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Bericht Spanienreise Januar 2010
Wieder eine Reise nach Barcelona ...
Liebe LeserInnen,
im Folgenden berichten wir Ihnen von unserer Spanienfahrt im Januar 2010. Wir, Claudia Guttengeber, Jana Specht und ich - Tina Hamp - möchten dies gemeinsam tun, Ihnen von unseren Erlebnissen erzählen und damit dazu beitragen, dass wir dort mit vielen Menschen gemeinsam mehr helfen können. Sie erkennen die verschiedenen Autorinnen anhand der Farben! :-) Claudia rot, Jana lila und ich (Tina) grün! :-)
Im Vorfeld gab es einen Spendenaufruf auf unserer Homepage, in dem wir um Sachspenden für unsere Kolleginnen baten. Viele Tierfreunde schickten uns alles, was das Herz eines Vierbeiners so alles begehren könnte, und wir waren wieder mal überwältigt von der großen Hilfsbereitschaft.
Einen Tag vor Abfahrt wurde dann der Transporter mit den Spenden beladen und morgens gegen 5 Uhr sollte es dann losgehen! Jana und ich machten uns auf den Weg nach Barcelona, Claudia kam zwei Tage später mit dem Flugzeug nach.
Im Folgenden berichten wir Ihnen von den verschiedenen Stationen, die wir während unseres viertägigen Aufenthaltes anfuhren.
Besuch bei Swaantje von GATS URBANS
Wir treffen uns mit Swaantje vom Verein Gats Urbans. Der Verein hat sehr viele Katzen in Pflege. Viele der Katzen kommen von dem Berg Montjuic, viele Menschen nennen ihn sarkastisch das größte Tierheim. Denn viele, die ihre Katze nicht mehr haben wollen, setzen sie dort einfach aus. In der Annahme, dass das Leben draußen zwischen den anderen Katzen doch nicht schlecht sei.
Aber die ausgesetzten Katzen sind orientierungslos, haben völlig den Boden verloren und finden sich nicht zurecht. Vor allem werden sie, die mit den harten Bedingungen draußen vorher nicht konfrontiert wurden, sehr schnell krank.
Leider kommen auch "Menschen" auf den Berg, die die Katzen dort benutzen um sie zu quälen. Ich mag und kann darüber gar nicht mehr schreiben....
Der Verein Gats Urbans bemüht sich, diese vielen Katzen zu versorgen. Futterstellen sind eingerichtet und die Helferinnen, die kein Auto haben, erklimmen jeden Tag den Berg zu Fuß, beladen mit vielen Kilos Futter. Und sie tun das, was so unendlich wichtig ist: sie lassen die Katzen kastrieren. Die Stadt Barcelona gibt ihnen für die Kastration wild lebender Katzen einen Pauschalbetrag dazu. Manchmal reicht es für eine Katze, manchmal bleiben ein paar Euro übrig und oft reicht es hinten und vorne nicht. Nämlich dann, wenn man es richtig machen will, nämlich auch die Zähne zu sanieren, wenn man wie so oft verfaulte Stummel findet, die der Katze sicher schon sehr lange Schmerzen bereiten. Dann legt der Verein die finanzielle Differenz drauf.

Entzündete Augen.... Bei dem schwarzen Katzenkind wird versucht das Auge noch zu retten...
Nicht finanziert bekommen sie alle ihre Behandlungen mit Antibiotika, die vielen Operationen verletzter Tiere und so vieles mehr....
Katzen die so krank sind, dass sie nicht mehr draußen bleiben können, nehmen sie auf, päppeln sie wieder hoch, was oft Monate dauert. Sie anschließend wieder zurück auf den Berg zu schaffen, das bringt niemand übers Herz. Deswegen wird für diese Katzen dann ein Zuhause gesucht.
Und auch für die vielen anderen, die bei dem Verein einfach abgegeben werden.

Marlon hat ein verkrüppeltes Ohr, das regelmäßig gereinigt werden muss.
Damit ist ein Leben draußen ausgeschlossen!
Wir lernen viele Katzen bei dem Verein kennen, hören ihre unglaublichen Geschichten, hören von ihrer Chancenlosigkeit in Spanien, sehen ihre Gesichter und verspüren den brennenden Wunsch zu helfen....
Wir treffen Carmen auf dem AVE-Gelände - Verein SOS Gats
Wie bei jeder Reise besuchen wir auch dieses Mal wieder das AVE-Gelände. Das Gelände, das ich seit Jahren sooo sehr liebe. Ich betrete den Ort und habe wie immer das Gefühl, am einzig richtigen Ort auf dieser Erde zu sein.... Jedes Mal wieder spüre ich diese magische Ausstrahlung.
Aber da ich bereits sehr oft hier war, überlasse ich das Erzählen nun Jana...
Ich war auf das AVE-Gelände schon unheimlich gespannt. Hatte ich doch schon so oft in Tinas früheren Spanienberichten davon gelesen und bei den anschließend stattfindenden Vorträgen davon gehört. Auch war ich deshalb gespannt, weil meine beiden Pflegemiezen Ruben und Ika im AVE-Gelände Zuflucht gefunden hatten. Nun konnte ich ihre Heimat kennen lernen.
Ich wusste, dass sich das Gelände direkt unter acht vierspurigen Autobahnen befand. Doch war der Lärm des Feierabendverkehrs unglaublich und wenn ich mir vorstelle, dass diese Katzen dem immer ausgesetzt sind, wird mir ganz anders. Doch als ich im Gelände stehe, ist der Lärm schnell vergessen. Ein zuckersüßes Begrüßungskomitee heißt uns mit neugierigen Blicken am Tor willkommen.

Unser kätzisches Begrüßungskomitee :-)
Ich bin sofort von diesem Ort fasziniert! Egal wo man hinschaut, spürt und sieht man die liebevolle Hingabe und Hilfsbereitschaft für die Katzen. Alles war sauber und viel wurde für die gut 240 Katzen angeboten. Neben dem Grundbedarf wie Katzentoiletten, Wassernapf und Futterschüssel fanden sich auch viele, viele Unterschlupf- und Versteckmöglichkeiten, Spielzeug und sogar Katzengras.

