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Spanienreise April 2009
Wieder eine Reise nach Barcelona ...
Liebe LeserInnen, im Folgenden berichten wir Ihnen von unserer Spanienfahrt im April 2009. Wir, Eva Heinzinger und ich, möchten dies gemeinsam tun und Ihnen von unseren Erlebnissen erzählen und damit dazu beitragen, dass wir dort mit vielen Menschen gemeinsam mehr helfen können. Sie erkennen die verschiedenen Autorinnen anhand der Farben! :-) Eva rot und ich (Tina) grün! :-)
Im Vorfeld gab es einen Spendenaufruf auf unserer Homepage, in dem wir um Sachspenden für unsere Kolleginnen baten. Viele Tierfreunde schickten uns alles, was das Herz eines Vierbeiners so alles begehren könnte und wir waren wieder mal überwältigt von der großen Hilfsbereitschaft. Besonders, da die Reise sehr, sehr kurzfristig geplant war und wir gar nicht damit gerechnet hatten, dass trotzdem noch so viele tolle Sachen ankommen. Viele Menschen haben sich sogar von weiter her ins Auto gesetzt, um ihre Hilfsgüter persönlich und damit rechtzeitig bei uns abzugeben.
Einen Tag vor Abfahrt wurde dann der Transporter mit den Spenden beladen und morgens gegen 5 Uhr sollte es dann eigentlich los gehen! Eva und ich konnten aber nicht warten und machten uns dann sehr kurz entschlossen noch am Abend auf dem Weg! :-)

Mit dabei Hündin Beckyna!
Abfahrt nach Barcelona
In der Nacht machten wir dann kurz Halt um zu schlafen, um morgens ausgeruht und voller Elan unseren Weg fortzusetzen. Diesmal war die Reise viel angenehmer, da wir mit „unserem“ eigenen Bus von Tina gefahren sind!

Beim Erdgastanken
Abends sind wir dann endlich in Barcelona angekommen und wurden von der spanischen Kollegin Alex und ihrem Vater in Empfang genommen. Wir durften auch dieses Mal wieder in ihrem Ferienhaus außerhalb von Barcelona wohnen. Ein Traum für uns, weil wir uns so auch immer mal wieder etwas ausruhen konnten.
Besuch am AVE-Gelände
Am nächsten Tag ging’s dann auch schon los nach Barcelona, um das AVE- Auffanggelände zu besuchen. Vor einigen Jahren hat die Stadt Barcelona beschlossen eine Transrapidstrecke zu bauen, leider durch eine der größten Katzenkolonien der Stadt (wir berichteten schon mehrmals). Anfang dieses Jahres erreichte uns ein verzweifelter Hilferuf der spanischen Kollegen, die sich dieser Katzen angenommen hatten und sich mit einem wahnsinnigen Engagement für diese einsetzen, sie versorgen und pflegen und täglich gegen so viele Widerstände kämpfen müssen.

Liebevolle Schlafplätze
Auf dem Weg zum Auffanglager zeigten uns die Spanier, wie weit die Bauarbeiten an der Transrapid-Strecke mittlerweile voran geschritten waren. Yolanda, unsere THV-Koordinatorin und Übersetzerin, erzählte uns, dass weite Strecken einmal Parks und Grünflächen waren, wo jetzt eine riesige Baustelle und endlose Gleise zu sehen sind. Für Tina und mich unvorstellbar…

Carmen verteilt die Futterspenden

Aus Dingen vom Schrottplatz wurde ein Spültisch gebaut!
Doch dann bemerkte ich wieder, mit wieviel Liebe und Einfallsreichtum die Tierschützer das Gelände für die Katzen hergerichtet haben. Man hat das Gefühl, dass mit diesen vielen verschiedenen Spiel- und Versteckmöglichkeiten, Schlaf- und Sonnenplätzen hier ein richtiger Traum für Katzen entstanden ist. Doch wenn man dann genauer hinsieht, erkennt man die vielen kranken Katzen. Katzen die leiden, weil sie nicht behandelt werden können …

Wirklich aus ALLEM bauen die Kolleginnen Versteck- und Kuschelplätze. Hier ein ehemaliges Büroregal ...
Einen sehr scheuen Kater fingen wir sofort zu dritt mit Hilfe eines Netzes und einer Katzenbox ein. Ihm lief Eiter aus dem Mund, er brauchte schnell Hilfe. Er wurde in eine Box gepackt und der Tierarzt informiert.

