstation direkt auf dem Gelände.
Voll beladen ging die Fahrt also wie immer los, mit dabei außerdem viele Pläne und der Wunsch, sinnvolle Tage zu verbringen und so viel als möglich vor Ort helfen zu können.
 

 
 
Der Bau des Holzhauses für die Kranken
Am ersten Tag trafen wir uns gleich auf dem Gelände der AVE-Katzen. Viele von Ihnen haben schon gehört und gelesen von diesem wunderbaren Ort. Dorthin wurde ein Teil der Katzen gerettet, die durch den Bau der Transrapidbahn durch Barcelona sonst ihr Leben verloren hätten. Es konnten bei Weitem nicht alle gerettet werden und der Bau der Bahn schreitet fort und unendlich viele Leben sind bedroht.
Betritt man das Gelände der Geretteten, spürt man etwas von dieser Situation. Schnell vergisst man den fürchterlichen Lärm durch die sechsspurige Autobahn, die über dem Gelände entlang läuft. Schnell ist man gefangen von der Ausstrahlung dieses Ortes. Es scheint wie eine Oase der Harmonie zu sein. Ich habe bei diesem und keiner meiner anderen Besuche dort je gesehen, dass Katzen miteinander Streit gehabt hätten.
 

 
Irgendwie scheint sie alle dieser Ort zu verzaubern. Als wüssten alle, dass dieser Ort sooo vielen geretteten Katzen Obdach bietet.
Alles auf dem Gelände ist mit sehr viel Liebe gemacht und es mangelt an nichts. Klar, natürlich an Platz. Denn statt der geplanten 100 Katzen sind es nun seit langem ca. 240 Katzen. 240 gerettete Leben…. Da sich alle gut verstehen, klappt es aber gut. Und für alle gibt es Höhlen, Kratzmöglichkeiten, Spielangebote, Kuschelplätze und zu essen.
  
 
  

Und dann könnte man schnell wieder gehen und nur diese positiven Eindrücke mitnehmen. Aber das ist nicht unser Ziel, denn wir wollen sehen und hören…
Während ich mit der Kamera ganz für mich allein durch das Gelände gehe, sehe ich auch die kranken Katzen. Die, die tierärztliche Hilfe bräuchten, aber für die das Geld einfach nicht reicht.
 
  
 

 
Ich sehe die fast leeren Futtervorräte und frage mich, wie lange die paar Säcke für 240 Katzen reichen sollen. Ich gehe zu den kleinen Häuschen, in denen immer ca. 4 kranke Katzen Platz finden. Die Einen sind auf dem Weg der Besserung, die Anderen sind sehr, sehr krank.

Was dringend gebraucht wird, ist ein Haus, in dem mehrere kranke Katzen ein Obdach finden. Also von den Anderen separiert werden können und so in ihren Boxen Medikamente und Pflege erhalten, um zu gesunden und später wieder zur Gruppe zurück zu können. Oder auch für die neuen Katzen, die sich dort erst mal nach der Aufnahme von ihrer Kastration erholen können.
 
  
 
Der Bau dieses Hauses war das Ziel unserer Reise.
Erstmal wurde das Material aus dem Auto geladen und ins Gelände gebracht.
 
  

Während wir mit dem Bau des Holzhauses dort zwei Tage verbringen, geht es einem Kater im Separationsbereich immer schlechter. Er sitzt separiert in einer der von uns gebrachten Gitterboxen der letzten Fahrt. Er hält den Kopf schief, wirkt apathisch. Im Laufe der Zeit sehe ich immer wieder die Tierschützerinnen bei ihm, sie diskutieren, schauen bekümmert. Irgendwann kommt eine Helferin mit einer Box und holt ihn ab. Alle verabschieden sich von ihm und man merkt die Trauer, als er ins Auto gebracht wird, um in der nächsten Tierklinik erlöst zu werden. Auch mir kommen die Tränen… 240 Katzen… in einem Land, in dem das Leben eines Tieres nichts wert ist… Hier ist es das, hier sind Menschen, die jede dieser 240 Katzen kennen und an ihnen hängen…. Hier ist niemand eine Nummer, sondern es wird um jeden gekämpft und, wenn es so weit ist, wird sich angemessen verabschiedet…. Ich kann mich nur wiederholen, es ist ein wunderbarer Ort!
Während alle diese Sachen um uns herum passieren, Katzen versorgt und behandelt werden, spanische Helferinnen mit Notfällen kommen und gehen, bauen wir das Holzhaus für die vielen Kranken.
 