Alles ist liebevoll hergerichtet und wird so gern angenommen
Carmen, die Leiterin des Projekts, führt mich durch das Gelände und zeigt mir die Holzhütte, die Tina und Andreas im Oktober letzten Jahres zusammen mit den AVE-Helfern gebaut hatten. Die Hütte ist mit viel Streu ausgelegt und Carmen erzählt mir, dass die Katzen es einfach lieben, durch das Heu zu jagen, sich darin zu wärmen und sich dadurch auch vor dem harten Winter schützen. Als wir die Türe öffnen, kommen uns auch gleich einige ertappte Miezen entgegen. :-) Wie man auf dem Bild sehen kann, haben die AVE-Helfer das Haus noch nachträglich angestrichen. In der Farbe Blau... wie die Hoffnung.

Ein sicherer Unterschlupf in diesen kalten Tagen
Sie führt mich weiter herum und Yolanda ist stets an unserer Seite, um zu übersetzen. Nun kommen wir zu einer kleinen Plastikgartenhütte. Dort zeigt mir Carmen voller Stolz die vielen gespendeten Quarantäneboxen. Hier sind alle kranken Katzen untergebracht. Lange Zeit war dies für AVE ein massives Problem. Sie hatten keinerlei Möglichkeiten, ihre kranken Katzen zu separieren und so optimal behandeln zu können bzw. vor Ansteckung zu schützen. Doch dank der vielen gespendeten Quarantäneboxen kann nun jede Katze isoliert und optimal versorgt werden.

Zwei kranke Miezen in den gespendeten Krankenstations-Boxen

Als wir weitergehen, werden wir stets von neugierigen Samtpfoten begleitet und beobachtet. Es scheint keinen Streit, keinen Zwist unter den vielen Katzen zu geben... In diesem Ort liegt sehr viel Harmonie, Ruhe und, was für die Katzen wohl am wichtigsten ist, Frieden. Ich kann Tinas Worte nur bestätigen: Dieser Ort versprüht eine einzigartige Magie.

Beobachter, denen das Abendprogramm sichtlich gefällt :-)
Carmen führt mich weiter zu einer Separationsstation. Dies ist ein kleines Gehege, welches an dem Großen, von dem wir gerade kamen, mit angeschlossen ist. Yolanda übersetzt, dass hier erst einmal die "Neulinge" unterkommen. Sie müssen erst kastriert werden und können sich somit auch in aller Ruhe an ihre neue Umgebung und ihre neuen Artgenossen gewöhnen. Auch hier finde ich viel Liebe zum Detail. Hier werden jedoch nur neue Katzen aufgenommen, wenn einige Katzen aus dem großen Gehege in ein neues Zuhause vermittelt werden konnten oder in einer Pflegefamilie untergekommen sind. Mit 240 Katzen ist das Gehege mehr als gut besucht und für die wenigen freiwilligen Helfer sollte das Versorgen auch noch machbar sein.

Yolanda, Carmen und meine Wenigkeit im Separationsgehege
Nun werde ich zu einem weiteren separaten Gehege geführt. Hier erlebe ich eine äußerst nette Überraschung. Carmen erzählt mir, dass hier Kätzin Ray lebt, die Schwester meines Pflegekaters Ruben. Sofort versuche ich Ray zu fotografieren in der Hoffnung, schönere Bilder für die Präsentation machen zu können. Doch es ist einfach zu dunkel und Ray scheint keine Lust zu haben. ;-)

Schönheit Ray
Wie auch in den übrigen Gehegen ist es hier sehr sauber und den Katzen mangelt es an nichts. Sie können sich sogar in eine Plastikgartenhütte zurückziehen. Diese wird sich jedoch im Sommer unbarmherzig aufheizen...

Sicher und warm in der Gartenhütte
Das AVE-Gelände ist in jeder Hinsicht einzigartig. Hatten wir letztes Jahr noch große Angst um den Erhalt dieses wunderbaren Projektes, so kann ich nur allen HelferInnen und SpenderInnen herzlich danken das AVE-Gelände gerettet zu haben! Dieser Ort ist für dieses Land ein Meilenstein und endlich der richtige Weg in die richtige Richtung!
Besuch im Katzenhaus in Barcelona - Verein Barcelona Gats i Gots
Am Abend ging es dann weiter in das Katzenhaus des Vereins Gats i Gots. Auch hier kann ich nur Positives berichten. Als wir den Eingangsbereich betreten, entdecke ich an der Wand eine riesige Tafel mit Katzenbildern und dazu jeweilige Informationen. Tina erklärt mir, dass es sich hierbei um alle Katzen handelt, die bereits ein eigenes Zuhause gefunden haben. Somit kann keine in Vergessenheit geraten. Zu allererst hingen diese Infoblätter in dem Katzenzimmer, in dem die Katzen untergekommen sind. Somit können sich die Helfer immer gegenseitig Notizen hinterlassen, wie z.B. besondere Auffälligkeiten oder charakterliche Entwicklungen etc.
Die Infoblätter
Wir werden in das erste Katzenzimmer geführt. Es ist sehr groß und bietet für die nicht zu große Katzengruppe viel Platz. Ich entdecke viele Ruhe- und Versteckmöglichkeiten und es ist alles sehr sauber und schön hergerichtet. Man bemerkt, dass sich die Helfer viel Mühe geben und es den Katzen an nichts mangeln soll.
Hier haben HelferInnen den Katzen ein Hochbett
zum Schlafen und Spielen zur Verfügung gestellt
Man bittet Tina und mich, Fotos und Videos von einigen Katzen zu machen, die noch bei keinem Verein vorgestellt sind oder bei denen die Bilder nicht optimal sind. Eine gute Präsentation mit entsprechenden Bildern sowie Videos vergrößert natürlich die Chance, dass die Katzen bald ein passendes Zuhause finden können.

Ein Bewohner des Katzenhauses
Und so wären wieder Kapazitäten frei, um Katzen aufzunehmen, die noch kein Dach über den Kopf haben. Also machen Tina und ich uns ans Werk. Wir fotografieren und filmen alle uns gezeigten Katzen. Bei mir drängelte sich plötzlich eine schwarze Mieze ins Bild und maunzt mich durch mein Objektiv an. Als ich die Kamera beiseite nehme, erkenne ich die Katze! Es ist Nita, meine erste "Vermittlungskatze", die wirklich sehr sehr lange auf ein schönes Zuhause gewartet hat. Freudig schmiegt sie sich an mich und ganz lieb streicht sie mir um die Beine. In diesem Kennenlern-Moment frage ich mich: `Warum hatte Nita bisher noch keine Chance erhalten? Warum musste sie schon so lange warten?