Dem Kater läuft Eiter aus dem Mund
Da waren noch viele andere kranke Katzen. Als wir fragten, ob wir diese auch einfangen helfen sollten, schüttelte Carmen traurig den Kopf. Nein, es war nicht genug Geld für den Tierarzt da und es fehlte auch an einer Quarantänebox, wo wir ihn/sie dann hätten reinsetzen und damit behandelbar hätten machen können.

Der Kater links ist auf einem Auge blind und hat massive Fellprobleme, der Kätzin rechts läuft sehr viel Speichel aus dem Mund, sie hat massive Entzündungen im Mund.
Es ist furchtbar zu sehen, dass dort eine kleine Gruppe von Menschen um 220 Katzen kämpft - es niemand sonst interessiert, was aus ihnen wird, und von Seiten der Stadt nicht nur kaum Hilfe kommt, sondern oftmals die Arbeit noch erschwert wird.
Den Tierschützerinnen blutet das Herz, nicht alle kranken Katzen sofort behandeln zu können. Da sind die, deren entzündetes Auge behandelt werden müsste, die mit vermilbten Ohren, die anderen deren Zähne vereitert sind und denen inzwischen Speichel, manchmal Eiter aus dem Mund läuft, dann die die Durchfall haben. Die Tierschützerinnen fangen sie ein, holen den Tierarzt und setzen sie in separierte Boxen, wo sie sie sehr gut behandeln können. Doch es fehlt an Geld für den Tierarzt und an Boxen zum Separieren. Ohne Geld und ohne diese Gitterboxen geht gar nichts!! Denn viele Katzen sind scheu, nicht anfassbar und nur über das Futterschälchen in der separierten Box medikamentierbar.

Gartenhäuschen mit Gitterboxen dienen als Separations- und Krankenzimmer
Was mich so sehr berührte war die Tatsache, dass diese kleine Gruppe für die Katzen alles, alles tut, mit so viel Liebe das Gelände einrichtet und repariert und in Stand hält, das ganze eigene Geld investiert hat, und trotzdem müssen diese Menschen immer wieder machtlos zusehen, wie kranke Tiere vor ihren Augen keine Behandlung bekommen können. Dieses Ohnmachtsgefühl konnte ich so klar spüren und verstand schnell die Ernsthaftigkeit und die Trauer in den Augen dieser Katzenschützerinnen.
Während mir Tränen runter liefen, überlegte ich fieberhaft, wie wir schnell und effektiv helfen können...
Klar war mir, dass es Spendengelder braucht und vor allem Gitterboxen zum Separieren von Katzen. Und man über Druck aus dem Ausland nachdenken müsse. Prosteste aus Deutschland beispielsweise, die die Stadt Barcelona zwingen, sich mit ihren Problemen auseinander zu setzen und dies nicht auf eine Handvoll Menschen ohne finanzielle Mittel abwälzen kann.
Das erste was ich nach diesem Besuch tat, war Sylvia Enders aus unserem Team anzurufen und ins Telefon zu rufen: "Bitte fangt an Gitterboxen zu sammeln, sobald wir ausreichend beisammen haben, fahren Eva und ich wieder nach Barcelona und bringen sie her!"
Besuch im neuen Katzenhaus von El Jardinet
Nach dem Ave-Gelände fuhren wir gleich weiter zu der neuen „Katzenauffangstation" des Vereins El Jardinet. In den letzten Monaten wurden die zwei großen Auffangwohnungen Aribau und Ripoll von der Stadt Barcelona geschlossen. Was aus den vielen Katzen wurde, interessierte die Politiker nicht. So haben sie auch den Antrag auf das wunderschöne Gelände El Botanico (wir berichteten im Oktober) abgelehnt. Da es keine anderen Möglichkeiten mehr gab, hat Magda, eine spanische Kollegin, ihr altes und unbewohntes Haus zur Verfügung gestellt. Vor einigen Wochen war dann der große Umzug und Tina und ich waren schon ganz gespannt auf das neue „Katzenhaus“!!! Von außen wie eine alte verwunschene Villa ...

Das neue Katzenhaus!
Beim Betreten des Hauses fällt im Flur gleich ein riesiger Kalender auf. Dort tragen die HelferInnen alle Infos ein, die es zu den Katzen an diesem Tag gab. Wer zeigte Krankheitssymptome, wer bekam Medikamente, was gab es Neues zum Wesen eines einzelnen Tieres.