 
Wir hämmern, sägen und irgendwie macht es riesig Spaß an diesem Ort an einer guten Sache mitwirken zu dürfen. 
 
  
 
Während wir bauen und sägen, sitzen etliche Katzen ganz nah bei uns und gucken, was da so passiert. Sie wirken als würden sie fernsehen! :-)
 
  

Leider werden wir nicht so fertig, wie wir geplant haben, aber die meiste Arbeit ist geschafft, das Konzept klar und zwei fleißige Helfer sagen, sie werden es dann die nächste Zeit fertig bauen. Schade, dass es nicht ganz fertig wurde, aber wie immer ging viel schief! Der Generator, den wir für den Strom brauchten, war kaputt und viele Dinge wie diese mussten gelöst werden und fraßen Zeit!
 
  
 
  
 
In diesen Tagen haben wir auch Carmen, die Projektleiterin des AVE-Geländes, Zuhause besucht. Sie hat im Moment schrecklich viele Katzennotfälle bei sich zuhause. Ich habe versprochen, mit zu ihr zu fahren, um einige Katzen zu fotografieren, damit sie sie auf Homepages vorstellen kann. Während dieses Besuches erzählt sie, wie viel sie monatlich an Tierarztrechnungen haben und dass sie wie immer absolut im Rückstand sind. Wie immer schlucke ich schwer und wünsche mir einen fetten Lottogewinn….
Als wir uns nach zwei Tagen von den SOS Gats-Helfern verabschieden, sind wir wirklich sehr glücklich, dass wir hier so viel Zeit verbringen und wirklich ein kleines bisschen helfen konnten! 
 

 
Ein weiterer Tag war für die Hunde geplant, die auf das große Glück warten.
Früh morgens starteten wir zu der Perrera Sir Can. Dort warten die, die sich in der Regel schon aufgeben. Sie alle wurden entsorgt, von Menschen, denen es egal ist, ob sie leben oder sterben. Viele haben Angst, viele haben sich aufgegeben, manche gucken hoffnungsvoll, andere flehentlich, andere versuchen Aufmerksamkeit durch vermeintliche Fröhlichkeit zu erhaschen.
 
 
In der Perrera Sir Can
Wie immer führte uns unser Weg auch wieder in eine der Perreras bei Barcelona. Wie immer war es unsere Aufgabe, möglichst viele Tiere zu fotografieren und zu filmen. 
 
    
 
Eigentlich ein Ablauf wie bei jeder Fahrt, und eigentlich sollte ich es schon kennen und irgendwie emotional besser darauf vorbereitet sein. Aber dem ist nicht so. Irgendwie geht es mir jedes Mal so wie beim ersten Mal. Was soll ich Neues schreiben? 
 
  
 
Dass es schwer fällt, diesen Ort zu betreten?
Dass man soo gerne alle mitnehmen und an einen besseren Ort bringen würde?
Dass viele Hunde sich bereits aufgegeben haben, man ihren Blick nicht mehr erreichen kann?
Dass es die gibt, die versuchen um jeden Preis Aufmerksamkeit zu erreichen?
Dass ich wie immer nicht und nichts verstehen kann, mir diese Welt so schlichtweg daneben vorkommt? 
Da ist Parna, die seit Welpenalter darauf wartet, hier raus zu kommen.
Das Hundekind Poldi, das unsicher und überfordert von diesem Ort erscheint.
Pinscher Pink, der bisher nur Schlechtes von uns Menschen kennt und in dessen Kopf es kein Bild von einer besseren Welt gibt...
Nuska, die als Zuchthündin wertlos wurde …
Payaso, der sich mit seiner Fröhlichkeit versucht durch diese Situation zu retten….
Und die vielen Hunde, die der Verein www.tiere-in-spanien.de   übernommen hat und die ich für deren Homepage knipse und filme…. Bitte, schauen Sie auch auf die Seite dieses Vereins. Viele dieser Hunde durften wir ein klein wenig näher kennen lernen. Sie alle haben es verdient dort raus zu kommen…. 
 