Nita wartete sehr lang auf ihr Zuhause
Sofort hatte mich diese sanfte Dame um ihre Pfoten gewickelt. Noch am Sonntag darauf erfahre ich, dass Nita endlich ein Zuhause ergattern konnte und es freut mich unheimlich. Auch dass ich ihre Bekanntschaft machen durfte.
Ich - bei der Arbeit in einem Katzenzimmer
Wir werden im Erdgeschoss noch in ein weiteres Zimmer geführt, in dem ebenfalls einige Miezen porträtiert werden müssen. Doch hier waren einige recht schüchterne Damen und Herren dabei und so wird es für mich eine Herausforderung, sie überhaupt vor die Linse zu bekommen. Doch brauchen sie unbedingt bessere Bilder, denn diese könnten ihr Ticket in ein eigenes Zuhause sein. Also heißt es improvisieren, tricksen und heranschleichen. :-)

Eine der schüchternen Damen
Auch in diesem Zimmer war alles sehr liebevoll für die Katzen hergerichtet. Mit einfachen Mitteln hat man schöne Versteck- und Kuschelmöglichkeiten geschaffen. Auch hier ist die Katzengruppe nicht zu groß, womit gewährleistet wird, dass sich nicht unkontrolliert Krankheiten verbreiten können und die Gruppe somit gut im Blick behalten werden kann. Nachdem wir hier unsere Fotosession beendet hatten, sollte es in den 1. Stock hoch gehen.
Auf der Treppe schaue ich mich noch einmal im Flur um und entdecke einen kleinen Schreibtisch, worauf ein kleiner Apothekenschrank steht. Darin sehe ich viele verschiedene homöopathische Arzneimittel. Auf dem Schreibtisch liegt ein Block, auf dem für jede gesundheitlich auffällige Katze Notizen hinterlassen werden. Als ich dies sehe, denke ich: WOW! Die Helfer haben hier eine super Möglichkeit gefunden, gesundheitliche Probleme bei den Katzen so optimal wie möglich zu dokumentieren. Da hier in dem Katzenhaus insgesamt ca. 15 freiwillige Helfer arbeiten, täglich abwechselnd 2-3 Personen, ist es absolut wichtig, sich gegenseitig über Auffälligkeiten abzusprechen und somit immer den Überblick zu behalten.
Wir werden durch weitere Zimmer geführt und langsam empfinde ich enormen Respekt vor der nicht wenigen Arbeit, die hier zu leisten ist. Denn die Zimmer müssen sauber gehalten und auch alle Katzen müssen täglich versorgt werden.
Für FIV und Leukose positiv getestete Katzen gibt es jeweils ein eigenes Zimmer. Diese Erkrankung ist leider für ihre Artgenossen ansteckend und so müssen sie separiert von den anderen gehalten werden. Leider haben sie sehr schlechte Chancen auf ein eigenes Zuhause. In Spanien ist eine Vermittlung aussichtslos. Ihre einzige Möglichkeit ist eine Familie in Deutschland zu finden. Doch wer möchte schon eine nicht 100% gesunde Katze? Dabei wünschen sich diese tollen Samtpfoten nichts mehr als reichlich von ihrer Liebe und kätzischen Magie in einem eigenen Zuhause versprühen zu dürfen...
Wir werden in einen weiteren Raum geführt. Wie wir erfahren ist dies die "Katzenhaus-Krankenstation".
Die Katzenhaus-Krankenstation
Hier kommen zuerst einmal alle Neulinge an und werden nicht gleich in die Katzengruppe gesetzt. Doch meist müssen sie vorab noch kastriert, die Zähne saniert und/oder gegen Krankheiten behandelt werden.

Eine Patientin der Krankenstation
Hier haben sie dann erstmal die Möglichkeit, sich von ihren letzten Strapazen zu erholen bzw. akklimatisieren und können zur Ruhe kommen.
Als wir dann auch im letzten Zimmer die letzte Mieze abgelichtet hatten, wurden wir in einen Raum, der Gemeinschaftsraum und Lager zugleich ist, geführt. Von den Helfern wurde ein großer Tisch voll mit leckeren vegetarischen Gerichten aufgestellt und ich erfahre von Tina, dass sich am Abend des THV-Besuchs immer noch mal alle bei einem gemütlichen Abendessen zusammensetzen und über die vergangenen, neusten und noch anstehenden Ereignisse und Themen gesprochen wird. Die Stimmung ist sehr ausgelassen und ich komme mit einer freiwilligen Helferin ins Gespräch.
Sie erzählt mir, dass sie zusammen mit ihren TierschutzkollegInnen nicht nur das Katzenhaus betreuen, sondern auch viele Katzenkolonien. Sie versuchen die Katzen auf der Straße zu kastrieren, füllen regelmäßig Futterstationen auf und fangen Katzen ein, die tierärztlich betreut werden müssen. Vom Staat erhalten sie dabei nur geringfügige finanzielle Hilfe und so geben sie auch einiges aus ihrer eigenen Tasche dazu. Auch erfahre ich, wie schwer der tägliche Kampf für mehr Tierschutzrechte in ihrem Land ist. Ihre Arbeit wird leider von ihren eigenen Landsleuten sehr missbilligt. Doch ans Aufgeben wollen sie nicht denken, denn so könnten sie gar nichts in ihrem Land zum Positiven verändern bzw. den richtigen Weg einschlagen.
Für mich war dieser Abend sehr erfahrungs- und lehrreich. Ich habe viele tolle und sehr engagierte Menschen kennen lernen dürfen!
Fahrt zur Perrera bei Barcelona
Am Donnerstag fuhren wir früh los. Denn wir haben uns um 10 Uhr mit Belinda von der Tötungsstation verabredet. Wir alle waren etwas nervös. Für Jana und mich war es der erste Besuch in der Tötung und wir hatten Angst davor, was uns erwarten würde. Im Bus hatten wir noch viel Zeit, uns einige Fragen zu überlegen, uns gegenseitig etwas Mut zuzusprechen. Wir kamen an dem vereinbarten Treffpunkt an. Belinda war noch nicht da, und so hatten wir noch etwas Zeit, uns gedanklich zu stärken. Wenige Minuten später traf Belinda am Treffpunkt ein und wir folgten ihr. Es regnete stark, und der Feldweg zur Tötungsstation war sehr matschig. Für unseren Bus an manchen Stellen eine Herausforderung.
Nach kurzer Fahrtzeit kamen wir an. Ich war sehr gespannt, was ich alles sehen würde. Werde ich vor den Zwingern in Tränen ausbrechen? Oder werde ich für die Tiere stark sein und mit aller Kraft versuchen ihnen zu helfen? Ich wusste es nicht, aber ich nahm mir vor stark zu sein. Wir stiegen aus, begrüßten Belinda und den Tierarzt der Perrera. Zogen uns wetterfest an und gingen zu den ersten Zwingern. Der Anblick des ersten Hundes ließ meine Hände schon zittern. Es war ein kleiner Mischlingsrüde, schon älter und sehr ängstlich. Vor Kälte zitterte er am ganzen Körper. Belinda ging in den Zwinger, griff herzlos in den Nacken und hob den kleinen Kerl aus dem Zwinger. Ich nahm ihn ihr sofort ab und versuchte ihm zu zeigen, dass er vor mir keine Angst haben müsse. Der alte Herr heisst Ricky, und während Tina versuchte, so viele Infos wie möglich über diesen Hund aus Belinda herauszuholen, machten Jana und ich uns sofort daran Fotos von dem kleinen Mann zu knipsen.