In jedem Gruppenraum hängt eine Tafel!
In dem großen alten Haus, das von außen wie eine alte Villa aussieht, ist vieles morsch und auch verschimmelt. Das Haus ist sehr alt und wurde schon sehr lange nicht mehr genutzt. Aber den Katzen bietet es ein vorübergehendes Heim und Sicherheit. Die Zimmer werden als Gruppenzimmer genutzt.

Helferinnen im Katzenzimmer
So ist immer nur ein Teil der Katzen in einem Raum zusammen, was die Ausbreitung von Krankheiten verhindert und die Katzen besser beobachtbar macht.
Für die Katzen, die positiv auf FIV oder Leucose getestet wurden, gibt es auch jeweils extra Räume in einem eigenen Stockwerk.

In einem extra Raum werden kranke Katzen separiert und behandelt.
Wir gehen in jedes Zimmer und stolz zeigen die Kolleginnen, was sie mit wenigen Mitteln, wenigen HelferInnen und in sehr kurzer Zeit gezaubert haben. Es gibt Versteckmöglichkeiten, Kratzbäume und Kuschelkissen. Natürlich könnte es davon mehr geben, aber es ist ein Anfang und die Katzen machen einen entspannten Eindruck. In jedem Gruppenraum hängt eine Tafel, auf der mit Foto die einzelnen Katzen liebevoll abgebildet sind.

Eines der Gruppenzimmer
Wir beginnen zu fotografieren und die einzelnen Katzen zu filmen, damit wir sie später auf unsere Homepage setzen können.

Spielmöglichkeiten sind für die oft traumatisierten Tiere unendlich wichtig
Die Kolleginnen berichten, dass es vor allem schwierig sei, eine gute Lösung für die ganz scheuen Katzen zu finden. Davon sind viele schon lange in der Obhut der Katzenschützerinnen und bei einigen ist klar, dass wie wohl nie zutraulich werden. Die Kolleginnen fragen, was wir in Deutschland mit den ganz scheuen Tieren tun. Ich erzähle, dass meist Bauernhöfe gesucht werden, die diese Katzen aufnehmen und wo Menschen wohnen, die sich auch wirklich gut kümmern werden. Menschen, die wilde Katzen aufnehmen und sich gut kümmern? Sie schütteln den Kopf, sowas gibt es hier nicht. Sie sind schon froh, wenn sie für ein zutrauliches Tier ein Zuhause finden können. Sie berichten, dass scheue, behinderte oder kranke Tiere in diesem Land eigentlich kaum eine Chance haben, niemand will sie haben. Die Kolleginnen nehmen sie dann auf, doch es werden immer mehr und es braucht Lösungen. Immer wieder versuchen sie bei der Stadt Genehmigungen für kontrollierte Katzenkolonien zu bekommen. Freie und leer stehende Gelände gäbe es genug, die man entsprechend vorbereiten könnte, aber niemand will die Katzen dort wissen.
Einen Tag Urlaub...
... das haben wir uns gewünscht und haben es auch tatsächlich geschafft! Vor allem für Tina war dieser Tag ein Traum, da sie schon seit Jahren wegen ihrer Tierschutzarbeit keinen einzigen Tag einfach mal nur frei hatte!
Wir konnten ausschlafen, sind am Strand spazieren gegangen, sind in eine benachbarte Stadt gefahren und dort in einem Strandlokal essen gegangen, haben Eis geschleckt und wollten unbedingt sinnloses Zeug shoppen (haben aber leider nur Brauchbares gefunden... ;-) ).
Einen ganzen Tag Erholung um Kraft zu tanken für den Rest der Woche ...

Beckyna am Strand
Fahrt zu der Perrera Sir Can
Am Mittwoch sind wir in das Tötungslager Sir Can gefahren. Belinda und ihre Kollegen, die diese Station leiten, führten uns wieder durch das Gelände und wir fotografierten und filmten soviele Hunde wie möglich, damit diese hier in Deutschland eine bessere Chance auf ein neues Zuhause bekommen. Glücklicherweise war diesmal eine deutschsprechende Freundin von Belinda dabei, die uns übersetzte, damit wir so viele Infos wie möglich über die Hunde bekommen konnten.