  
Parna (links), Poldi (rechts)
 

Nuska
 
  
Pink (links), Payaso (rechts)

Wie immer verschanze ich mich hinter meiner Kamera und einer höflichen Fassade, während Mitarbeiter die Hunde raus holen und ich sie dadurch filmen kann….. Es ist das einzige, was ich im Moment tun kann, was das Ticket nach draußen sein könnte, und es ist mir wie immer so unendlich peinlich, nicht mehr tun zu können. Und wie immer versuche ich, den vielen Hundeblicken etwas auszuweichen… Ich schäme mich an diesem Ort immer aus tiefsten Herzen für uns „Menschen“.
 
 
Wie jedes Mal gehen wir in die Wellblechhütte, wo die Katzen untergebracht sind.
Schon am Eingang hält mich jemand fest, es ist eine dreifarbige Glückskatze, die ihr Pfötchen durch die Gitterstäbe reckt. Glück hatte sie scheinbar bisher nicht, sonst wäre sie nicht hier. Ich darf ihren kleinen dreckigen Gitterkäfig, in dem kein Kissen, keine Kratzmöglichkeit und nichts zum Verstecken ist, öffnen und sofort ist sie da. Mireia krallt sich an mir fest wie ein kleines Baby und mir wird fast schwindlig von dieser Herzlichkeit, die mir von einem Tier an einem solchen Ort entgegen gebracht wird….
  
Wir sehen die anderen Katzen. Drei kleine schwarze Katzenkinder haben entsetzliche Angst. Man sieht, wie gerne sie sich in dem Gitterkäfig in Luft auflösen würden.
 

Drei Katzenkinder mit vier Monaten...sie kennen nur das...

Dann ist da ein rot-weisser Kater, der herzzerreißend maunzt und sich ans Gitter drückt….
 

Kater Chris
 
Diese Katzen haben Glück, sie dürfen den Ort verlassen und uns nach Deutschland begleiten. Die Anderen sind noch nicht reisefertig oder sind wild. Es sind nur wenige Glückliche, denen ich an diesem Vormittag in die Augen sehen kann….
 
  
 

 
 
Besuch bei Animales sense Sostre
Rosa Castaner, einer sehr engagierte spanische Tierschützerin, hat verschiedene Gelände, wo sie Hunde unterbringt, die bei ihr abgegeben oder ausgesetzt wurden. Sie hat sich für verschiedene Stadtteile Barcelonas zuständig erklärt, die Hunde aufzunehmen, die abgegeben oder ausgesetzt werden. Manche Gemeinden zahlen dann eine geringe Pauschale für die Aufnahme eines Hundes, aber es reicht nie... Davon alleine würde kein Hund satt oder könnte tierärztlich behandelt werden.

Das Gelände ist großzügig angelegt, es hat verschiedene Gehege, in denen sich die Hunde gut bewegen können. Viel, viel besser als die Zwingeranlagen, die ich so kenne, aber dadurch auch schwerer desinfizierbar. Alles hat eben seine Vor- und Nachteile.
 
 

Andreas und ich sehen überwiegend große Hunde. Sie alle kommen uns freundlich entgegen. Meine kleine Hündin, die etwas gestresst auf die vielen großen Hunde reagiert, spürt auch schnell, dass hier keine Gefahr droht und entspannt sich. 
 