Der kleine Rüde Ricky
Nach getaner Arbeit mussten wir ihn leider wieder zurück in den Zwinger setzen. Dass sich das Schicksal des kleinen Ricky so schnell wenden wird, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Aber mehr dazu erfahren Sie später. Im nächsten Zwinger erwartet uns die Hündin Chica. Sehr freundlich und aufgeschlossen, aber leider ebenfalls zitternd vor Kälte. Wieder wurden Fotos gemacht, Informationen notiert und die wenigen Minuten genutzt, um der kleinen Hündin etwas Liebe und Kraft mitzugeben.
Belinda wollte uns nun zwei sehr große Rüden vorstellen, die wir eventuell auch in die Vermittlung nehmen könnten.

Carlo und Ruco wurden von ihrem Besitzer wieder in der Perrera abgeholt.
Auf dem Weg kam ich an einem Zwinger vorbei, darin war eine schwarze alte Dogge, die sehr antriebslos am Boden lag. Ich fragte nach, ob wir diesen Hund auch übernehmen dürfen. Ich wusste noch nichts von dem Rüden, aber ich wusste, dass er unbedingt bei der nächsten Fahrt mit muss. Sofern er die 4 Wochen noch überleben würde. Ich sicherte sofort zu, ihn in Pflege zu nehmen. Während wir noch Fotos von den zwei riesigen Rüden machten, waren meine Gedanken bei der Dogge. Als das Fotoshooting der zwei Riesen beendet war, ging ich zu der Dogge in den Zwinger. Belinda erzählte, dass er Hacker heisst, Leishmaniose hat und fast blind ist. Dass er schon sehr alt ist sahen wir selbst. Ich versuchte, auch Hacker etwas von meiner Energie abzugeben. Doch er schien absolut teilnahmslos. Fast als würde er seinen Tod herbei sehnen, um endlich dem kalten Zwinger entfliehen zu können. Ich streichelte ihn und flüsterte ihm zu, dass er viel Kraft haben soll. Nur wenige Wochen und ich würde ihm zeigen, wie schön das Leben auf Erden sein könne. Am liebsten hätte ich ihn einfach auf den Arm genommen und rausgetragen. Leider war er noch nicht fertig geimpft und durfte somit nicht mit auf die Reise. Zum Aufstehen konnten wir ihn nicht bewegen. Wer weiss, ob er in seinem Zustand seinen großen dürren Körper überhaupt selbst hätte aufrichten können.

Hacker - völlig abgemagert und teilnahmslos
Wir mussten leider auch diesen Hund im Zwinger zurück lassen und gingen weiter, um noch weitere Hunde zu fotografieren, damit sie bald ein tolles Zuhause finden um den kalten Zwinger in der Perrera für immer verlassen zu können.
Wir gehen weiter zu den Katzen. In die kleine Wellblechhütte, in der es genauso kalt wie draußen ist. Inzwischen wissen wir kaum mehr, wie wir fotografieren sollen, denn unsere Finger sind total eiskalt und steif. Aber niemand sagt etwas, denn wir können wieder gehen, die Tiere nicht...
Wir sehen die Katzen in ihren Käfigen, ohne ein Bettchen, ohne einen Unterschlupf. Um irgendwie ein bisschen das Gefühl der Geborgenheit zu bekommen, legen sie sich in ihre kleinen Katzentoiletten, eng aneinander gekuschelt.


Wir lernen Lulu, Momo und Ted kennen, von denen wir schon wissen, dass sie in wenigen Tagen diesen Ort verlassen dürfen um mit uns nach Deutschland zu reisen. Wir nehmen sie aus dem Käfig, auf den Arm und kontrollieren noch mal ihren Zustand.

Momo wird von den Besitzern der Perrera untersucht
Sie anschließend noch mal in diesen Käfig zu setzen, fällt sooo unendlich schwer...

Kätzin Lulu, die für ein paar Tage noch mal zurück in den Käfig muss
Aber sie sind ja noch die Glücklichen, die Gewinner, die reisen dürfen.
Da sind die vielen wilden Katzen, die hier bleiben müssen. Denn sie stammen aus Kolonien, die weg mussten. Jetzt werden Orte für neue Kolonien gesucht. Bis dahin bleiben sie hier, in den Käfigen, oft viele Monate. Wilde Katzen, ohne die Chance auf ein Versteck, ohne irgendwas was das Leben nur etwas erträglich machen würde.
Zwischen den wilden Katzen sitzt eine schwarze Kätzin, die einen zutraulichen Eindruck macht. Wir fragen nach ihr und dürfen sie aus dem Käfig nehmen.