Möglichst viele Infos werden gesammelt.
Hier gilt es immer Ruhe zu bewahren. Mitleid und Tränen helfen den Tiere nicht, dafür ist Zeit danach. Hier gilt es, die wenige Zeit die wir dort verbringen zu nutzen. Nutzen heisst, so viele Hunde wie möglich aus dem Zwinger zu holen, zu fotografieren, ein Video zu machen und so viele Infos als möglich über das Wesen und die Bedürfnisse des jeweiligen Tieres zu notieren. Nur das hilft.
So machen wir uns an unseren Job. Inzwischen ein eingespieltes Team, hält und beruhigt Eva die Hunde, während ich knipse, filme und wir beide versuchen so viel als möglich über den Hund vor uns wahr zu nehmen. Danach notiert Eva in einer dafür vorbereiteten Liste alle wichtigen Infos. Wir haben dafür eine Liste, in der alle möglichen Fakten abgefragt werden. Denn sonst würden wir in Situationen wie diesen alles vergessen. Aber so kann man sich fest halten an der Liste auf dem Klemmbrett und sicher sein, dass man alles an Infos hat, was dem Hund für die Ausreise aus dieser Hölle helfen kann.
Was mich wie immer hinter der Kamera tief berührte, war die Tatsache, wie die Hunde auf die Menschen reagieren. Werden sie von den Beschäftigten des Geländes gehalten, sind sie meist verspannt, unsicher, haben Angst. Übernimmt Eva einen Hund dann und hält ihn im Arm, ist eine sofortige Entspannung zu sehen und so mancher Hund scheint sich regelrecht in Eva hinein fallen lassen zu wollen. Diese Hunde wissen wo sie sind!!!! Sie wissen und sehen, wer wir Menschen sind.
Auch dieses Mal lernten wir wieder viele Hunde kennen, die uns tief berührten:
Da waren das Geschwisterpaar Lisa und Simpson, die bei einer kranken Frau dahin vegetierten.
Abgemagert und ängstlich kauerten die beiden im letzten Eck des Zwingers aneinander. Beide sollten zusammen vermittelt werden, denn sie hängen sehr aneinander. Was passiert, wenn einer von den beiden früher ein neues Zuhause findet und den anderen zurück lassen muss? Ich will es mir gar nicht vorstellen…

Lisa und Simpson
Dann war da eine Hündin, die schon seit mehreren Jahren in der Tötung im Zwinger lebt. Sie lässt sich von keinem Menschen anfassen, flüchtet panisch, wenn man auch nur einen kleinen Schritt auf sie zumacht. Was muss sie wohl alles erlebt haben, dass sie alles Vertrauen in die Menschen verloren hat? Ihre Chancen auf ein neues Zuhause, ein neues Leben und ein bisschen Glück sind gleich null ...
Verzweifelten fragten wir uns, was wohl aus dieser Hündin werden soll ...

Scheu und ängstlich...
Dann waren da zwei Schäferhundmischlinge, erst 6 Monate alt und beide allein im Zwinger. Sie stammen beide aus der Zucht von Belinda (ja, sie züchtet auch dort in der Tötung). Den Rest des Wurfs hat sie schon verkauft, aber die beiden konnte sie nicht verkaufen, weil beide zu klein für ihre Rasse sind … Warum die beiden getrennt im Zwinger leben, wissen wir nicht so genau. Was wir aber sicher wissen, beide haben panische Angst vor Menschen und das schon mit 6 Monaten!!

Hundekinder voller Angst
Dann war da Nieve. Sie gehörte einem Jäger und verweigerte es zu jagen, darauf hin schlug der Jäger sie und gab sie zuletzt in der Tötung ab. Dies hat massive Spuren in Nieve hinterlassen. Fühlt sie sich bedrängt, läuft ihr vor lauter Angst der Urin runter.

Nieve scheint nicht mehr auf Respekt zu hoffen...
Linda, ein kleines, nur wenige Wochen altes Dobermannweibchen. Sie gehörte einem Obdachlosen, der die Hündin nicht behalten durfte. Also wurde dieser schutzlose kleine Welpe in einem kalten Zwinger gesperrt, sie hatte nicht einmal eine Decke…
Und so viele mehr...
In einem der letzten Zwinger sitzt ein alter Hundeopi. 17 Jahre ist er alt, hören wir. Als wir ihn genauer ansehen, ist schnell klar, dass seine kompletten Zähne massiv unter Eiter stehen. Auch er stammt aus einer Zucht und wurde als Welpe zweimal verkauft, allerdings kam er jedesmal wieder zurück, weil er Sachen angeknabbert hat. So lebte er also jahrelang in diesem Zwinger, ohne Hoffnung auf ein besseres Leben ... Wir tauschen einen Blick aus und es ist klar, der alte Opi wird sofort mitfahren.