  
Xaloc, ein absolut freundlicher Rüde

Mit einer engagierten Helferin, Manuela, darf ich die Gehege betreten. Sofort wuseln alle Hunde um uns herum und versuchen Aufmerksamkeit zu erhaschen. Der Eine, indem er still dasitzt und versucht unseren Blicke einzufangen, der Andere, indem er hin und her wuselt und zeigt wie schnell er sein kann, Andere springen hoch und wieder Andere versuchen die Konkurrenz abzudrängen. ;-)
 

Manuela stellt uns verschiedene Hunde vor und wir dürfen mehr über ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten erfahren. Jeder für sich ist so anders, jeder für sich so ein Schatz, jeder für sich so wunderbar... Wer wollte alle diese Hunde nicht mehr haben???
Es sind so tolle Hunde, aber es sind auch so viele Hunde. Bei dem Gedanken, wie schwer es ist für sie alle ein Zuhause zu finden, wird mir innerlich ganz eng...



Ich frage Manuela, wie gut sie Hunde vermitteln können. Sie erzählt mir von ihren Kontakten zu verschiedenen deutschen Organisationen, die ihr helfen Hunde zu vermitteln, und sie versuchen natürlich Hunde in Spanien zu vermitteln. Immer mal wieder melden sich gute Familien und die Hunde müssen somit nicht reisen. Um Hunde auch in Spanien vermitteln zu können und vor allem auf die Situation der Hunde aufmerksam zu machen und ein entsprechendes Bewusstsein bei der Bevölkerung zu schaffen, stecken sie viel Zeit in Werbung. Die Autos der Helferinnen sind mit dem Logo beschriftet und sie haben eine sehr gute spanische Homepage.

Wir versprechen ebenfalls für einige Hunde ein Zuhause zu suchen und beginnen die Hunde, die noch nirgends vorgestellt sind, zu fotografieren und Videos zu machen. Während ich die Hunde halte und mit ihnen spreche, knipst Andreas. Und bei jedem Hund schlägt mein Herz höher und ... Andreas sieht meinen Blick und erinnert mich seufzend, dass wir einfach in Moment keinen weiteren Pflegehund mehr aufnehmen können....
ABER wir werden auf diesem Wege ein Zuhause für diese wunderbaren Gefährten suchen, das versprechen wir fest!
 
  
Mikie (links), Xaloc (rechts)
 
    
Eric (links), Fum (rechts)
 
Als wir zum Ausgang gehen, sehen wir in einem Teil des Geländes eine große Menge an Wasserkanistern. Wir fragen nach den vielen Kanistern und erfahren, dass es auf dem ganzen Gelände keinen Wasseranschluss gibt und das Trinkwasser und alles was man zum Putzen braucht von den Helfern jeden Tag gebracht werden muss!!!! Wahnsinn..... So viele Hunde und dann auch noch die zusätzliche Belastung, jeden Tag das Wasser anschleppen zu müssen....
 
 
Besuch in "Casa de la Gatos", dem Katzenhaus des Vereins El Jardinet
Als wir ankommen, sind viele der spanischen Helferinnen versammelt. Wie immer folgt erst mal eine sehr herzliche Begrüßung, wir alle freuen uns über das Wiedersehen. Wir arbeiten im Alltag sooo eng miteinander, aber alles ist immer per E-Mail oder Telefon. Sich dann mal wieder zu umarmen und vor allem zu sehen, wie es der Anderen geht, tut total gut.
Das Katzenhaus, das der Verein Anfang dieses Jahres bezogen hat, ist noch viel wunderbarer geworden. Es wurden tolle Strukturen geschaffen. Gleich am Eingang hängt ein Kalender und es liegt ein Notizbuch bereit, so dass die Absprachen und Infoübermittlungen unter den Kolleginnen gut funktionieren.
Mit Hilfe der von uns gebrachten Gitterboxen der letzten Fahrten wurde ein toller Quarantäneraum geschaffen. 
 