Briski darf sofort mit uns mit
Sie maunzt wie verrückt und krallt sich völlig in meine Jacke. Da sie noch nicht geimpft wurde, ist klar, dass wir sie nicht nach Deutschland mitnehmen würden, denn damit würden wir gegen die Einreisebestimmungen verstoßen. Aber ich weiss, dass ich die Katze auf gar keinen Fall mehr in den Käfig setzen kann. So bitte ich um eine Katzenbox, sage, dass ich sie sofort mitnehme und setze sie in die Box. Ab dem Zeitpunkt, in dem sie in der Box sitzt, scheint sie beruhigt, sie hat verstanden.....
Später telefoniere ich vom Auto aus und wir erreichen Yolanda, die in Barcelona wohnt und sofort anbietet die Kätzin in ein paar Tagen in Pflege zu nehmen. Bis dahin kommt sie einfach mit zu unserem Ferienhaus...
Treffen in einer der Stationen des Vereines Sense Sostre
Kurz nahmen wir uns Zeit, um die Erlebnisse in der Tötungsstation zu verarbeiten. Wir sitzen alle im Auto, sind klatschnass und frieren - keine sagt ein Wort. Jede von uns hat viele Bilder im Kopf, die wohl nie wieder aus dem Gedächtnis herauszubekommen sind. Wir trinken einen Schluck und fahren los. Denn was jetzt kommt wird besser! Wir treffen uns mit Manuela, einer deutschen Tierschützerin die in Spanien lebt, die uns zu einem Tierheim von Rosa "Animales Sense Sostre" bringt. Wir reissen uns wieder zusammen und wissen, jetzt müssen wir wieder anpacken. Denn umso mehr Tiere wir fotografieren, umso mehr können wir auf unsere Homepage stellen und ihnen zu einem endgültigen Zuhause verhelfen.
Dort angekommen überreichen wir Manuela erstmal das Geschenk unserer Jugendgruppe. Eigentlich ist es für Rosa, da wir sie aber leider nicht treffen, haben wir es Manuela überreicht, sie leitet es dann an Rosa weiter.

Manuela freut sich sehr über das Geschenk der Jugendgruppe.
Wir ziehen uns wieder unsere Gummistiefel an und los geht es durch eine silberne Tür zu den ersten Hunden, welche uns mit lautem Gebell begrüßen.

Links und rechts sind Zwinger besetzt mit lauter wundervollen Hunden.

Wir gehen an den Zwingern vorbei um einen Überblick zu bekommen, welche Hunde wir vorstellen können, und welche nicht. Leider sind es sehr viele Hunde, die wir nicht vorstellen können, denen wir nicht helfen können, weil es unser Gesetzgeber einfach nicht will. Es sind Listenhunde, einer netter und freundlicher als der andere, aber ihr Leben lang verurteilt, weil sie der falschen Rasse angehören.

Dieser wundervollen Hündin dürfen wir leider nicht helfen, denn sie zählt zu den Listenhunden.
Es ist sehr laut, wir verstehen fast kein Wort. Es sind so viele Hunde, wir wissen gar nicht, wo wir anfangen sollen. Während wir uns über grundsätzliche Dinge unterhalten und Manuela uns viele Fragen beantwortet, werden die Zwinger der Hunde gesäubert. Es ist schön zu sehen, wie die Hunde der Pflegerin ihre Zuneigung schenken. Ein Zeichen für uns, dass die Hunde dort wirklich liebevoll umsorgt werden.


Wir beginnen einige Hunde zu fotografieren und zu filmen. Alle sind sehr zutraulich und freuen sich über die Zuneigung und die Streicheleinheiten. Während wir einen Hund nach dem anderen aus den Zwingern holen, werden wir von den anderen Hunden angefeuert. In der Tötung war Totenstille, hier ist das wilde Leben.

Das ist Helen, sie wartet noch auf ein schönes Zuhause.
Manuela geht mit uns weiter in den zweiten Bereich des Tierheims. Wir gehen durch einen schmalen Durchgang und werden von einem freundlichen großen Rüden empfangen. Sanft streicheln wir über seinen Kopf und gehen weiter. Vor einem großen Freilauf machen wir Halt, dort sind noch viele Hunde, die wir fotografieren können. Einer nach dem anderen quetscht sich durch die Tür, was manchmal wirklich nicht einfach ist, denn die Hunde möchten etwas erleben und würden gerne mal die Zwinger von aussen sehen.

Der Freilauf und die angrenzenden Zwinger des zweiten Bereiches.

Ein mittelgroßer schwarzer Rüde springt an uns allen hoch und erbettelt jede Art von Zuwendung, die er bekommen kann. Fängt man an ihn zu kraulen, wird er ganz ruhig und genießt den Moment so lange wie möglich. Manuela erzählt uns, dass der Rüde Ramoncin heisst, er kam mit seinen Geschwistern als Welpe ins Tierheim- Alle konnten vermittelt werden - außer Ramoncin. Warum konnten wir uns nicht erklären. Also machten wir Fotos und ein Video, um für den Rüden schnellstmöglich ein Zuhause zu finden.

Ramoncin hat inzwischen ein tolles Zuhause gefunden.
Wir erfuhren von einer jungen Hündin, die leider einen schweren Herzfehler hat und noch dazu Leishmaniose positiv ist - Carni. Tina nahm sie auf den Arm und man merkte an Tinas Ausdruck, dass sie fest entschlossen ist der Hündin zu helfen. Am liebsten hätte sie Carni gleich eingepackt, aber wir waren für unsere Rückfahrt schon mehr als voll. Manuela führte uns durch eine Tür. Was wir dort sahen war ein kleiner Raum, schön kuschelig warm. Dort waren ein paar alte Hunde, kranke Hunde und verletzte Hunde. Dazwischen mogelte sich ein Hund, der überhaupt nicht zu den anderen passte. Schwarz, jung und dynamisch. ;) Das war Tucan, ein Podencomischlingsrüde. Wir wissen, wie schwer es ist für einen Podenco (oder deren Mixe) ein gutes Zuhause zu finden ... der meist stark ausgeprägte Jagdtrieb schreckt viele Menschen ab. Doch wir wollten es wenigstens versuchen und so filmten und fotografierten wir auch Tucan.

Hündin Carni, die inzwischen über eine andere Tierschutzorganisation ein Zuhause gefunden hat.

Podencomischling Tucan sucht noch ein Zuhause.
Viele andere Hunde werden von uns noch fotografiert. Wir sind inzwischen komplett durchnässt, es regnet ununterbrochen und unsere Finger sind eiskalt. Nachdem wir alle Hunde gesehen haben, verlassen wir die Zwingeranlage wieder. Auf dem Rückweg streicheln wir noch mal dem großen Rüden über den Kopf, er ist neu hier und darf deshalb noch nicht zu den anderen.
Auf dem Weg zum Auto fragt uns Manuela noch, ob wir die Katzen sehen möchten. Wir sagten sofort zu und gingen zu einem alten kleinen Haus. Drin hörten wir zwei kleine Hunde bellen, die uns auch sofort sehr freudig begrüßten, als wir zu ihnen kamen. Manuela zeigte uns einen kleinen Raum, der durch Maschendraht noch in kleine Abteile unterteilt war. Darin waren wenige Katzen, der Boden war voll mit Kot.