Der Hundeopi durfte gleich mitfahren.
Als wir zu den Katzen in der Station kommen, stehe ich kurz davor emotional Amok zu laufen. Wie immer ist es tosend laut in der Wellblechhütte, in der die Katzen untergebracht sind. Denn immer noch läuft der Stromgenerator, der das ganze Gelände beliefert, direkt an der stickigen Wellblechhütte. Wie sonst auch, sitzen die Katzen in ihren Käfigen, kein Bett, nichts um die Krallen zu wetzen, keine Höhle zum verstecken .... Es sind viele - und ich erkenne sie wieder! Es sind die gleichen, die auch schon vor einem Jahr hier waren. Es ist die Gruppe der wilden Katzen, die von einem Stadtbezirk hier "untergebracht" wurden. Sie sollen wieder ausgewildert werden, wenn die Baustelle in diesem Bezirk abgeschlossen ist. Ich versuche beherrscht zu fragen, warum sie nicht woanders ausgewildert werden. Ich bekomme Antworten, aber ich kapiere nichts davon .... Das alles ist so abstrus ... Es ist so entsetzlich ...
Die Katzen sitzen auf dem Boden der Käfige...kein Bett, kein Versteck, nichts zum Kratzen...
Wir sehen uns die kleine Gruppe von Katzen an, die mit uns nach Deutschland fahren werden und damit diese Hölle verlassen können. Einer der Kater erscheint apathisch. Ich bitte darum, ihn aus der Box holen zu dürfen. Er legt sich sofort auf den Tisch auf den ich ihn stellen wollte, lässt die Nase auf die Platte sinken. Ich bitte eindringlichst, dass man sofort Fieber mißt und handelt. Nach einigem hin und her wird endlich ein Thermometer gebracht. Er hat über 40 Grad Fieber und ist damit nicht transportfähig. Ich entdecke außerdem eine kahle Stelle, es ist ein Hautpilz. Ich weiß, dass ich ihn so nicht mit nach Deutschland nehmen darf, dass wir damit gegen Einreisebestimmungen verstoßen würden und der Kater weiteren Stress hätte, der ihn noch kränker machen könnte. Ich entdecke außerdem eine Stelle mit Pilz an seinem Kopf. Ich sage, dass er so nicht mitfahren darf und er eine sofortige Behandlung braucht. Ich bestehe darauf und bleibe entschlossen neben dem Kater stehen. So wird der Tierarzt geholt, Blut abgenommen und der Kater bekommt sofort Medikamente. Ich fühle mich entsetzlich, als ich den Kater zurück in die Box schiebe und das Versprechen, ihn schnell da raus zu holen, kommt mir wie ein elender Verrat vor....

Tuba zu krank für die Reise.
Die Perrera Sir Can ist für ein Tier kein guter Ort, keine Frage. Aber sie arbeiten mit dem Tierschutz zusammen. Wir dürfen fotografieren, filmen, sie lassen die Hunde impfen, kümmern sich um Bluttests und bringen die vermittelten Hunde zum Flughafen oder den Treffpunkten. Das ist mehr als in vielen anderen Perreras...
Als wir abfahren ist es still im Auto. Eva drückt den Hundeopi an sich, ich bin froh mich am Steuer des Busses festhalten zu önnen. Als wir vom Berg runter sind und wieder Empfang haben, telefonieren wir nach einem Tierarzt für den alten Hundeopi, um zumindest schon mal die Infektionen im Mund etwas in Griff zu bekommen...
Als wir abfahren, schaut sich Opi aufgeregt um. Für ihn ist alles neu und er kann es gar nicht recht glauben, was mit ihm geschieht. Auf dem Beifahrersitz liegt eine Decke und Opi lässt sich sofort reinfallen, als er diese entdeckt. Er streckt und wälzt sich, schaut uns beide an und seine Augen fangen langsam an zu lachen! Einerseits macht es mich unendlich traurig, dass er wahrscheinlich noch nie in seinem Leben eine Decke gesehen hat, andererseits können wir beide nur lachen, bei dem überglücklichen Gesichtsausdruck von Opi ... :-)

Der Opi räkelt sich auf der weichen Decke
Besuch in der Hunde-Auffangstation
Am nächsten Tag fahren wir in die Auffangstation, um unsere Hunde zu fotografieren und zu filmen. Hier sind alle untergebracht, die aus dem Tötungslager Pamplona in letzter Sekunde gerettet werden konnten und nun hier langsam aufgepäppelt und für die Reise vorbereitet werden.
Wir sind beide schon sehr gespannt, weil wir die meisten unserer Hunde ja auch nur vom Foto kennen. Und schon geht es auch los. Wir gehen von Zwinger zu Zwinger, werden mit viel Geschrei begrüßt- jeder will der erste sein, der gestreichelt wird oder ein paar Minuten aus dem Zwinger kann. Wir müssen unsere Hunde zu uns herlocken und aus dem Zwinger schleusen - was oft zu lustigen Verrenkungen von uns führte! :-))))