  

Hier lernen wir die vierbeinigen Neuankömmlinge kennen. Eine Katze schnupft sehr, sie war am Tag vorher aus einem Tötungslager befreit worden. Eine Andere wurde gefunden, als sie laut maunzend und orientierungslos Futter hatte versucht zu finden. Ein anderer wurde ebenfalls gefunden, blind irrte er umher und war natürlich in großer Gefahr überfahren zu werden. 
 
  
 
Und viele mehr, die hier ein Dach über dem Kopf, Futter und medizinische Behandlung benötigen. Haben sie sich stabilisiert und erste Impfungen erhalten, dürfen sie bald in die verschiedenen Katzengruppenzimmer. Dort erscheint dann ihr Foto und ihre persönlichen Angaben auf der Pinnwand des Gruppenzimmers, so dass man immer weiß, wer in welcher Gruppe wohnt.
 

 
Wir gehen durch alle Räume, knipsen und filmen.
 

 
Es war Wahnsinn, wie sauber es in dem Katzenhaus ist, und dies bei fast 80 Samtpfoten!!!! Und alles ist sehr liebevoll eingerichtet. Die Helferinnen kennen jede Katze beim Namen und wissen etwas zu ihrer Geschichte zu erzählen. 
 

 
80 Katzen hört sich schrecklich viel an. Aber das Haus ist sehr, sehr goss und geht man in die Räume, haben alle Katzen sehr gut Platz und ausreichend Rückzugsmöglichkeiten.
 

Am Abend sitzen wir im Garten des Katzenhauses zusammen, essen Pizza und erfahren von den Kolleginnen, was im Moment alles ansteht und welche Neuigkeiten es gibt.
Sie erzählen von ihren Schwierigkeiten, Katzen aus schrecklichen Verhältnissen raus holen zu können. Dass dies oft nicht möglich ist und die Mühlen der Ämter in manchen Fällen so langsam mahlen. Wie gerne sie mehr Katzen helfen würden, aber die Aufnahmekapazitäten sind bei 80 Katzen absolut erschöpft.
 
  
 
Es war ein wunderbarer Besuch bei den „Katzenfrauen“ und wir haben wieder viel gelernt... Oft teilen wir am Telefon oder per E-Mail die Momente, in denen kein Lachen da ist, wenn es schwierig wird, wenn etwas nicht klappt, wenn es einem Tier nicht gut geht... An diesem Abend lachten wir viel zusammen und diese Stunden waren unendlich viel wert und es gibt sie viel zu selten…
 
 
Unsere Besuche in der Hunde- Auffangstation
An zwei Tagen fahren wir in die Auffangstation, wo die Hunde untergebracht werden, die wir aus dem Tötungslager Pamplona retten können. Mit ein paar weiteren Vereinen mieten wir dort Zwinger und haben gemeinsam jemand angestellt, der die tägliche Versorgung der vielen Hunde stemmt.
In der Regel läuft es so, dass wir Bescheid bekommen, wenn im Tötungslager Pamplona mal wieder alles voll ist und sie vor haben, alle Hunde zu töten. Dann fährt eine spanische Kollegin los und holt so viele Hunde wie möglich raus. Wir alle wissen vorher nichts über die Hunde. Nicht ob sie alt und krank sind, nicht ob sie eine Hüftdysplasie haben, nicht ob sie Menschen mögen, verträglich sind, wir kennen keine Fellfarbe, haben vorher keine Fotos gesehen. So viele Hunde als möglich werden dann raus geholt. Ich muss Ihnen aber auch sagen, dass nicht alle gerettet werden. Insgesamt schaffen wir es, mit der Zusammenarbeit mit einigen anderen Vereinen, ungefähr ein Viertel der Hunde rechtzeitig raus holen zu können. Wir freuen uns über Jeden, der es geschafft hat, gleichzeitig wissen wir bei jeder Ankunft der Geretteten in der Auffangstation, dass viele andere ihr Leben verloren haben..... Freude, Glück, Trauer und Verzweiflung sind im Tierschutz oft die gleichzeitigen Begleiter bei allem was man tut...
Viele Hunde waren wenige Tage vorher gerettet worden. Sie alle sollten nun fotografiert und gefilmt werden, damit die Infos per E-Mail an die zusammen arbeitenden Vereine gehen können, so dass jeder Hund einen für ihn zuständigen Verein erhält.
 