Die "Quarantäne" und Krankenstation der Katzen
Was wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten war, dass es sich hier nur um die kleine "Quarantäne" für Neuankömmlinge und Krankenstation handelte. Manuela führte uns in einen weiteren Raum, welcher durch Maschendraht wieder in drei kleinere Abteile unterteilt war. Was wir dort sahen - darauf waren wir nicht vorbereitet. Unzählige Katzen und fast alle verschnupft. Rosa hat keinerlei Hilfe bei der Katzenvermittlung und sie vermitteln auch nur sehr wenige Katzen im Jahr. Es gab nur zwei Katzenklos für geschätzte 30 Katzen je Abteil.

Alles dort war so gut es ging liebevoll eingerichtet. Man merkte, dass es einfach an den zur Verfügung stehenden Mitteln liegt, dass es nicht optimal für die Katzen sein kann. Leider können wir diesen Katzen momentan nicht helfen, denn sie sind stark verschnupft und somit nicht stabil genug für die anstrengende Reise nach Deutschland.

Gegen die Kälte kuscheln sich die Katzen eng zusammen.
Leider war es nun schon spät und wir mussten uns auf den Rückweg machen. Den Raum wieder zu verlassen gestaltete sich als sehr schwierig, denn viele Katzen wollten mit und versuchten mit allen möglichen Tricks durch die Tür zu kommen. Die Katzen dorthin zurück schieben zu müssen schmerzt sehr. Wie gerne würden wir allen ein Zuhause schenken oder ihnen wenigstens eine tolle Unterkunft ermöglichen. Doch leider benötigt man hierfür viel Geld, was wir nicht haben.
Wir fahren das erste Mal ins Tierheim Villena bei Alicante
Vor einigen Wochen erhielten wir einen Hilferuf vom Tierheim Villena. Wir informierten uns über das Tierheim und waren gleich sehr beeindruckt. Schnell war klar, dass wir uns das Tierheim persönlich ansehen und vor allem das Team der dortigen Engel etwas näher kennen lernen wollten. Dank vieler Menschen, die uns Sachspenden für das Tierheim mitgegeben hatten, kamen wir nicht mit leeren Händen. Wir hatten Futter, Transportboxen, Katzentoiletten, Kratzbäume, Spielzeug und vor allem Decken und Hundemäntel an Bord. Denn kurz vor Abfahrt hatten wir erfahren, dass die Helferinnen für die frierenden Hunde aus Decken Mäntel nähen, um den Hunden ein klein wenig Wärme zu geben. Also kamen wir glücklich und reich bepackt nach einer ereignisreichen, fast fünfstündigen Hinfahrt in Villena an.
Erst mal wurde vor den staunenden Augen der HelferInnen ausgepackt:

Dann ging es rein ins Tierheim und wir trafen die Hunde, von denen schon klar war, dass sie ihr Ticket in der Tasche hatten und mit uns erst Mal nach Barcelona und einige Tage später nach Deutschland fahren sollten.

Unsere künftigen Beifahrerinnen Pitu und Lina begrüßen uns gleich am Eingang im ersten Durchgangsgehege
Stürmisch werden wir von Pitu, Tuya und Moya begrüßt. Linda ist zaghaft, ist etwas skeptisch, warum die Fremden so dusslig glückselig grinsend vor ihr stehen. Sie weiss ja nicht, wie sehr wir uns auf das Kennen lernen gefreut haben. Als ich ihr zuflüstere, dass eine wunderbare Familie bereits auf sie wartet, guckt sie weiterhin skeptisch in die Runde... ;-)

Auch Tuya und Moya sind schon reisefertig und startklar!
Nachdem wir uns riesig über die Begrüßung der Hunde, die wir bisher nur von Bildern kannten, gefreut haben, geht es weiter zu den verschiedenen Gehegen und Zwingern.
Das Tierheim ist in zwei sehr, sehr große Innengehege aufgeteilt, die von den einzelnen, kleineren Zwingern umsäumt werden.


Wir werden von zwei Mitarbeiterinnen des Tierheimes durchgeführt, die uns alles zeigen. Mit Gestik und Mimik verständigen wir uns über die vielen einzelnen Hunde. DENN, sie sprechen spanisch, wir deutsch und englisch und somit können wir uns auf keine gemeinsame Sprache verständigen. ;-) Meine paar Brocken Spanisch wende ich vor allem an, indem ich jeden Hund auf spanisch mit dem "Encantarda" (=angenehm) begrüße, worüber die Mitarbeiterinnen jedes Mal lachen müssen. :-)
Unglaublich aber wahr, wir kriegen echt einen kleinen Informationsaustausch hin und lernen dadurch verschiedene Hunde und ihre Geschichte kennen.
Später kommt eine Ehrenamtliche dazu, die sich mit uns auf Englisch verständigt. Sie erzählt uns, dass sich immer um die 500 Hunde im Tierheim befinden. Sie kommen zu ihnen, weil sie entweder von ihren Besitzern abgegeben wurden, weil sie ausgesetzt worden waren, weil sie den Menschen keinen Nutzen mehr erfüllten (wie die vielen Jagdhunde, die die Jäger nicht durch den Winter füttern wollen) - oder weil das Tierheim sie aus den nahe gelegenen Tötungslagern rettete, wenn es knapp wurde. Beispielsweise aus dem Tötungslager Cadiz.
Hier finden Sie eine erste Aufnahme, Respekt, Würde und eine anständige Behandlung. Die beiden Mitarbeiterinnen und die ca. 15 Ehrenamtlichen kümmern sich so liebevoll sie nur können um ca. 500 Hunde. Dieser Winter war entsetzlich kalt und die Hunde haben keinen beheizten Raum, in den sie sich zurückziehen können. Sie alle, ob kurz- oder langhaarig müssen der Kälte standhalten. Die Ehrenamtlichen aber tun was sie können. Bitten um Hundemantelspenden und nähen vor allem die meisten Hundemäntel aus den gespendeten Decken selbst.