So auch bei Nelly! Sie sprang wie ein Flummi vor dem Gitter auf und ab, als sie uns kommen sah! Kaum war ich neben ihr, da springt sie mir schon auf den Schoß und drückt sich in meine Arme. Ihr Gesichtsausdruck kann nur eines heißen: Jetzt bin ich dran!!!!
Selten hab ich so eine faszinierende Hündin gesehen, denn sie kann ihre Rollen innerhalb von Sekunden wechseln. Nehm ich sie auf den Arm, kuschelt sie sich gleich mit einem ganz armen Blick an mich heran, lass ich ihr ein bisschen Freiraum – schon will sie rumspringen und lacht mich mit großen Augen schelmisch an. Nelly wartet nun schon sehr lange auf ihre eigene Familie- doch leider hat es für unsere kleine Schauspielerin bis jetzt nie geklappt …

Nelly wartet auf ein Zuhause.
Und Lilli - die Schnauzermix- Hündin, die sich erst ängstlich in die Zwingerecke verkriecht als ich sie aus dem Zwinger lassen will, und kaum ist sie aus der Gittertür heraus, schon springt sie um mich herum und fordert mich auf, nun endlich mal schneller zu machen - sie hat heute schließlich noch was vor!!! Auch Lilli wartet nun schon länger.

Lilli lacht gerne.
Während Eva Hunde hält und streichelt, übernehme ich das Fotografieren und Filmen. Es ist sooo schön, unsere Hunde selbst kennen zu lernen. Während ich knipse, frage ich mich bei den vielen süssen Hunden, was in ihrem Leben geschehen ist, dass sie in einem Tötungslager entsorgt werden sollten. Wie tausendfach zuvor frage ich mich, was mit unserer Menschheit los ist...
Ankunft der Hunde aus dem Tötungslager Pamplona
Am nächsten Tag sind Antje und Birgit wieder in die Tötungsstation Pamplona gefahren, um so viele Hunde wie möglich zu retten. Bei der Ankunft in der Auffangstation halfen wir den beiden, die Hunde das erste Mal zu fotografieren und gleich zu filmen, einen ersten Eindruck von ihnen zu bekommen und sie erstzuversorgen. Danach müssen sie in die verschiedenen Zwinger eingeteilt werden.
Hier lernten wir auch Tommy kennen, der süße Wuschelmix war total verfilzt und wir versuchten, die schlimmsten Filzplatten weg zu schneiden - leider hat die Schere schon nach wenigen Minuten aufgegeben. Der Arme muss nun schon wieder in einem Zwinger warten und sein Fell muss unglaublich jucken. Er bräuchte dringend endlich eine neue Familie, die ihn pflegt und ihn mal so richtig verwöhnt…
In unsere Abigail verliebten wir uns sofort. Die kleine Lockenmaus war sehr unsicher und wusste gar nicht wie ihr so geschieht. Nach der ganzen Prozedur wollte sie nur noch ihre Ruhe, doch sie musste noch ihre Entwurmung bekommen. Wir nahmen sie später nochmal aus dem Zwinger, um ihr eine Extraportion Nassfutter zu geben, denn im Zwinger mochte sich nichts anrühren, obwohl sie klapperdürr war.
Erst wollte sie gar nicht in meine Nähe, am liebsten hätte sie sich für immer verkrochen. Doch als ich sie streichelte, entspannte sie sich schnell und genoss die kleinen Streicheleinheiten sehr, und schwups di wupps hatte sie auch schon Vertrauen zu mir. Als ich sie dann im Zwinger zurücklassen musste, schaute sie mir nur mit großen traurigen Augen hinterher…

Abigail ist nach ihren Erlebnissen völlig fertig.
Es ist so unglaublich schwer, diese tollen Hunde zurück zu lassen. Natürlich sind sie in der Auffangstation in Sicherheit, doch mit nur ein wenig Liebe und Geborgenheit mehr könnte man so viele Hunde endlich glücklich machen.

Spenden von lieben Menschen in Deutschland

Es wird mit dem Laden begonnen...

Freddie wird von seiner neuen Familie erwartet...
Eva Heinzinger und Tina Hamp
April 2009