 
Jenny (links), Samson (rechts)
 
Also machten wir uns daran ca. 30 Hunde aus den Zwingern zu holen und zu knipsen. Die Knirpse aus den Zwingern zu holen ist gar nicht so leicht. Denn es wollen dann immer ALLE raus und sie sind echt schnell! :-) Während Andreas sich mit jedem einzelnen Hund beschäftigt, fotografiere und filme ich.
 
  
Lara (links), Chess (rechts)
 
Während ich mich da hinter der Kamera verschanze, bin ich wieder beeindruckt von der Persönlichkeit jedes einzelnen Hundes.
 
    
Nicoletta (links), Sinja (rechts)
 
Und wenn man bedenkt, dass sie bis vor wenigen Tagen in einem schrecklichen Tötungslager waren, beschämt es mich mal wieder, wie freundlich sie uns Menschen begegnen.
 
  
Mino bekommt freie Sicht!

Und so viele schleichen sich in Sekunden ganz fest in das Herz... Chess, der abgemagerte Rüde, dem es nicht so gut geht.... Samson, der fröhliche Gos d`Atura, der die Menschen einfach absolut liebt.... Lara, die versucht zu vertrauen, der es aber so schwer fällt.... Paulette, die so gerne den Zwinger verlassen und sooo gerne mal richtig flitzen würde.... Jenny, die sich riesig über die Zuwendung freut... Anisha, deren Selbstwertgefühl so wenig Raum einnimmt, dass sie nicht mal wagt sich aufrecht hinzustellen.... Sinja, die schwarze Schönheit, die einfach ein Traum ist... Nicoletta, die mit der Zwingersituation sehr überfordert ist.... Mino, der so gerne richtig rumrasen würde und dank der neuen Frisur endlich wieder richtig gucken kann.... Danni, dem die Menschen im Moment verständlicherweise nicht mehr ganz geheuer sind... (Alle dieser Hunde, die noch kein Zuhause ist Aussicht haben, finden Sie hier verlinkt.)
 
  
Namid (links), Anisha rechts)
 
...und viele mehr. Sie alle stehen für das, was wir Menschen tun, wie wir mit uns und unserem Mitgeschöpfen umgehen, wie wenig Verantwortungsbewusstsein wir zeigen und wie dumm wir Menschen sind!
 
  
Danni (links), Phillipo (rechts)
 
So viele Hunde, die alles verloren haben, so viele dumme Menschen, die keine Verantwortung übernommen haben....

Die Zeit vergeht wie im Fluge und es war wunderbar, unsere neuen Schützlinge ein klein wenig kennen lernen zu dürfen. Im Geiste schreibe ich bereits den Text für jeden Einzelnen und überlege mir, wie dessen künftige Familie aussehen könnte….
 
 

Ein Urlaubstag in Sitges...
Einen Tag wollten wir uns erholen, Strand, Sonne und gutes Essen genießen. Während wir am Strand entlang schlenderten, dachte ich an ein Gespräch mit einer Tierschutzkollegin. Eine Arbeitskollegin hatte zu ihr gesagt, dass sie gar nicht verstehe, dass wir ständig von den vielen Katzen in Not  in Barcelona sprechen würden, sie hätte bei ihrem Urlaub keine einzige gesehen. A-ha!
Während wir so am Strand lang laufen und an einigen Klippen vorbei kommen, sehen wir einige Katzen und zwischen den Felsen etwas versteckt die Futterstellen. Vier Katzen..... Die eine hat ein sehr aufgeschwollenes Gesicht. Ein Kater, dem der Eiter aus dem Maul läuft. Als ich mich nähern möchte, düsen sie ab. Dann kommt eine Katze mit einem getrübten Auge heraus, sie ist hochträchtig. Eine weitere Kätzin zeigt sich.