Mit selbst genähten Hundemänteln gegen die winterliche Kälte
Nach und nach lernen wir wahnsinnig viele Hunde kennen, die uns ausnahmslos alle freundlich begrüßen.

Ana - bedingungslose Freundlichkeit
Wir lernen die Schäferhündin Ana kennen, die alles gibt, damit Claudia sie wirklich in Erinnerung behält. :-) Sie lacht Claudia an, nimmt sie in den Arm, rennt sie um, küsst sie, wirft sich auf den Boden, um sogleich wieder hoch zu kommen und Claudia erneut zu küssen... Diese Hündin ist ein Feuerwerk an Freundlichkeit und wir alle sind begeistert. Wir hoffen, dass Ana die Chance bekommt, das Tierheim zu verlassen und ihre Herzlichkeit in ein Zuhause strömen darf, wo die Menschen es zu schätzen wissen, diese bedingungslose Freundlichkeit in ihrer Familie zu haben.

Pili und Mili, zwei unglaublich aufmerksame und beeindruckende Schwestern
Erst entdecke ich Pili, die versucht auf eine unglaubliche zarte und aufdringliche Art und Weise zu uns Besucherinnen Kontakt aufzubauen. Sie bewegt sich neben uns und bleibt immer auf gleicher Höhe. Als wir sie ansehen, freut sie sich riesig, aber auch dies auf eine unnachahmlich elegante Art.
Und plötzlich denke ich, ich sehe doppelt. Da steht Mili, ihre Schwester, vor uns.
Ein Wahnsinnspaar und mir fällt es irre schwer nicht loszubrabbeln, ob ich die Beiden mitnehmen dürfe.

Huracan - Name ist Programm
In einem der Zwinger treffen wir Huracan. Claudias Herz hüpft sofort in die Höhe und sie ruft Jana zwischen all dem Hundegebell von Hunderten Hunden, dass sie bitte Fotos machen soll. Also gehen eine Helferin, Jana und ich in den Zwinger. Jana soll fotografieren und ich Huracan halten. Nichts leichter als das, dachte ich, aber in Huracan findet man bei diesem Job seinen Meister. Er rast durch den kleinen Zwinger, scheint außer sich vor Freude über den Besuch und kann keine Sekunde still halten. Immer wieder versuche ich nach ihm zu greifen und fasse nur ins Leere. Mir war wohl bewusst, wie bescheuert ich bei meinen erbärmlichen Versuchen aussah! :-) Aber Huracan hatte dadurch eine echte Freude und ein bisserl Abwechslung im tristen Zwingeralltag. Gerade für Hunde wie ihn, die nach Aktivität lechzen, ist das Leben im Zwinger furchtbar!
So gerne würde ich Ihnen jetzt hier von jedem Hund erzählen, den wir dort kennen lernten. Aber das würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Auf unserer Homepage finden Sie aber ganz, ganz viele Hunde, bei denen vermerkt ist, dass sie sich in diesem Tierheim befinden.
Jeder Hund der ein Zuhause ergattert, macht Platz für einen anderen, der in diesem Moment bereits in Not ist und dessen einzige Chance vielleicht die Aufnahme im Tierheim Villena ist.
Als nächstes dürfen wir in den Katzebereich. Da es wahnsinnig kalt ist und uns bereits Hände und Füße eingefroren zu sein scheinen, rechnen wir damit, auf viele kranke Katzen zu treffen, denn auch sie sind wie die Hunde draußen untergebracht. Aber wir werden eines besseren belehrt.

Das Katzen-Außengehege
Das großflächige Katzengehege bietet den Katzen einen Natur-Kratzbaum in der Mitte des Areals. Die ersten Katzen kommen angelaufen, um uns zu begrüßen. Sie alle sind schon, je nach Alter, sehr lange hier. Denn wir erfahren, dass hier 30 Katzen Obdach finden, die ebenso wie die vielen Hunde aus den verschiedensten Gründen ihr Zuhause verloren haben. Ca. vier Katzen können die Helferinnen im Jahr vor Ort vermitteln, was natürlich sehr wenig ist, bedenkt man, wie viele Katzen so dringend Hilfe bräuchten und dadurch keine Aufnahme finden, weil keine Plätze frei werden.


Arenita und Nala
Insgesamt wundern wir uns, wieso wir so wenige Katzen sehen. Dann bemerken wir die zwei Eingänge, die in gemauerte Räume führen. Dort stehen Heizstrahler, alles ist gekachelt und sauber und die Katzen kuscheln sich auf Kissen zusammen. Es hat eine sehr heimelige Atmosphäre.

Einer der beiden gekachelten und mit Heizstrahlern ausgestatten Räume. Durch den guten Blitz am Foto kann man den Raum gut sehen, ohne ist es nahezu dunkel, da der Raum fensterlos ist
Ich bin absolut verblüfft, wie gesund die Katzen sind. Man sieht kaum jemanden schnupfen, kaum Durchfall, keine von Ohrmilben verkratzten Ohren .... Alles scheint perfekt unter Kontrolle zu sein. Die Helferin erzählt uns stolz, dass jede Katze, die neu aufgenommen wird, erst mal in einem kleinen Quarantäneraum untergebracht wird. Dort wird sie entwurmt, kastriert, geimpft und behandelt. Und erst wenn alles perfekt ist, darf sie in das Katzengehege einziehen. Dazu die saubere Umgebung des gekachelten Raumes, die Wärmequelle durch die Heizstrahler in dem einfach gemauerten Raum. Auch hier sind wir wieder restlos begeistert von dem gut durchdachten Konzept.
Uns fällt aber auch auf, dass es kaum Kratzbäume, kaum Spielzeug gibt. Wie so oft fehlt dafür einfach das Geld. Denn die Sauberkeit und Ordnung täuscht schnell darüber hinweg, wie sehr auch hier jeden Tag um das Überleben gekämpft werden muss. Die Futterrechnungen für 500 Hunde und 30 Katzen zu begleichen, die Tierarztkosten, die beiden Angestellten müssen bezahlt werden, der Tierarzt der einige Stunden zwei Mal die Woche im Tierheim angestellt ist.
Wir beschließen sofort, bei dem nächsten Besuch gaaanz viele Kratzbäume und Katzenspielzeug mitzubringen!
Besuch unserer Hunde in der Auffangstation
Das zweite Mal durfte ich die Hunde in unserer Auffangstation besuchen. Die Hunde dort kommen alle aus der Tötungsstation in Pamplona und werden in den angemieteten Zwingern auf ihre Ausreise vorbereitet. Für mich war es ein schöner Moment, denn wir konnten wieder unsere Hunde sehen, fotografieren und streicheln. Und einige durften auch an diesem Tag mit nach Deutschland fahren. Jana machte ihre Kamera startklar, während Tina und ich mit unserer Liste die Zwinger abgingen um unsere Hunde zu finden.

Wir mussten uns sehr beeilen, denn alle Hunde mussten vor Sonnenuntergang fotografiert und gefilmt werden. Einen Zwinger nach dem anderen gingen wir ab, oft mussten wir wieder zurückgehen, denn manche Hunde ähneln sich sehr, und wir haben lediglich ein kleines Foto und eine ungefähre Größenangabe. Schlussendlich haben wir natürlich alle Hunde gefunden und konnten ihnen kurz das Gefühl von Wärme und Geborgenheit geben. Leise flüsterten wir denen, die noch einen Monat warten müssen, ins Ohr, dass sie nur noch 4 Wochen durchhalten müssen.

"Ist das der Richtige?" Wir prüfen sorgfältig die Listen.
Jeder Moment in der Auffangstation ist einzigartig. Wir gehen zu dem Zwinger, kämpfen uns hinein. Ja, wir kämpfen uns wirklich hinein, denn die Hunde stehen an der Tür und würden am liebsten durch den kleinen Spalt huschen, um endlich mal wieder richtig Gas geben zu können. Endlich drin angekommen freuen sich die Hunde so sehr, springen an einem hoch und bei manchen ist es wahrlich schwierig, ihnen eine Leine anzulegen. ;) Doch jetzt kommt wieder der nächste schwere Moment, denn wie schaffen es Hund und Mensch wieder aus dem Zwinger, ohne dass die anderen Hunde mitlaufen? Ja, wir haben es wieder geschafft, und los geht es zum fotografieren und filmen. Jana fotografiert, Tina filmt und ich versuche den Hund ordentlich zu präsentieren und ihm aber auch gleichzeitig viele Streicheleinheiten zukommen zu lassen.
Die Sonne verschwindet langsam und wir merken, dass es Zeit ist das Auto zu laden. Für mich ein wundervoller Moment, denn jetzt darf ich Gloria, die ich im Januar in der Auffangstation kennen gelernt habe, aus ihrem Zwinger holen und mit nach Deutschland nehmen. Ich nahm sie auf den Arm, drückte sie fest an mich und flüsterte ihr viele Worte ins Ohr, die ich hier nicht erzähle, denn es würde wohl in viel zu viele Worte ausarten. ;) Aber nicht nur Gloria durfte mitfahren, auch Danni und Donald durften mit uns mit nach Deutschland reisen.

Danni macht Luftsprünge vor Freude, dass er jetzt mit nach Deutschland reisen darf.

Danni marschiert zielstrebig aus der Auffangstation.
Als Tina Danni aus dem Zwinger holte, waren die Gefühle kurz ganz oben. Denn zu wissen, dass Danni endlich aus der Auffangstation raus darf, war für uns wunderbar. Doch dieses Glück sollte nicht lange anhalten. Denn in Dannis Zwinger stand auch Maxl, ein kleiner Rüde, der schon viel zu lange in der Auffangstation warten muss. Er blickte Tina tief in die Augen und konnte nicht verstehen, dass er jetzt zurück bleiben sollte. Die Tränen waren hier nicht zurück zu halten, am Liebsten hätten wir ihn mit nach Deutschland genommen, irgendwo hätten wir schon noch ein Plätzchen für ihn gefunden. Leider waren seine Papiere aber nicht fertig und so mussten wir ihn zurück lassen. Tina versprach ihm unter Tränen, dass er bei der nächsten Fahrt auf jeden Fall mitfahren darf. Genauso wie Jan und Marie-Luise.

Maxl (hier rechts im Bild) mussten wir leider zurück lassen.

Jan muss auch noch 4 Wochen warten, er verabschiedet sich von uns mit einem traurigen Blick.

Die schöne Marie-Luise müssen wir leider auch noch zurück lassen.
Doch alle drei haben einen festen Platz bei unserer nächsten Fahrt. Bald ist die Zeit der kalten Zwinger vorbei.
Fahrt zurück nach Deutschland
Nachdem alle Hunde und Katzen an Board, alle Boxen fest verzurrt und die Papiere durchgecheckt waren, verabschiedeten wir uns noch von den spanischen Tierschützern und machten uns auf den Weg - denn wir hatten noch sehr sehr viele Stunden vor uns. Da Tina die erste Fahrschicht übernahm, kuschelte ich mich mit Linda auf die Rücksitzbank. Carmen hat uns wieder leckeres Essen als Wegproviant gemacht, viel hatten wir allerdings nicht davon... denn Linda hatte scheinbar etwas mehr Hunger. ;)
Die Fahrt war anstrengend, streckenweise hatten wir starken Wind, Schneetreiben und schneebedeckte Straßen. Wir mussten uns sehr konzentrieren, damit wir den voll gepackten Bus sicher in der Spur halten konnten.
Morgens durften dann Moya, Linda und Pitu bei Karlsruhe schon aussteigen. Dort wurden sie von Christina Decker abgeholt und in ihr neues Zuhause gebracht (außer Pitu, sie durfte als Pflegehund bei Christina einziehen).

Die kostbare Fracht ging dann weiter Richtung München. Wir alle waren sehr gespannt auf die Ankunft und die letzten Minuten vergingen viel zu langsam. Zu groß war die Vorfreude auf die vielen strahlenden Gesichter und die vielen wedelnden Schwänzchen.

Für mich war die Fahrt etwas ganz besonderes. Sie hat mir gezeigt, wie wichtig unsere Arbeit vor Ort ist und wie toll unsere spanischen Kolleginnen alles Mögliche und Unmögliche organisieren. Ich freue mich schon sehr auf meine nächste Spanienfahrt!
Ein riesiges Dankeschön an alle Menschen die Sachspenden abgaben, an unsere Adoptanten,
an das THV-Team und vor allem an die Menschen
die vor Ort in Spanien so sehr für die Tiere kämpfen!
Hier finden Sie unseren Reisebericht als pdf zum Download