 

  


Wir beobachten die Katzen... Hier wird so deutlich, wie hart das Leben draußen für sie alle ist. Sind sie jung und gesund, mag die Freiheit ihre wunderbaren Seiten haben. Aber wenn sie älter werden und so manche medizinische Hilfe bräuchten, dann sind sie ihrer Situation gnadenlos ausgeliefert....

 

  

 

Als wir gehen wollen, kommt eine Frau. Die vier Katzen sausen ihr sofort entgegen, streichen ihr um die Beine und sie beginnt die Futterstellen aufzufüllen. Ich spreche die Frau an, sie ist eine Deutsche, die in Spanien lebt. Sie erzählt mir von den vielen Strassenkatzen in Sitges. Sie gehört einem örtlichen Tierschutzverein an, der sich bemüht die Gelder aufzutreiben, um die vielen Katzen kastrieren zu lassen. Sie berichtet, dass die vier Katzen, die um uns herum sitzen, sehr alt seien. Die letzten Übrigen einer sehr alten Katzenkolonie am Strand. Wir übergeben ihr ein klein wenig Geld, um ihre wertvolle Arbeit zu
unterstützen und gehen weiter... wie immer mit dem Gefühl, dass wir nicht so viel helfen können wie wir gerne würden...


  


Als wir weiter gehen, sehen wir in einem Park hinter einem Kino eine weitere Katzenkolonie. Diese besteht aus sehr vielen Katzen. Manche sind zutraulich und holen sich in der Warteschlange vor der Kinokasse bei den Menschen Streicheleinheiten ab. Sie alle wirken sehr gepflegt und an der Kennzeichnung an den Ohren - einer kleinen eingeschnittenen Stelle - sieht man, dass sie alle kastriert sind. Hier scheint jemand sehr viel Geld und Mühe in diese Kolonie zu stecken. Ich habe wirklich viele Kolonien gesehen, aber diese hier wirkt ausnehmend gut gepflegt und die Katzen strömen eine wunderbare Ruhe und Gelassenheit aus. Anders als die Katzen, die draußen den ständigen Angriffen tierfeindlicher Menschen und absichtlich dazu angewiesenen katzenjagenden Hunden ausgesetzt sind....

 

  


Als wir am Abend Sitges verlassen, denke ich an diesen wunderbaren Urlaubsort, der mir bei den Spanienreisen immer ein paar Stunden Erholung schenkt. So gerne würde ich etwas von diesem Gefühl zurück geben und dafür etwas helfen.... Aber wie? Wir sind ohnehin so völlig überlastet in unseren Projekten.... 

 
Es geht nach Hause...
Am letzten Tag laden wir noch die restlichen Spenden für die verschiedenen Auffangstationen aus. Dann geht es ans Packen. Alles wird eingeordnet und sieben Hundeboxen werden aufgebaut. Denn sieben Hunde dürfen mit auf die Reise nach Deutschland.... Es geht für sie endlich nach Hause!!!!
Kurz darauf kommen die Katzenschützerinnen und bringen ihre Schützlinge, die ebenfalls in Deutschland erwartet werden.
Alle bekommen Trinkbecher in die Boxen, die internationalen Impfausweise werden übergeben, dann werden die Boxen vorsichtig ins Auto gestellt, fest verzurrt. Nach einem letzten Blick, ob es allen gut geht, verabschieden wir uns wie immer schweren Herzens von den Kolleginnen in Spanien, steigen in unseren Bus und fahren los.....
 
  
 
Wir bedanken uns bei den spanischen Kolleginnen zum einen wie immer für die viele Zeit, die sie uns schenkten, für das viele Beantworten all´ unserer Fragen, für die tolle Unterbringung in einem kleinen Ferienhaus, für die vielen Einladungen, bei denen wir so köstlich bewirtet wurden und zum anderen für diese wunderbare Arbeit, die sie leisten und zu der wir einen kleinen Teil beitragen dürfen!
DANKE!

Tina Hamp und Andreas Seufert
Oktober 2009


Side Column